EX-FRAU zu sein, ist nicht immer leicht

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Das Ex-Frauensyndrom ist ein Beschwerdebild, über das viele Geschiedene klagen.
„Die Wechseljahre sind für mich eigentlich überhaupt kein Problem. Nur meine Taille verflüchtigt sich mehr und mehr, ich habe bestimmt zehn Kilogramm zugelegt.
Aber wahrscheinlich kommt das gar nicht vom Wechsel, sondern ist Kummerspeck durch die Scheidung. Das verdanke ich meinem Mann auch noch.
Eigentlich will ich das Ganze ja hinter mir lassen, wieder schlanker werden und neue Leute kennen lernen, er hat ja auch wieder eine Familie.“
Flora, eine selbstbewusste Mitvierzigerin, kam zur Beratung in meine Praxis, um ihr Übergewicht loszuwerden, das sie seit der Trennung vor zwei Jahren systematisch aufgebaut hatte.
Sie wusste schon, dass sie sich zu oft mit Süßem getröstet hatte und dass sie als Pressesprecherin eines Verkehrsbetriebes einfach zu wenig Bewegung hatte.
Aber das eigentliche Hauptthema unseres Gespräches war nicht ihr Traumgewicht und die möglichen Zukunftsperspektiven, sondern ihr Exmann, von dem sie pausenlos erzählte.
Sie war zwar tief verletzt, weil er sie so schnöde verlassen hatte, grollte ihm auch noch, aber viele Äußerungen zeugten von ihrer Hoffnung, er würde seinen Irrtum endlich einsehen und zu ihr zurückkommen.
Er nährte diese Erwartung auch und ließ sich bei Problemen in der neuen Beziehung von ihr trösten. Sie rief ihn immer noch häufig an oder tauchte einfach in seiner neuen Wohnung auf, um angebliche familiäre Probleme zu besprechen.
Damit hatte sich Flora ein riesiges Hindernis für ihre zukünftigen Vorhaben und eine mögliche neue Beziehung geschaffen: sie war weder emotional noch praktisch wirklich geschieden, sondern litt am sogenannten Ex-Frauen-Syndrom.
Damit bezeichnen Psychologen das Phänomen, dass der seelische Zustand mancher Frauen nach einer Scheidung oder Trennung so angeknackst sein kann, dass sie in ihrem Trennungsschmerz verharren und sich nicht von ihrem Ex lösen wollen.
Solange sie aber Teil seines Lebens bleiben und auf seine Rückkehr hoffen, sind sie nicht wirklich frei für eine neue Beziehung.
Die Bezeichnung Syndrom macht deutlich, dass es sich um eine Vielzahl von Symptomen handeln kann, die diesen Zustand kennzeichnen, zum Beispiel:


- Es besteht immer noch eine starke Verbundenheit mit dem Expartner, die Frau bewusst oder unbewusst weiter nährt, ungeachtet seiner Gleichgültigkeit oder auch seiner offenen Ablehnung. Wie bei Flora, wird er im Gespräch mit anderen immer noch als „mein Mann“ bezeichnet. Und beim Einkaufen überlegt sie immer noch, was ihm wohl gefallen oder schmecken würde
- Es gibt eine selbstgestrickte Version der realen Trennung oder Scheidung, die Frau immer rosiger ausschmückt, die sie im Bekannten- oder Familienkreis verbreitet und letztendlich auch selbst glaubt
- Das frühere Zusammenleben scheint, auch wenn es schlimme Situationen gab, leichter als der jetzige Zustand zu sein. Es gibt sogar ein unbewusstes Sträuben gegen neue Beziehungen
- Sie kann auch Fantasien nachhängen, die zeigen, wie sehr der Ex sie noch verletzen kann. Dann träumt sie davon, ihn am Boden zu sehen, von allen verlassen oder arm. Andere Fantasien ranken sich darum, er käme reuevoll zurück und alles wäre wieder gut
- Ihr ist es außerordentlich wichtig, gut auszusehen, falls sie ihn zufällig treffen sollte und sie wäre auch nicht abgeneigt, körperliche Kontakte wieder aufzufrischen
- Sie glaubt häufig, dass sein Leben schon wieder interessant, aufregend oder auch geordnet ist und beneidet ihn darum. Oft versucht sie noch daran teilzuhaben, sie sammelt Informationen über ihren Ex und die „Neue“, gibt Kommentare über das Aussehen und die Wohnung ab oder zitiert ihren Expartner noch zu Reparaturarbeiten heran
- Sie sucht immer noch die früheren gemeinsamen Lieblingsplätze auf, pflegt die gemeinsamen Traditionen und leidet dabei usw.


Diese und ähnliche Symptome sind Hinweise darauf, dass der Verlust noch nicht verarbeitet wurde.


Seelische Wunden


Jede Trennung, egal wie zivilisiert sie verläuft, ist eine Form von seelischer Verletzung, von der man nur wieder genesen kann, wenn alles, was mit der gescheiterten Beziehung zu tun hat, geklärt und Frau auch als Alleinstehende wieder handlungsfähig ist.
Emotional müssen die schmerzhaften Gefühle wie Trauer, Kummer, Enttäuschung, Einsamkeit oder auch Hass bewältigt werden.
Praktisch ist die Auflösung des gemeinsamen Haushalts unumgänglich sowie das Schaffen neuer Kontakte, um die ganz normalen Dinge im Haushalt, in der Erziehung, bei Versicherungen, Steuern, Geldanlagen u. ä. alleine zu organisieren.
Rational müssen die Entwicklungen und Ereignisse durchdacht werden, die zur Trennung führten.
Nur wenn Frau das versteht, kann sie es auch akzeptieren.
Mit den Antworten auf die große Frage „Warum?“, kann dann der heilende Prozess des Vergessens einsetzen.
Bei Flora stockte dieser Prozess jedoch, weil sie keine Antworten suchte, sondern nur Schuldige.
Für sie war der Verlust der Beziehung unerträglich, weil sie sich jetzt als Frau unvollständig fühlte. Am liebsten hätte sie, falls der Ex wirklich nicht zurückkam, nahtlos in eine neue Bindung gewechselt, aber das schaffte sie seelisch nicht.
Dieser Frust führte dann zu den süßen Tröstern und schließlich zu den ungeliebten Kilos.
Um Flora aus der Ex-Frauen-Falle zu erlösen, nahmen wir uns die Zeit, die frühere Beziehung genau anzuschauen und berieten dann gemeinsam die richtigen Schritte, um die Beziehung endgültig zu „erledigen“.
Klären, was den endgültigen Schlussstrich unter die vergangene Beziehung behindert.
Flora hatte immer noch eine starke gefühlsmäßige Bindung an den Mann, den sie in ihrer Vorstellung geschaffen hatte. Erst beim genaueren Beleuchten der Beziehung begann das Bild zu bröckeln. Die Antworten auf Fragen, wie: „Was war an Ihrem Ex-Partner anziehend, was fanden Sie unmöglich?“ Oder: „Welche Erwartungen hatten Sie an die Partnerschaft, welche wurden erfüllt, welche enttäuscht?“ zeigten ihr, dass sie viele der früher beklagten negativen Züge ihres Partners einfach „vergessen“ hatte.
Auch, dass er sie schon früher betrog und nicht erst die verhasste „Neue“ die Ehe zerstört hatte.
Sie erkannte auch, dass sie beide von Anfang an wenig Gemeinsamkeiten kannten und sich emotional kaum noch etwas zu sagen hatten.
Sie erinnerte sich an die überstürzte Heirat, weil das Kind schon unterwegs war und auch daran, wie oft sie auch in der Ehe schon einsam war.
Flora und ihr Mann führten eine sogenannte H-Beziehung. Dieser Buchstabe symbolisiert das Zusammenleben zweier Menschen, die nur durch Kinder oder Haus oder Geschäft zusammengehalten werden, sich aber sonst wenig zu sagen haben.
Was sich Flora eigentlich wünschte, war eine M-Beziehung, in der beide Partner eigenständig agieren können, sich aber, wie es der Buchstabe zeigt, immer zugeneigt sind.
Wir brauchten einige Mentalfeldbehandlungen und das homöopathische Mittel Natrium chloratum gegen den stärker aufkommenden Groll, bis Flora die Bindung an den Ex bzw. das Bild von ihm loslassen konnte.


Die gefühlsmäßige Bindung endgültig beenden


Deutliches Zeichen für diesen Schlussstrich war ein Ritual, bei dem Flora den einzigen Liebesbrief, den sie je von ihrem Mann erhalten hatte, im Garten verbrannte. Sie entledigte sich auch aller Restposten, die sie in der Wohnung noch fand und gestaltete die Räume mit Unterstützung ihrer erwachsenen Söhne nach ihrem Geschmack um.
Als letztes ersetzte sie das Klingelschild an der Tür mit ihrem Namen.


Regeln für das Zusammentreffen mit dem Ex festlegen


Flora musste einen neuen Umgang mit dem Mann erlernen, der nicht mehr zu ihr gehörte, aber immer noch der Vater ihrer Kinder ist. Mit folgenden Regeln setzte sie ihm und sich auch die notwendigen Grenzen:


- Zusammenkünfte finden nur noch nach vorheriger Vereinbarung und auf neutralem Gebiet statt und hauptsächlich wenn es um Probleme der Kinder geht
- Es gibt keinen Haustürschlüssel mehr für den Ex und er betritt ihre Wohnung nur nach Aufforderung
- Es gibt keine Gespräche mehr, wenn sie sich einsam fühlt, er getröstet werden will oder eine Reparatur notwendig ist
- Seine neue Familie und seine Wohnung sind für sie tabu


Neue Interessenbereiche und Freunde finden und die Zukunft selbst gestalten.
Flora begann mit dem, was sie früher schon immer machen wollte, ihr Ex  aber nicht.
Zuerst legte sie sich Inline-Skater zu und begann regelmäßig an einer Übungsstrecke zu laufen.
Beim Salsa-Kurs, den sie außerdem buchte, lernte sie einige „Leidensgenossinnen“ kennen, mit denen sie sich austauschen und neue Vorhaben angehen konnte, zum Beispiel Aquarellmalen oder Karaoke-Singen.
Nach einigen Veränderungen in der Ernährung verabschiedeten sich auch die störenden Pfunde.
Beim Abschlussgespräch saß mir eine deutlich glücklichere Flora gegenüber. „Ich verstehe gar nicht, wieso ich solange an diesem Mann festgehalten habe. Zwar bin ich noch nicht da, wo ich hin will, aber jetzt fühle ich mich wirklich frei für was Neues.
Leider sind die echt interessanten Männer  nicht so leicht zu finden, aber vor kurzem habe ich zwei nette Typen kennen gelernt, mit denen ich das Flirten schon mal wieder üben kann.
An meinen Ex denke ich nur noch selten. Wenn früher das Telefon klingelte, dachte ich immer, er ruft an, heute rechne ich eher mit einer Einladung meiner neuen Freunde und das macht wesentlich mehr Spaß.“

Empfohlene Selbsthilfemethoden:
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