Brainfood - Essen, das klüger macht

 

Elfi Sinn,  Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin

Artikel in BIOLINE-Magazin

 

„Kann man sich wirklich klüger essen? Braucht man dann nicht mehr zu büffeln und bekommt trotzdem gute Noten?“

Etwas ungläubig schauen meine Zuhörerinnen im Berliner Café Pink, einer Begegnungsstätte für Jugendliche.

Die Ankündigung für den Vortrag, mit nur drei Substanzen zu kreativen Gedanken, starken Nerven und einem Supergedächtnis zu kommen, klang verführerisch einfach und interessierte vor allem einige Mütter.

Schließlich hat der Wunsch, klüger zu werden, kein Verfallsdatum. Und zu allen Zeiten gab es Menschen, die versuchten, Kenntnisse müheloser zu erwerben oder leichter an Wissen zu gelangen.

Dass Ernährung darauf einen großen Einfluss hat, weiß man nicht erst seit der Erfindung des legendären Studentenfutters.

 

Schon vor mehr als tausend Jahren erkannten kluge Köpfe, was unsere Denkzentrale wirklich braucht, um mit ganz normalen Anstrengungen Superleistungen zu erzielen, nämlich: das richtige Futter für den Geist oder auf neudeutsch: Brainfood.

 

Natürlich wird einem damit das Lernen nicht erspart, man wird auch nicht automatisch Nobelpreisträger oder ein Genie wie Einstein.

 

„Betriebsstoff“ fürs Gehirn

Aber so wie falsches Essen die Denkzentrale einrosten lassen kann, geht es mit der richtigen Nahrung leichter, das Gehirn funktioniert einfach besser.

Schließlich benötigt es mit seinen durchschnittlich 1.600 Gramm Gewicht, mehr als ein Viertel unseres gesamten Nährstoffbedarfs.

 

Für Lern- und Gedächtnisprozesse ist all das wichtig, aus dem wir Neurotransmitter produzieren können.

 

Das sind spezielle Botenstoffe, ohne die im zentralen Nervensystem nichts läuft. Drei davon entscheiden weitgehend darüber, ob unsere kleinen, grauen Zellen blitzschnell arbeiten oder nicht. Das sind die Wundersubstanzen, um die es in meinem Vortrag ging, die Neurotransmitter Acetylcholin, Dopamin und Noradrenalin. Wie die Bezeichnung „Neurotransmitter“ schon vermuten lässt,  v e r m i t t e l n  sie Informationen und sorgen dafür, dass die Gehirnzellen miteinander kommunizieren können. Denn dabei gibt es ein Problem. Jede Nervenzelle hat viele Verzweigungen, die wie Antennen energetische Informationen aufnehmen und Fortsätze, die sie dann wie Sender weiterleiten. Daraus entstehen riesige neuronale Netze, wie beispielsweise unser Gedächtnis.

 

Information ist alles

Es gibt zwischen den möglichen Ansatzstellen der Zellen einen winzigen Spalt, die Sy-napse. Eine Information kann nur über diesen Spalt gelangen, wenn dort die Neuro-transmitter, wie Eilboten darauf lauern, die Daten auf die andere Seite, zur nächsten Zelle zu bringen.

Genau genommen übertragen sie die Informationssignale jetzt chemisch und schaffen so die Voraussetzung für bestimmte mentale Eigenschaften, wie Aufnahme- oder Merkfähigkeit, Konzentration und Motivation.

 

Je mehr solche gut funktionierenden Synapsen ein Mensch hat, umso klüger oder geistig flexibler ist er.

 

Herrscht dagegen Ebbe am synaptischen Spalt, weil Neurotransmitter fehlen, denken wir langsamer, werden vergesslich oder können kaum noch Interesse für etwas aufbringen.

Acetylcholin, Dopamin und Noradrenalin werden im Nervengewebe gebildet und können sehr unterschiedliche Hirnbereiche beeinflussen.

Interessant ist, dass die Zellen, die mit den gleichen Transmittern arbeiten, in Gruppen zusammen liegen. Man spricht auch von cholinergen, dopaminergen und noradrenergen Systemen.

Und die brauchen verständlicher Weise eine gute Versorgung mit den Lebensmitteln, aus denen die klüger machenden Neurotransmitter entstehen können.

Das sind vor allem mageres Eiweiß aus Soja und anderen Hülsenfrüchten, Vitamine und Mineralstoffe aus Obst, Gemüse und Nüssen sowie Omega-3-Fettsäuren aus Seefisch und Leinöl.

Weil das so wichtig ist, wird es durch Zwangsfaktoren in den Zellen kontrolliert.

Und die schalten gnadenlos ab, wenn Wichtiges fehlt.

 

Fastfood macht dumm

Tägliches Fastfood spart zwar Zeit, macht aber auf Dauer dumm.

Auch Geschmacksverstärker, Zucker und falsche Fette können dazu führen, dass die Denkzentrale nur noch „Dienst nach Vorschrift“ macht.

 

Wer sich also gut mit den begehrten IQ-Stoffen versorgt, hat eine stabile Grundlage für geistige Höchstleistungen, ein erstaunliches Gedächtnis und Nerven, wie Drahtseile.

Einen Haken hat die Sache aber noch. Selbst wenn wir genügend davon aufnehmen und speichern, werden die Intelligenzstoffe nicht automatisch wirksam, sondern müssen auf eine spezielle Art abgerufen und auch besonders stimuliert werden.

Acetylcholin:hinter diesem Zungenbrecher verbirgt sich ein Neurotransmitter mit fantastisch anmutenden Wirkungen. ein hoher Acetylcholinspiegel verspricht logische Überlegungen, geistige Flexibilität und ein Supergedächtnis. Ein niedriger hingegen, bringt uns der Diagnose Alzheimer näher. Acetylcholin sorgt nämlich für die notwendigen, blitz-schnellen Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Nervenzellen und Hirnbereichen. Es wirkt also, wie eine Art Gedankenautobahn.

Damit kann das Gehirn in Lichtgeschwindigkeit zwischen neuen Informationen und bekanntem Wissen aus dem Langzeitgedächtnis hin- und herschalten und sie sinnvoll zu etwas Neuem verbinden. Damit beim Anblick eines Baugeländes in Sekunden das plastische Bild eines Traumhauses entstehen kann oder im Urlaub mehr als drei passende Spanisch-Vokabeln auftauchen, müssen in den Synapsen schon enorme Vorräte an Acetylcholin gebunkert sein.

 

Acetylcholin aus der Nahrung

Dieses legale Dopingmittel fürs Gehirn entsteht im Wesentlichen aus dem B-Vitamin Cholin, das vor allem in Sojaprodukten, Azukibohnen, Eigelb, Leber, Blumenkohl, Brokkoli und Schoten zu finden ist. Mit Soja-Lecithin kommt man besonders schnell zu geistigen Höchstleistungen, denn es enthält neben Cholin in einer gut verwertbaren Form noch das beruhigende und nervenstärkende Innositol und Phosphatidylserin für das Supergedächtnis.

 

Stimulierung:Um Acetylcholin abzurufen, müssen die Denkwerkzeuge häufig in Gang gebracht werden, zum Beispiel durch Aufgaben lösen, Sprachen lernen, Vorhaben planen, Wünsche regelmäßig visualisieren.

Auch isometrische Übungen und ganz besonders Fingertraining können das verfügbare Acetylcholin erhöhen. Mütter kennen sicher die Fingerspiele, die Babys in den Phasen ausüben, in denen sich das Gehirn besonders intensiv entwickelt.

Jonglieren soll sogar noch zusätzlich die Gehirnmasse wachsen lassen.

 

Dopamin:dieser äußerst vielseitige Neurotransmitter reguliert unter anderem die Hormonsekretion und kann uns Anmut und das gewisse Etwas schenken.

Bei Lern- und Gedächtnisprozessen ist Dopamin entscheidend für die Motivation, für wirkliches Interesse. Ein hoher Spiegel ermöglicht uns nicht nur kreative Gedanken und Ideen oder beeindruckende Formulierungen, sondern auch echte Begeisterung und das überzeugende Gefühl: ich kann es schaffen! Es hilft uns in einer Sache zu versinken und alles zu vergessen, sogar das Essen.

 

Dopamin aus der Nahrung

Dopamin entsteht aus den Aminosäuren Phenylalanin und Methionin, wenn gleichzeitig viel Vitamin C und Magnesium vorhanden sind. Quellen dafür sind zum Beispiel Hüttenkäse, Tofu, Soja-Instant-Pulver, Soja-Milch oder Joghurt, Beeren, Zitrusfrüchte, Kiwi, Acerola-kirschen oder Sanddorn für Vitamin C, Bananen und Nüsse für Magnesium.

 

Stimulierung: um an gespeichertes Dopamin zu gelangen, muss man sich kreativ beschäftigen, Dinge tun, die fordern und Spaß machen. Zum Beispiel Theater spielen oder Texte schreiben, basteln, malen, singen, tanzen, experimentieren, Rezepte entwickeln, Neues erforschen.

Dopamin lässt sich auch kurzfristig durch kinesiologische Übungen aus dem Brain Gym aktivieren, zum Beispiel Cross crowl, das Überkreuzen von Ellbogen und Knien, um die rechte emotionale und die linke rationale Hirnhälfte besser miteinander zu verbinden.

 

Noradrenalin: gehört mit Adrenalin zu den Botenstoffen, die unsere Reaktionen bei Stress und extremer Belastung regulieren.

Während wir mit einem hohen Adrenalinspiegel eher aus Angst zu vielem fähig sind, lässt uns Noradrenalin nervenstark und mit wahrer Begeisterung die schwierigen Probleme meistern.

Bei Lern- und Gedächtnisprozessen sorgt es für geistige Wachheit, intensive Konzentration und Lust auf Leistung.

Es macht uns regelrecht heiß darauf, auch die kniffligste Rechenaufgabe zu lösen, chemische Formeln zu knacken oder das SUDOKU für Fortgeschrittene zu schaffen.

Im noradrenergen System werden Informationen gefiltert und über das Limbische System mit Gefühlen verbunden. Damit können wir uns besser erinnern und Zusammenhänge wiedergeben.

 

Noradrenalin aus der Nahrung

Noradrenalin entsteht aus Dopamin, wenn zusätzlich noch mehrere B-Vitamine und die Mineralstoffe Calcium, Magnesium und Mangan zur Verfügung stehen. Gute Quellen dafür sind Avocados, Bananen, Haselnüsse, Walnüsse, Spinat, Soja, Kohl. Vollkornprodukte, Seefisch, Weizenkeime u. a.

 

Stimulierung:Noradrenalin wird nur gebildet, wenn wir Probleme nicht verschieben, sondern lösen wollen, wenn es gelingt, das Faszinierende daran zu entdecken. Pessimisten brauchen dafür sicher etwas länger.

Körperlich steht es am schnellsten durch Kampfsportarten, Wettkämpfe und regelmäßiges Joggen oder Walken zur Verfügung, was gleichzeitig auch das neuronale Netz erweitert.

Ist das Gehirn gut mit diesen Wundersubstanzen versorgt, braucht es eigentlich nur noch Glucose (Blutzucker) für geistige Höhenflüge.

 

Fett als Gehirn-Nahrung?

Es wäre zwar fantastisch, wenn sich unsere Nervenzellen mit Fett füttern ließen, aber dann brauchten wir für das Multiplizieren von zwei Zahlen unvertretbare dreißig Minuten.

Deshalb akzeptiert das Gehirn nur Glucose als Treibstoff und das möglichst regelmäßig.

Wer Mahlzeiten auslässt oder gerne Süßes nascht, lässt seinen Glucosespiegel wie eine Fieberkurve steigen und fallen. Die Folge ist, das Gehirn arbeitet dann nur noch mit halber Kraft.

Volle geistige Leistung gibt es auf Dauer nur mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten oder dem beliebten Studentenfutter. Denn das enthält neben den Nüssen mit Magnesium, B-Vitaminen und wichtigen Aminosäuren, ja auch noch Rosinen, die mit ihrem Chromgehalt den Glucosespiegel stabil halten können.

 

Für Fett, speziell die Omega-3-Fettsäuren, hat das Gehirn aber auch Ver-wendung. Daraus entstehen die wichtigen Verzweigungen der Nervenzellen und das neuronale Netz.

 

Denksport kann so gesehen, möglicherweise auch schlanker machen.

Ein Aspekt, der neues Interesse am Lernen wecken könnte.

Durch Brainfood und Gehirntraining ist natürlich nicht sofort mit messerscharfer Intel-ligenz, sprühender Kreativität oder einem Supergedächtnis zu rechnen, aber es lohnt sich, für eine optimale Versorgung unseres komplizierten Organismus zu sorgen.

Und wenn meine Zuhörerinnen im Café Pink alles auch so eifrig umsetzen, wie sie mitgeschrieben haben, könnte die nächste Pisa-Studie positiv überraschen.

 

Gute Nahrung für Kinder

Es ist unabdingbar, dass Kinder nicht „irgendwie“, also mit Nudeln, Fastfood und Süßig-keiten aufwachsen, sondern Lebensmittel erhalten, die ihrer Gesamtentwicklung förderlich sind. Dazu gehört eine stabile Gesundheit genauso wie optimales Denkvermögen.

„Richtige“ Nahrung ist die Basis dafür.


Selbsthilfemethoden, die Gesundheit untertützen können:

Japanisches Heilströmen

Meridianklopfen

Meridian-energie-technik-MET

  1. vegane und vegetarische Ernährung