Die Tricks gegen „Hicks“

 

Die Tricks gegen „Hicks“

Einem Schluckauf ist man oft hilflos ausgeliefert

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin

Artikel in BIOLINE-Magazin

 

Diese Situation war auch für mich absolut neu. Eigentlich war ich von Yvonne, einer Ra-diomoderatorin, zum Interview eingeladen. Yvonne war mal meine Nachbarin und inte-ressierte sich sehr für Gesundheitsfragen und Probleme der menschlichen Psyche. Das etwas provokante Thema für die Sendung lautete:

„Wieso haben Frauen nur Kopfschmerzen, während Männer immer gleich einen Hirntumor haben?“

Aber ehe wir uns richtig heiß diskutieren konnten, bekam sie einen heftigen und lauten Schluckauf. Luftanhalten, Wasser trinken, all das half nichts. Sie saß fast panisch vor dem noch geschlossenen Mikrofon und sah mich zwischen den Hicksern Hilfe suchend an.

Wahrscheinlich ist schon die Vorstellung von einer solchen Situation für jeden Profisprecher der absolute Alptraum, denn so ein Schluckauf (Singultus) reagiert selten so, wie wir es wollen.

 

Hickser oder Lachen

Verursacher des Schluckaufs ist das Zwerchfell, das ist der Muskel, mit dem wir die Bauchatmung unterstützen und auch Lachen auslösen. Dieser quer liegende Muskel kann plötzlich und unwillkürlich kontrahieren. Durch diese Verkrampfung wird Luft nach oben gedrückt, durch die geschlossene Stimmritze gepresst und der obere Teil des Kehlkopfs ziemlich geräuschvoll geschlossen. Das macht dieses typische hicksende Geräusch, das einem schlagartig die Aufmerksamkeit aller Umstehenden sichert.

 

Männer sind aus bisher ungeklärten Gründen viermal häufiger betroffen, als Frauen.

 

Vermittelt wird dieser Schluckauf-Reflex, durch den dort verlaufenden Nerv mit dem un-aussprechlichen Namen Nervus phrenicus, der durch die unterschiedlichsten Dinge gereizt werden kann. Die Zahl dieser Reizfaktoren und Auslöser geht in die Hunderte und reicht von banal bis sehr gefährlich:

-       die Überdehnung des Magens durch hastiges Essen oder das Trinken von koh-lensäurehaltigen Getränken oder Luftschlucken ist der häufigste Anlass

-       auch eiskaltes Essen oder zu scharfe oder zu heiße Speisen können den Reflex auslösen

-       wer zuviel trinkt oder wem Alkohol ungewohnt ist, wird mit ziemlicher Sicherheit zu vorgerückter Stunde nicht nur mit seinem Stehvermögen, sondern auch mit einem Schluckauf zu kämpfen haben

-       sogar winzige Insekten, die einem im Sommer ins Ohr kriechen können  oder andere kleine Fremdkörper, können Auslöser sein

-       auch emotionaler Stress, wie Angst, Schrecken, Aufregung begünstigt einen Schluckauf, besonders, wenn hyperventiliert, also zu hastig und zu tief eingeatmet wird und der Kohlendioxidgehalt im Blut sinkt

-       ebenso können angenehme Erlebnisse, wie heftiges Lachen bis zum Lachkrampf oft mit Schluckauf enden

-       dauerhafter Schluckauf kann auch ein Hinweis darauf sein, dass der Nervus phre-nicus und auch ein weiterer beteiligter Hirnnerv, der Nervus vagus, durch Durch-blutungsstörungen, Entzündungen oder Tumoren beeinträchtigt wird. Da der Nervus vagus durch den ganzen Körper verläuft, sind viele weitere Ursachen denkbar, die aber nur bei chronischem Schluckauf abgeklärt werden müssen

 

Eigentlich harmlos – es sei denn ...

Warum wir diese sonderbare Reaktion haben, darüber gibt es nur Vermutungen. Es soll ein Relikt der menschlichen Entwicklungsgeschichte sein oder auch ein Trainingseffekt für Ungeborene. So lange diese im Fruchtwasser herumschwimmen, sind die Lungen noch nicht funktionsfähig. Für den ersten Schrei sollen sie aber gut vorbereitet sein. Das wird mit dem Hickser trainiert und damit kein Wasser in die halbfertigen Lungen dringt, wird die Stimmritze fest geschlossen. Das mag für viele Geplagte nur ein geringer Trost sein, aber Fakt ist, Schluckauf ist meist harmlos und vorübergehend. Ursachenforschung und Behandlung sind nur in den Fällen erforderlich, in denen der Schluckauf andauert. Sind das zwei Tage, gilt er schon als chronisch, nach zwei Monaten wird er als therapieresistent bezeichnet und trotzt allen Behandlungsversuchen. Aber auch hier kann sich die Medizin irren. Bei dem Amerikaner Charles Osborne beispielsweise, hörte der Schluckauf nach 68 Jahren plötzlich auf, wie er gekommen war und kam auch nicht wieder.

 

Soviel Zeit hatten wir im Studio natürlich nicht. In solchen Situationen braucht man etwas, das schnell und zuverlässig hilft. Vermutlich ist das auch immer sehr individuell, denn es gibt Tausende Tricks gegen den Hicks.

 

Was helfen kann:

-       tief einatmen und dann sehr laut singen

-       Wasser in den Mund nehmen, die Ohren mit den Daumen und die Nase mit den kleinen Fingern zuhalten, dann schlucken

-       in eine Papiertüte atmen, hilft bei denen, die leicht hyperventilieren, weil es den Kohlendioxidgehalt im Körper wieder erhöht

-       leicht bei geschlossenen Augen auf die Augäpfel drücken

-       auf den Rücken legen, die Knie fest an den Körper heranziehen und die Ober-chenkel gegen den Bauch drücken

-       ein Stück sehr trockenes Brot ganz langsam kauen

 

Manches davon klappt ganz gut, aber wer hat schon immer ein trockenes Stück Brot in Reichweite oder kann sich vor einem wichtigen Kundengespräch schnell noch mal auf den Boden legen.

Noch schwieriger zu handhaben sind die Ratschläge, die eher ins Reich der Magie gehören, wie Rausgehen und sich unter einen Felsen setzen, über den Daumen gähnen und in die Sonne sehen oder gegen den Wind spucken.

Am besten gefällt mir noch, an sieben glatzköpfige Männer zu denken. Ganz abgesehen von der angenehmen Vorstellung Yul Brunner oder Bruce Darnell siebenmal zu sehen, bedeutet es, das Bewusstsein ein wenig abzulenken und den Körper seinen Weg wieder alleine finden zu lassen.

Einige Tricks gegen den Hicks helfen dabei etwas nach und so beruhigt sich das Zwerchfell etwas schneller:

Akupressur am Punkt Milz-Pankreas 16

Dieser Punkt befindet sich knapp unter dem Rippenbogen, auf der Linie von den Brust-warzen abwärts. Wenn man sich etwas nach vorne bückt, kann man den Punkt leichter massieren. Nach relativ kurzer Zeit sollte der Schluckauf vergessen sein.

Paradoxe Interventionen

Wirken ebenfalls sehr zuverlässig. Paradox deshalb, weil man versucht, ganz bewusst etwas zu machen, das man eigentlich nicht mehr will. Beispielsweise kann man sich eine Belohnung versprechen, wenn der nächste Hickser etwas früher kommt oder man kann sich anfeuern, um eine bestimmte Zahl zu erreichen.

 

Die Sinne einsetzen

Am überzeugendsten wirkt die Vorstellungskraft mit möglichst vielen Sinneskanälen, weil sie nicht nur die bewusste Wahrnehmung ablenkt, sondern auch das Bewusstsein voll und ganz auf einen anderen Vorgang oder Ablauf konzentriert.

 

Bei Yvonne habe ich einen Visualisierungstrick eingesetzt, über den sich schon wahre Legenden bei der Behandlung von Schluckauf erzählt werden. Ich hatte ihn schon früher genutzt, aber hier war es ungleich schwieriger, denn die Studiouhr rückte unbarmherzig weiter und die Sendung sollte in wenigen Minuten beginnen. Um sie zu beruhigen und ihre volle Aufmerksamkeit zu erlangen, berührte ich die Stirnpunkte, mit denen ich früher bei ihr eine Trance vertiefte, setzte Codewörter für Ruhe ein und ließ sie die Augen schließen.

Dann suggerierte ich ihr an Gurkensalat mit frischem Dill zu denken, den Dill zu sehen und zu riechen, die Frische auf der Zunge zu schmecken.

Das Ganze dauerte 30 Sekunden, bis der Schluckauf zur Verblüffung der Umstehenden erledigt war.

Die Sendung konnte pünktlich beginnen und verlief sehr entspannt.

Eine erschöpfende Antwort auf die wirklich provokante Eingangsfrage haben wir natürlich auch nicht gefunden.


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