Die „mittleren Jahre“

Elfi Sinn Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin

Artikel in BIOLINE-Magazin

10 Strategien für die 2. Lebenshälfte

„Wir brauchen Dich als Beraterin für etwas ganz Wichtiges.“ Meine Freundin Nora gab sich am Telefon geheimnisvoll und erst auf Nachfrage erfuhr ich, worum es ging.

„Aus unserem Club sind schon vier Frauen 50 geworden und mich trifft es dieses Jahr auch. Deswegen haben wir neulich schon die halbe Nacht da-rüber geredet. Wir wollen besser vorbereitet sein und einiges in der 2. Hälfte anders machen als bisher. Aber wir wissen noch nicht genau, was und wie. Dazu wollen  wir unsere Vorhaben aufschreiben, sonst bleibt alles nur ein frommer Wunsch.“

 

So kam ich in diese diskussionsfreudige Runde zukünftiger Oldtimer, die sich so gar nicht als solche fühlten.

Nora, Bibliothekarin in einer wissenschaftlichen Bibliothek, machte noch einmal klar, worum es ging: „Wir haben in der 1. Hälfte unseres Lebens eine Menge erreicht und wir wollen jetzt schon die Weichen stellen, damit die 2. noch besser wird.“

Karla, Dozentin an einer privaten Akademie, ergänzte: „Wenn ich früher an Frauen über 50 dachte, dann waren das immer grauhaarige Matronen, die ihre Zipperlein pflegten. So sind wir nicht und so werde ich auch mit 67 nicht sein. Ich werde auf jeden Fall weiterarbeiten, aber ich will mehr Zeit für mich und Dinge machen, die mir gefallen. Dafür muss ich fit bleiben.“

Betty bekräftige: „Ich sehe das auch so!“. Sie hatte vor kurzem eine sehr gut ge-hende Kinder-Boutique eröffnet. „Fünfzig ist doch genau die Zeit, um noch mal richtig durchzustarten, das anzugehen, wovon man immer geträumt hat. Ich bin so froh, aus meinem langweiligen Beruf raus zu sein und jetzt etwas zu tun, was Spaß macht. Ich könnte mir auch noch anderes vorstellen ...“

Vera unterbricht: „Das ist ja alles schön und gut“. Sie befand sich seit der kürzlich er-folgten Scheidung in einer ausgeprägten Leidensphase: „Ich träume auch davon, spä-ter mehr zu reisen, aber wenn ich an die kleine Rente denke, die ich mal bekommen werde, dann wird das eher der blanke Horror!“ „Hört sie euch an, unsere wandelnde Sorgenfalte“, mischte sich Nora wieder ein, „natürlich müssen wir uns rechtzeitig um die Finanzen kümmern. Man braucht genügend Geld, um später gelassen in Rente ge-hen zu können, ohne Angst, sich von Katzenfutter ernähren zu müssen.“

Das Gegenteil soll der Fall sein! Ich will noch eine ganze Menge genießen und mich verwöhnen lassen. Deswegen müssen wir diese Phase richtig strategisch planen. Um noch mal richtig durchzustarten, braucht es einiges, vor allem Gesundheit, viel Energie und noch mehr Gelassenheit und Humor.“

Und so einigten wir uns nach einigen stürmischen Sitzungen auf zehn Strategien, die auch anderen Frauen helfen können, lockerer und mit einem guten Gefühl in die „2. Hälfte“ zu gehen:

 

1. Die Ernährung rechtzeitig auf den besonderen Bedarf von 50 plus umstellen

Wer glaubt, mit 50 noch so essen können, wie mit 20, der irrt nicht nur, er sieht auch im wahrsten Sinne des Wortes alt aus.

Jetzt geht es wie auf allen Gebieten, nicht um Masse, sondern um Klasse!

Der Organismus braucht unbedingt mehr Antioxidantien, wie die Vitamine A, C, A und Selen, als innerliche „Rostschutzmittel“.

Auch mehr Magnesium, Zink, B-Vitamine und Omega-3-Fettsäuren, wenn die zunehmenden Belastungen gut bewältigt werden, die Haut gestrafft, Knochen und Gelenke gestärkt und auch der Sex noch Spaß machen soll.

Und natürlich noch Lutein und Zeaxanthin aus gelben Früchten für die Augen, um sich den Durchblick zu bewahren und viel Soja für den Östrogenausgleich.

 

2. Dauerhafte Bewegungsgewohnheiten aufbauen

Ab 50 reduziert sich die Muskelmasse in einem schnelleren Tempo als vorher, be-sonders an den Beugemuskeln der Arme und denen, die den Körper aufrichten und den federnden, jugendlichen Gang ermöglichen.

Allerdings ist der Muskelabbau nicht zwangsläufig, wenn Frau mit einem gezielten Training gegensteuert.

Dabei müssen keine Höchstleistungen erbracht werden, das Geheimnis liegt in der Regelmäßigkeit.

In einer Studie an der Ruhr-Universität wurde nachgewiesen, dass zweimal 30 Minu-ten Hanteltraining und dreimal 30 Minuten Laufen wöchentlich ausreichen, um die Muskeln wieder zu formen und mehr Kraft und Ausdauer zu haben.

Entscheidend ist, sich  j e t z t  diese festen Gewohnheiten zuzulegen, denn wer mit 50 täglich joggt oder walkt oder 15 Minuten Gymnastik oder die 5 Tibeter macht, der wird das auch noch mit 75 oder später durchziehen. Einfach, weil man sich damit gut fühlt und es Spaß macht. Außerdem sieht ein trainierter Körper immer jünger und knackiger aus.

 

3. Mehr für die geistige Fitness tun

Es ist wissenschaftlich belegt, dass ältere Gehirne genauso lernfähig sind wie jüngere, allerdings verarbeiten sie anders. Ältere brauchen länger, um Wissen aufzunehmen, vernetzen aber in dieser Zeit Neues mit Bekanntem und können so Situationen und Sachverhalte komplexer beurteilen. Voraussetzung dafür ist, neugierig und geistig flexibel zu bleiben und den Denkapparat zu fordern, zum Beispiel mit Gehirn-Jogging, Sprachen lernen, Rätsel lösen, SUDOKU, sich auf Neues einlassen, kreativ werden usw.. Auch Fingerübungen und Lauftraining stärken das neuronale Netz.  Eine ideale Prävention bieten die Selbsthilfeübungen der CranioSacral-Therapien.

Wer außerdem sein Gehirn noch mit ausreichend Phospholipiden, zum Beispiel. aus Soja-Lecithin versorgt, kann das Wort Alzheimer ruhig vergessen.

 

4. Entscheidungen für die künftige berufliche Tätigkeit treffen

Wer in einem langweiligen Job ausharrte, hat mit 50, wie Betty, die beste Gelegenheit zu wechseln und seine Träume zu verwirklichen.

Manchmal ist auch Altersteilzeit ein eleganter Weg, um endlich seine Talente auf an-deren Gebieten ausschöpfen zu können oder sich ein zweites berufliches Standbein für später aufzubauen. So wie Vera, die sich jetzt ein Zusatzeinkommen und mehr Spaß als Werbetexterin sichert.

Auch ein faszinierendes Hobby oder ehrenamtlich für andere da zu sein, kann diese Lebensphase interessanter und aufregender machen.

 

5. Sich um die finanzielle Sicherheit kümmern

Mit 50 ist der schwere Gang zur Rentenversicherung erforderlich, auch wenn man glatt noch als Enddreißigerin durchgehen könnte.

Aber Frau sollte wissen, womit sie rechnen und überlegen kann, wie sie die Lücke füllt. Spätestens jetzt sollte sie auch wissen, was erfolgreiche Investments sind oder sich eine gute Finanzberaterin suchen. Leichter geht es, wenn man sich gegenseitig hilft, so wie Noras Frauenclub, die ab jetzt zwei Mal im Jahr ihre finanzielle Vorsorge sowie Spar- und Anlagetipps beraten. Wer um eine ausreichende Altersversorgung bangen muss, sollte sich jetzt schon Gedanken über eine Zusatztätigkeit machen, der man auch im Alter noch gewachsen ist.

 

6. Entscheidungen zum künftigen Wohnumfeld treffen

Einen alten Baum verpflanzt man nicht gerne, sagt der Volksmund. Mit 50 ist man das noch nicht. Also warum nicht jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind, überlegen, wie und wo man wohnen will. Vielleicht auch neue Wohnformen ausprobieren, wie ein Mehrgenerationenhaus oder wieder in eine WG, wo es nie langweilig wurde und man auch noch Kosten sparen kann. Oder lieber gleich in den Süden ziehen oder eine kleinere gemütliche Wohnung suchen, von der aus man alles zu Fuß erreichen kann.

 

7. Das Selbstbild anpassen oder neu definieren, sich pflegen und verwöhnen

Ab 50 hat Frau es nicht mehr nötig, sich über den Grad der Begehrtheit beim män-nlichen Geschlecht zu definieren. Das macht entspannter und gelöster und lässt die innere Schönheit mehr nach außen strahlen. Diese spezielle Mischung aus Sou-veränität, Gelassenheit und Power hatte man selten früher. Vielleicht ist sie ein Ge-gengewicht für das Nachlassen körperlicher Reize.

Wem das klar ist, der genießt die Zeit und grämt sich nicht angstvoll über jede neue Falte. Außerdem weiß man nicht erst seit Marlene Dietrich, dass die Geburtsurkunde ein Gerücht ist, das eine Frau jederzeit durch Ausstrahlung und Pflege dementieren kann.

Für Nora und Karla ist das ein wunderbarer Anlass, ihre Vorliebe für Massagen, Schönheitsfarmen und neue kosmetische Verfahren auszuleben.

Wenn allerdings Lebenskonzept und Selbstwert bisher, wie bei Vera, nur über den Partner definiert wurden, dann ist diese Zeit, mit oder ohne Trennung doppelt so schwer. Dann müssen die inneren Werte erst wieder entdeckt und aufpoliert werden, wenn sie durch Scheidung oder Jugendwahn beschädigt wurden. Das Wichtigste und Schwerste zugleich ist, Groll, Bitterkeit und Hass abzulegen. Wer will schon mit Gift im Herzen leben, wer will schon durch Verdruss doppelt so schnell altern?

 

8. Das sexuelle Feuer wieder anfachen

Im „Mittelalter“ kann das schon mal zu kurz kommen, wenn ihr nach einem stres-sigen Job die Energie fehlt und auch er erschöpft ist von seinen ganztägigen Klet-tertouren auf der Karriereleiter. Gerade deshalb sollte jetzt die gemeinsame Zeit wie-der fest geplant werden, zum Beispiel für ungestörte Liebesstunden, für romantische Ausflüge, für das Entdecken neuer erotischer Seiten oder für Partnermassagen.

 

9. Spaß und Abenteuer sichern

Dafür stellten die Frauen, wie Jack Nickolson und Morgan Freeman im Film „Das Beste kommt zum Schluss“ anregten, ihre Löffel-Liste auf. Das heißt, sie notierten, was sie an Aufregendem unbedingt noch sehen, erleben oder ausprobieren wollen, bis sie denselben abgeben müssen, zum Beispiel. in einer Sommernacht am Alten Museum Tango tanzen, in einem Film mitspielen, Bauchtanz lernen, sich einen jüngeren Lieb-haber zulegen, ein Buch veröffentlichen, in Schokolade baden, Harrison Ford treffen, einmal als Dessous-Model auftreten und andere verrückte Sachen.

 

10. Den Freundeskreis aufbauen, erweitern oder verändern

Wer 50 ist, hat eine Menge Menschen kennen gelernt und nicht alle tun uns gut. Deshalb ist jetzt auch die Zeit, nicht nur ungeliebte Kleider auszusortieren, sondern sich auch von Neidern, Energievampiren und Klatschbasen zu trennen. Was wir jetzt brauchen, sind Freund/Innen mit der gleichen Wellenlänge, die zuverlässig sind, zuhören können, einem die Meinung sagen, die zupacken, wenn Hilfe nötig ist und mit denen man auch eine Menge Spaß haben kann.

Neue interessante Menschen trifft man meistens dort, wo auch die eigenen Interessen liegen, zum Beispiel im Sprachkurs, im Museum, in Wandergruppen, im Fitnessstudio, im Malzirkel oder im Chor.

 

Zu allen 10 Strategien setzten sich die Frauen ihre persönlichen Ziele. Zwei Mal im Jahr werden sie die Fortschritte überprüfen, Versäumtes anmahnen und die Erfolge feiern. Ich bin sicher, selbst wenn sie von ihren Vorhaben nur einen Teil umsetzen, werden „Noras Frauen“ eine aufregende zweite Hälfte vor sich haben.


Unbedingt Selbsthilfemethoden kennenlernen:

Japanisches Heilströmen

Meridianklopfen

Meridian-energie-technik-MET

vegane und vegetarische Ern#hrung