Bloß keinen STREIT vermeiden

 

Bloß keinen STREIT vermeiden

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin

 

„Eigentlich bin ich es, die immer ruhig bleibt, wenn wir Probleme haben, aber neulich habe ich meinen Mann richtig angeschrieen. Ich war so erschrocken, als ich mich dabei im Flurspiegel sah, genau wie meine Mutter. Und so eine Megäre hatte ich doch nie werden wollen.

Ich versuche wirklich, nicht zu streiten, aber in letzter Zeit läuft es einfach  aus dem Ruder und wir kommen nicht mehr miteinander klar. Früher, als wir uns kennen lernten, habe ich mit Pitt manchmal die halbe Nacht telefoniert. Wir kon-nten über alles reden und jetzt überhaupt nicht mehr.“

 

Hanna, eine 36-jährige Kinderkrankenschwester, kam mit ihrem Problem zur Beratung, weil sie ihren Mann nicht verlieren, aber die Ehe so auch nicht fortsetzen wollte.

Anfangs war der häufigste Streitpunkt die Hausarbeit, aber mittlerweile waren sie bei fast allem unterschiedlicher Meinung.

Hanna, die Situationen vermeiden wollte, die sie aus ihrer Kindheit kannte, versuchte Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen und die Harmonie aufrecht zu erhalten. Allerdings nörgelte sie ständig an ihrem Mann herum und manchmal kam es auch zu richtigen Wutausbrüchen, nach denen er sich geschockt in sein Tonstudio verzog, während sie tränenüberströmt, den Kühlschrank plünderte.

Warum geraten zwei Menschen, die sich offensichtlich lieben, wegen Nichtigkeiten so aneinander und können sich so schwer verständigen? Die Auslöser sind selten der wirkliche Grund, sondern eher die tiefer liegenden Ursachen.

 

Unterschiedliche Erfahrungen in der Konfliktbewältigung

Besonders die Verhaltensmuster in der Familie sind dabei prägend. Während Hanna, genauso, wie ihr Vater, nur etwas Ruhe hatte, wenn sie der ständig keifenden Mutter nicht widersprach, war ihr Mann daran gewöhnt, sich bei seiner allein erziehenden Mutter durch zu setzen. Hannas Schweigen bei einem Vorschlag oder auch einem Vorwurf hielt er des-halb für stillschweigende Zustimmung.

Während sie sich bemühte, ihren wachsenden Frust unter Kontrolle zu halten, glaubte er, alles sei in Ordnung. Wenn dann die Dämme brachen und sich alles auf einmal über ihn ergoss, war er die gekränkte Unschuld.

 

Fehlende Streitkultur

Streit ist etwas völlig Normales und gehört zum täglichen Leben. Aber wer be-denkt das schon am Anfang, wenn man frisch verliebt und glücklich ist.

 

Deshalb haben die wenigsten Paare Regeln, mit denen Auseinandersetzungen sachlich, möglichst ruhig und vor allem gewaltlos verlaufen.

 

Aber genau so etwas wird gebraucht, wenn unterschiedliche Meinungen und Wünsche aufeinanderprallen. Gerade dann muss es zum Beispiel machbar sein, dass jeder seine Anliegen und Argumente nennen kann und der andere ihn aus-sprechen lässt bzw. umgekehrt.

Es muss auch möglich sein, sich über ein Problem zu verständigen, ohne dass das gesamte Vokabular des Tierreiches oder Schlimmeres benutzt wird.

Und es muss auch möglich sein, eine Aussprache abzubrechen, falls sich die Atmosphäre zu sehr erhitzt.

Wenn dafür ein Codewort vereinbart wurde, fühlt sich der Zurückgebliebene nicht unbedingt wie der Klops der Woche.

 

Unterschiedliche Wahrnehmungs- und Kommunikationstypen

Menschen kommunizieren glücklicherweise sehr unterschiedlich, sonst würde es langweilig. Wie sie das tun, hängt auch davon ab, welche Sinneskanäle bei der Wahrnehmung vorrangig sind, die visuellen (bildhaft), auditiven (über Gehör), kinästhetischen (über Gebärden) oder andere. Wenn man nicht weiß, wie der Gesprächspartner wahrnimmt und kommuniziert, kann das zusätzlichen Zündstoff in eine Auseinandersetzung und viel Raum für Missverständnisse bringen.

Hanna ist ein visueller Typ. Sie erlebt die Welt über ihre Augen und nimmt intensiver wahr, was ihr Partner sagt, wenn sie Blickkontakt halten und sein Gesicht sehen kann.

Pitt dagegen ist ein auditiver Typ, er nimmt die Außenwelt in erster Linie über das Gehör wahr. Deshalb war es für ihn wunderbar, als sie in der ersten Zeit endlose Tele-fongespräche führten. Aber er reagiert empfindlich, wenn sie am Küchentisch ihm gegenüber Platz nimmt und eine Aussprache ankündigt.

Wenn er dann, um sich besser auf das Gehörte konzentrieren zu können, zur Seite schaut, wirft ihm Hanna vor: „Du nimmst mich nicht ernst!“

Er wiederum beschwert sich: „Du hörst mir nicht zu!“, wenn sie bei einer Diskussion aufsteht, zerknautschte Kissen aufschüttelt oder eine offene Schublade schließt, damit alles hübsch und ordentlich aussieht.

 

Die Lebensphase, in der eine Beziehung beginnt

Nach dem überlieferten, kosmischen Beziehungskalender befinden sich beide in der Marsphase. Die umfasst die Lebenszeit, in der man sein Revier absteckt, in der man mit anderen konkurriert und lernt, sich zu behaupten.

 

Beginnt eine Beziehung in diesem Alter, 35 bis 42Jahre, dann prallen oft zwei Wesen aufeinander, von denen jeder der Platzhirsch sein will

 

Soll die Beziehung gut und dauerhaft sein, müssen die persönlichen Freiräume und Bedürfnisse des Partners mehr toleriert und berücksichtigt werden als sonst. Das setzt enorm viel Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten voraus.

 

Streiten will gelernt sein

Für die Lösung ihrer Probleme erhielt Hanna zuerst die homöopathische Arznei Pulsatilla, die sehr Harmonie bedürftige Frauen konstitutionelle stärken kann. Zusätzlich arbeiteten wir unter Hypnose an ihrem Selbstbewusstsein, damit sie in den unumgänglichen Streit-gesprächen besser in der Lage ist, ihren Standpunkt zu vertreten, ohne zu nörgeln.

Außerdem stellten wir gemeinsam „Regeln für ein faires Streiten“ auf und beschäftigten uns mit den Verhaltensweisen, die echte Beziehungskiller sind.

Denn wenn es eine Gebrauchsanweisung für den Umgang miteinander gäbe, dann stünde unter der Rubrik „Bloß nicht“:

 

... Gedankenlesen voraussetzen

Wir alle wissen, dass das unmöglich ist und trotzdem setzen wir manchmal voraus, wir wüssten, was andere über uns denken oder setzen auch voraus, der andere müsste automatisch wissen, was wir wollen. Wenn Hanna die Wohnung sauber macht, schimpft sie innerlich vor sich hin:

„Wieso hilft er mir nicht? Er müsste doch wissen, dass es gemeinsam schneller geht.“

Pitt, der in seinem Tonstudio sitzt, weiß weder davon etwas, noch, was er wirklich tun könnte. Er ist aus dem „Hotel Mama“ einfach in die Ehe umgezogen. Wenn also Hanna nichts zu ihm sagt, bleibt alles wie gehabt. Deshalb planten wir als erste Veränderung, die Zuständigkeit im Haushalt klar zu regeln. Kein Mann möchte einfach nur „mithelfen“, wird aber sicher die volle Verantwortung für abgegrenzte Bereiche übernehmen.

 

... mit dem Urschleim anfangen

Wenn jemand Ungerechtigkeiten oder Vorwürfe zu lange erträgt, ohne zu reagieren, staut sich etwas an, das die Wucht eines Vulkans kurz vor dem Ausbruch hat. Das setzt nicht nur den Verstand, sondern auch den Respekt und die Gefühle für den Partner außer Kraft.

Was dann dem anderen an den Kopf geworfen wird, sind vor allem alte Krän-kungen, die manchmal Jahrzehnte zurückliegen.

Der, der die Flutwelle abkriegt, hat kaum noch eine Chance, den Zusammenhang zu ver-stehen. Damit Hanna so etwas nicht wieder passiert, nahm sie sich vor, künftig die Klei-nigkeiten, die sie stören so schnell wie möglich anzusprechen. Dazu benutzt sie für ihren auditiven Partner ein altes Diktiergerät, auf das sie ihre Wünsche spricht. Und nach der Bitte: „Ich wünsche mir, dass ...“, kommt noch ein nettes Kompliment, das die Erfolgschancen erhöht. Er wiederum könnte ihr kleine Liebesbriefe schreiben.

 

... ständig neue Einwände vorbringen

Die Wendung „Ja, aber ...“ hat schon ganze Völkerstämme in den Wahnsinn ge-trieben, weil sie eine Einigung fast unmöglich macht. Pitt war offensichtlich auch so ein Fall, denn er hatte die bisherigen Vorschläge von Hanna, sich an der Haus-arbeit zu beteiligen, zwar angehört, dann jedoch abgeschmettert mit: „Ja, aber das kann ich doch nicht!“

 

... personalisieren

Wenn jemand ständig ganz normale Fragen, Kommentare oder Reaktionen des Partners auf sich bezieht und als Angriff oder Vorwurf wertet, dann erschwert das die Verständigung ungemein. Als Pitt seine Hanna von der Arbeit abholte und sagte: „Deine Kollegin hat abgenommen“, hörte Hanna sofort heraus: „Du bist zu fett!“. Sie muss deshalb weiter an ihrem Selbstwertgefühl arbeiten, damit der Ich-Scanner nicht unnötig oft reagiert.

 

Inzwischen ist Hanna stolz auf die Fortschritte, die sie erreicht hat. Sie hat psychologisch sehr geschickt eine Doppelbindung eingesetzt, damit es für den „Ja, aber ...-Verfechter“ nicht mehr darum ging, ob er etwas im Haushalt macht, sondern nur noch was und wann. „Ich habe, wie im Krankenhaus, einen Plan gemacht, wann, was im Haushalt zu machen ist und habe ihm Zeit gelassen, sich auszuwählen, was ihm liegt und was er davon über-nehmen möchte. Und es funktioniert gut“, berichtet Hanna. „Ohne, dass ich ihn erinnern muss. Dadurch haben wir mehr Zeit für uns und wir telefonieren wieder lange, immer vor der Nachtschicht nehme ich mir dafür Zeit. Wenn wir jetzt noch streiten, dann höchstens über die Telefonkosten.“

 

Regeln für faires Streiten

1. Wenn Ihnen etwas grundsätzlich nicht gefällt und Sie etwas ändern wollen, werden Sie sich erst darüber klar, was genau Sie wollen und was Sie von Ihrem Partner erwarten.

2. Überfallen Sie ihn nicht mit Ihrem Anliegen, sondern gewöhnen Sie sich feste Zeiten für eine solche „Familienkonferenz“ an. Besprechen Sie immer nur ein Problem nach dem anderen.

3. Formulieren Sie Ihren Wunsch klar und deutlich, aber immer aus Ihrer Sicht („Ich habe ein Problem damit, wenn Du ...“). Mit Vorwürfen erreichen Sie nur, dass der andere dicht macht.

4. Vereinbaren Sie, wenn einer spricht, hört der andere  zu und sammelt nicht in dieser Zeit Gegenvorwürfe.

5. Wenn der Partner spricht, hören Sie ihm zugewandt zu. Stellen Sie nicht nebenbei das Geschirr in die Spülmaschine oder die Teller auf den Tisch. Hören Sie nur zu. Bitten Sie ihn, das genauso zu tun.

6. Klären Sie, ob Sie wirklich verstanden haben, was der jeweils andere will.

7. Unterschiedliche Meinungen sind erlaubt, Schuldzuweisungen und Schimpf-wörter nicht.

8. Schreiben Sie Lösungsideen auf, reden Sie über Vor- und Nachteile und suchen Sie nach dem kleinsten, gemeinsamen Nenner. Damit schaffen Sie einen Kom-promiss, bei dem beide gewinnen.


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