REISEÜBELKEIT muss nicht sein

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Stellen Sie sich vor, mein Mann hat eine Reise auf einem Luxusschiff gewonnen. Erst dachte ich ja wir würden veralbert, wie man das oft liest. Aber es ist alles rechtens. Er hat an einem Fotowettbewerb teilgenommen und wir erhalten die Kreuzfahrt wirklich. Und alles vom Feinsten, mit Käpt’ns Dinner, Extra-Empfang und so. Natürlich habe ich zuerst an die Kleider gedacht, die ich brauche, wann fährt unsereiner schon mal auf so einem Schiff.
Aber jetzt mache ich mir sehr Sorgen, dass ich seekrank werden könnte, im Bus ist mir schon mal schlecht geworden. Dann hätte ich ja nichts mehr von der schönen Reise, könnte ich denn vorbeugend schon was machen?“


Frau Barth, die sich so auf die Reise freute, kannte ich schon lange, bevor sie zur Beratung kam. Sie ist die fleißige Zustellerin, die zuverlässig bei Wind und Wetter die Post verteilt.
Die große Neuigkeit ließ sie regelrecht übersprudeln und diese Vorfreude wollte sie sich nicht durch Angst vor Seekrankheit kaputt machen lassen.


Die Reisekrankheit (Kinetose)


Sie beruht zu einem großen Teil auf Irrtümern unserer Körpersysteme.
Beteiligt sind das Gleichgewichtsorgan im Innenohr (Vestibularapparat), das Kleinhirn und der Hirnstamm, ein Bereich der mit unserer Befindlichkeit und dem Überleben zu tun hat.
Kinetose tritt nicht beim Reisen zu Fuß auf, sondern ausschließlich, wenn wir bewegt werden, zum Beispiel im Auto, im Bus, in der Bahn, im Flugzeug oder auf dem Schiff.
Die ungewohnten Bewegungen, wie kurvenreiches Fahren, Luftturbulenzen im Flugzeug oder der Wellengang auf See, führen zu einer ständigen Reizung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Das reagiert ähnlich wie mit Wasser gefülltes Glas, das ruckartig seitwärts bewegt wird. Auch wenn das Wasser nicht ausläuft, dauert es doch eine Weile, bis sich alles wieder beruhigt hat.
Im Körper ist es so, dass genau in dieser Krisensituation, das Brechzentrum angeregt werden kann. Zudem spielen Augen, Haut und die sensiblen Nervenzellen der Muskeln als weitere Sinnessysteme in diesem möglichen Drama mit.
Denn sie schicken unter diesen Bedingungen widersprüchliche Lageberichte an das Gehirn, zum Beispiel wird optisch eine stabile Lage gemeldet, aber der Vestibularapparat beschwert sich über das Wiegen.
Im Hirnstamm wird dieses Durcheinander, ähnlich wie bei einer Vergiftung, als Gefahr für den Körper bewertet. Es veranlasst die Ausschüttung von Botenstoffen, die zu den bekannten Symptomen führen, Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Blutdruckschwankungen, sogar bis zum Kreislaufkollaps.
Am stärksten betroffen sind Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren, aber auch Erwachsenen und besonders Seereisenden kann so etwas die Reiselust vermiesen.
Muss es aber nicht, denn nicht jeder ist betroffen und außerdem kann man  v o r h e r  einiges tun, damit man sich in der Luft sicherer fühlt oder einem an Land „schon „Seefahrerbeine“ wachsen. Wenn man sich wie Frau Barth rechtzeitig und gezielt vorbereiten will, sollte man das in drei Richtungen tun.


So beugt man vor


Das Gleichgewichtsorgan trainieren und den Körper auf die ungewohnten Bewegungen vorbereiten, zum Beispiel täglich den 1. Tibeter ausführen (sich einundzwanzig Mal im Kreise drehen) oder Pirouetten drehen, auf einer Linie oder dem Bordstein balancieren, auf einem Brett wippen, eine Standwaage machen oder auf einem Bein stehen.
Die dabei erfolgten Reizungen helfen dem Vestibularapparat, sich schneller an ungewohnte Lageveränderungen anzupassen.
Ein anfängliches Schwindelgefühl beim schnellen Drehen lässt nach, wenn man zum Abschluss auf beide Daumen schaut.
Frau Barth ließ sich dabei von ihren Kindern auf dem Spielplatz einweisen. Dort konnte sie problemlos wippen und balancieren. Außerdem trainierte sie jetzt ganz bewusst, das Gleichgewicht mit ihrem schwer bepackten Postrad zu halten und nicht gleich abzusteigen.
Menschen mit hohem Blutdruck (Hypertonie), sollten vor einer Reise durch Ernährungsumstellung und regelmäßiges Laufen alles tun, um den Druck zu normalisieren, besonders wenn es um Langstreckenflüge geht.
Menschen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) sind ebenfalls bei sehr langen Reisewegen und Druckunterschieden gefährdet und sollten vorher mit viel Bewegung und Wechselduschen ihren Kreislauf trainieren.
Balanceübungen können auch nach einer Reise beibehalten werden, denn das Gleichgewichtsorgan wird immer schwächer, wenn es nicht trainiert wird.
Nützliche Informationen sammeln, wo und wie man Komplikationen durch Kinetose weitgehend vermeiden oder sich ablenken kann.
Erfahrungsgemäß fühlen sich Reisende sicherer, wenn sie die Bewegungen von Auto, Bus oder Schiff sehen und nachvollziehen können. Deshalb ist Lesen während einer Fahrt nicht für jeden gleich gut geeignet. Besser ist es, sich zu entspannen, die Bewegungen mitzumachen und sich nicht zu verkrampfen.
Angstgefühle beim Reisebeginn kann man gut mit Meridian-Techniken beruhigen. Wenn das nicht möglich ist, hilft es auch, den Zeigefinger mit der anderen Hand zu umfassen. Im Auto oder Bus sind die Plätze ganz weit vorne und in Fahrtrichtung am besten geeignet. Wenn der Blick auf die Straße gerichtet werden kann, viel frische Luft da ist und Bewegungspausen gemacht werden, überstehen das auch Menschen mit sensiblen Nerven sehr gut.
Im Flugzeug ist der ruhigste Platz in der Mitte zwischen den Tragflächen und natürlich am Gang. Dort kann man leichter aufstehen und sich etwas strecken. Im Flugzeug sind die Bewegungen sowieso nicht so gut nachvollziehbar. Deswegen ist es besser, die meiste Zeit den Sessel zurückzuklappen und die Augen zu schließen. Das interpretiert unser Innenohr als Schlafstellung und schaltet ab.
Auf dem Schiff ist der beste Platz an Deck. Dort hat man frische Luft, meist einen herrlichen Ausblick und die Möglichkeit, sich den Schaukelbewegungen optimal anzupassen. Bis sich der Körper darauf eingestellt hat, das ist spätestens nach zwei Tagen, sollte unter Deck nichts gemacht werden, wobei man sich lange bücken muss.
Auf keinen Fall sollte man sich auf ausschweifende Gespräche über die Reisekrankheit einlassen, sich dort aufhalten, wo andere darunter leiden, wo starke oder unangenehme Gerüche sind oder fettes Essen und übermäßig Alkohol zu sich nehmen.


Tipps und Medikamente für die Akutfall bereithalten


Schon bei den ersten Symptomen wie Gähnen, Müdigkeit, leichter Schwindel und Antriebslosigkeit sollte reagieren, wer seine Reise genießen will. Homöopathisch eignet sich bei Kinetose Coccolus am besten, vor allem gegen die Seekrankheit und auch den Jet-lag bei Langstreckenflügen.
Bei pflanzlichen Medikamenten hat sich besonders Ingwer bewährt. Seine Inhaltsstoffe wie das Gingerol blockieren im Magen die Botenstoffe, die die Übelkeit und das Erbrechen auslösen. Sie aktivieren Wärmerezeptoren in der Magenschleimhaut und beruhigen außerdem den Hirnstamm. Ingwer kann als Tee oder auch als Dragees eingenommen werden.
Von den Bachblüten hilft am besten Scleranthus bei Reisekrankheiten und Gleichgewichtsstörungen. Akut kann man sich bis zur Besserung jeweils vier Tropfen direkt auf die Zunge träufeln. Wer seinem Kreislauf, vor allem bei tropischen Temperaturen, nicht traut, sollte Rescue-Tropfen (Bachblüten-Notfalltropfen) bereithalten und sie ähnlich einsetzen.
Ätherische Öle wie Pfefferminze oder Melisse, können zur Beruhigung eingenommen werden. Helfen aber auch empfindlichen Nasen, wenn sie daran schnuppern.
Auch ohne Medikamente kann Akupressur Erleichterung bringen. Der klassische Punkt gegen Reiseübelkeit ist „Neiguan“ oder P6, er liegt auf der Innenseite des Unterarms, mittig, drei Finger breit über der Handgelenksfalte. Dieser Punkt wird zuerst links eine Minute massiert, dann das gleiche rechts, mehrfach wiederholen. Im Sitzen können auch beidseitig die Punkte Magen 36 akupressiert werden. Diese Punkte mit der schönen Bezeichnung „Göttlicher Gleichmut“ versprechen genau das. Sie liegen seitlich unterhalb der Kniescheibe, etwa eine Handbreit von der Kniehöhe entfernt und können bis zur Besserung gedrückt oder auch geströmt werden.
Die Kreuzfahrt ist inzwischen Geschichte und war ein unvergessliches Erlebnis, von dem Frau Barth noch ihren Enkeln berichten wird. Von den eleganten Clubs, den tollen Kleidern, den Veranstaltungen und Landausflügen.
Und ganz am Rande wird sie stolz vermerken, dass sie jetzt Seefahrerbeine hat und eine der wenigen war, die sogar bei Sturm an Deck geblieben sind.


Ingwer-Tee


Ein Teelöffel voll frisch zerkleinerte Ingwer-Wurzel in eine Teetasse geben, mit kochendem Wasser übergießen und acht bis zehn Minuten ziehen lassen. Dann abseihen und schluckweise trinken.
Ingwer-Tee kann auch in einer Thermokanne mit auf die Reise genommen werden.
Ausbildungsangebote:
www.Heilpraktiker-lehrinstitut.de
www.Meridian-energie-technik.de
www.Heilpraktiker-psych-ausbildung.de