Lernen wie die Gedächtnis-Weltmeister

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Angst vor dem Lernen ist völlig unnötig. Die Technik der Gedächtniskünstler ermöglicht es, sich Sprachen oder Sachverhalte in kurzer Zeit einzuprägen.
Lernen ist weniger eine Frage der Zeit, als vielmehr eine Frage der Effektivität und Intensität.
Vielleicht haben Sie ja schon mal erstaunliche Demonstrationen von Gedächtnismeistern im Fernsehen gesehen. Auf die häufig sich daran anschließende Frage des Moderators, wie sie diese phänomenale Gedächtnisleistung denn haben erreichen können, hört man meistens die Antwort: „Natürlich mit der Routen-Methode!“
Die Routen-Methode ist sicherlich der effektivste Weg, um sich riesige Mengen an Daten, Informationen, Fakten oder anderes zu merken.
Sie wurde bereits im Altertum benutzt und ist auch unter der Bezeichnung Loci-Methode (lateinisch: locus = Ort, Platz, Stelle) bekannt.


Cicero und seine „Methode“


Die großen Redner im alten Rom, wie zum Beispiel Cicero, hielten ihre stundenlangen Reden, indem sie ein wichtiges Stichwort ihrer Rede auf jeweils einen Routenpunkt ablegten. Die Routenmethode war damals von so großer Bedeutung, dass man von ihr einfach als „die Methode“ sprach. Obgleich Redewendungen in unserer heutigen Sprache noch an diese Methode erinnern, wie etwa der Ausdruck „an erster Stelle ist zu nennen …“, geriet dieses kostbare Wissen in den letzten Jahrhunderten zunehmend in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren konnte durch die erstaunlichen Ergebnisse in wissenschaftlichen Untersuchungen und die erstaunlichen Leistungen der Gedächtnissportler diese Methode wieder belebt werden und wird nun hoffentlich ihren Weg in die Schulen, Universitäten und sonstigen Ausbildungsinstituten fortsetzen.


Nur drei Schritte zum Loci-Erfolg


Diese Methode ist im Grunde ganz einfach, denn sie besteht nur aus drei Schritten: im ersten Schritt entscheidet man sich in einer Umgebung (zum Beispiel zu Hause oder am Urlaubsort) für gewisse Punkte in einer festen Reihenfolge und speichert diese im Gedächtnis ab. Im zweiten Schritt legt man die zu lernenden Informationen als mentale Bilder auf den Punkten der Route ab. Und der dritte Schritt ist im Grunde kein Schritt des Lernens, sondern der des Abrufens der Information: denn will man nun die auf diese Weise abgespeicherten Daten wiedergeben, braucht man nur die einzelnen Ankerpunkte mit ihren daran gekoppelten Informationen im Geiste wieder abzuschreiten!
Es ist unglaublich, wie leicht und sicher man sich auf diese Weise die unterschiedlichsten Dinge merken kann!


Routenvorschlag im Wohnzimmer


Damit Sie ein noch besseres Gefühl dafür bekommen, wie eine solche Route aussehen könnte, ist nachfolgend eine Route mit 10 Routenpunkten in einem imaginären Wohnzimmer aufgezeichnet:


Tipps zur Routennutzung


Sie können solche Routen grundsätzlich auf zwei unterschiedliche Weisen verwenden: als Kurzzeitroute oder als Langzeitroute.
Wenn Sie eine Route als Kurzzeitroute nutzen, können Sie damit in idealer Weise einen verbotenen Spickzettel ersetzen.
Oder Sie speichern so Stichwörter eines Vortrages, ab, damit Sie ihn völlig frei halten können.
Doch nach Erledigung Ihres Tests oder Vortrages würden Sie die Informationen eigentlich nicht mehr brauchen. Zwar bleibt der Lernstoff, den Sie mit der Loci-Methode richtig – nämlich unter Einsatz der Mentalfaktoren und etwas Übung – abgelegt haben, viele Stunden und Tage im Gedächtnis, dennoch verblasst auch bei dieser Methode die Erinnerung. In diesem Fall könnten Sie dann dieselbe Route wieder für etwas anderes verwenden.
Wenn Sie allerdings einen Lernstoff für längere Zeit, zum Beispiel ein ganzes Semester lang, auf Abruf bereithalten möchten, dann erstellen oder wählen Sie dafür eine passende Route mit ausreichend Routenpunkten und legen die Wissensinformation darauf fest ab. Diese Route müssen Sie dann in regelmäßigen Abständen zur Wiederholung mental abschreiten.
Ein Anwendungsbeispiel hierzu wäre die Abspeicherung des gesamten Lernstoffes von einem Lernfach wie Physik oder Philosophie, den Sie für die große Abschlussklausur oder das Abitur parat haben möchten.
Jetzt werden Sie auch verstehen, dass Sie mehr als eine Route brauchen, um diese Methode sinnvoll zum Lernen einzusetzen. Der Gedächtnis-Weltmeister Gunther Karsten hat etwa 60 Routen mit Längen zwischen 20 und 100 Routenpunkten im Kopf.   So viele benötigen Sie natürlich nicht – schauen Sie selber, welche Anzahl für Sie geeignet ist und wo Sie überall Routen machen möchten. Wie wäre es im Supermarkt, bei den Großeltern, in der Schule, bei Freunden, auf dem Sportplatz, im Garten? Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt!
Das Fantastische an dieser Methode ist, dass man Informationen nicht nur sehr leicht zu 100 Prozent abrufen kann, sondern dass dieses auch in einer eindeutig festgelegten Reihenfolge geschieht – manchmal könnte das von großer Wichtigkeit sein.
Zum Beispiel Abfolge einer Argumentationskette oder einfach nur enorm beeindruckend wie: Namen aller europäischen Staaten nach der Größe geordnet o.ä., zum Beispiel bei Prüfungen.


Vokabel mit Übersetzung:


to startle = erschrecken
Schlüsselwort: Start
Merkbild: beim Start des 100-Meter-Sprints wird man durch den lauten Startschuss der Pistole erschreckt


Vokabel mit Übersetzung:


toad = Kröte
Schlüsselwort: tot
Merkbild: die Kröte wird leider vom Auto totgefahren


Vokabel mit Übersetzung:


croft = kleines, ärmliches Haus
Schlüsselwort: Gruft
Merkbild: das kleine, ärmliche Haus ähnelt sehr einer Gruft


Vokabel mit Übersetzung:


folly = Torheit
Schlüsselwort: Fohlen
Merkbild: das Fohlen begann eine Torheit, als es über den Zaun springen wollte und hinfiel


Vokabel mit Übersetzung:


ligament = Band
Schlüsselwort: Liga & Mint
Merkbild: die Liga-Spieler bekommen Mint (das englische Wort für Pfefferminze), damit ihre Bänder nicht so leicht reißen


Der phänomenal ärgerliche Vokabel-Weltrekord


Im Gedächtnissport gibt es für die Jugendlichen die Disziplin „Fünf Minuten Vokabeln lernen“, bei der die jungen Gedächtnissportler genau fünf Minuten Zeit haben, sich so viele Vokabeln (übrigens für alle unbekannte, ausgedachte Vokabeln) wie möglich mit ihrer Übersetzung einzuprägen. Viele ungeübte Kinder schaffen nur vier bis fünf Vokabeln, die Guten acht bis fünfzehn, doch der Weltrekord steht mittlerweile bei phänomenalen fünfzig Vokabeln in fünf Minuten. Und als Besonderheit sei noch anzumerken: normaler Weise freut man sich über einen Weltrekord, doch der frisch gekürte Gedächtnisweltrekordler aus Österreich war auch ein wenig ärgerlich, denn es gab nur fünfzig Vokabeln zum Lernen – zu gerne hätte er sich doch noch einige mehr eingeprägt.


Schlüsselwort-Methode für Vokabeln und Fremdwörter


Nun befassen wir uns mit einem für die meisten Schüler und Erwachsenen sehr leidigen Thema, nämlich mit dem Lernen von Vokabeln und Fremdwörtern. Die meisten Menschen hassen diese Lernaufgabe, weil es hier eigentlich nichts zu verstehen gibt, sondern einem nur das Pauken und Büffeln übrig bleibt – was immer anstrengt und immens langweilig ist.
Doch es gibt noch einen anderen Weg. Einen Weg, mit dem man sich nicht nur viel leichter und effizienter die Vokabeln zu Gemüte führen kann, sondern einen Weg, der auch viel mehr Spaß bringt:


Die zwei Schritte der Schlüsselwort-Methode


Schon in den vorausgehenden Kapiteln haben wir erfahren, dass wir uns abstrakte Lernstoffe am besten merken, indem wir uns mit viel Fantasie ein entsprechendes mentales Bild – quasi ein Ersatzbild – schaffen. Beim Lernen von neuen Vokabeln (und auch Fremdwörtern) gehen wir genauso vor, da es sich hier ebenfalls um abstrakte Informationen handelt. Denn im Grunde sind neue Wörter nichts anderes, als eine sich schwer zu merkende Reihenfolge von Buchstaben. Bei dieser Methode – die als Schlüsselwort-Methode bezeichnet wird, geht man immer in zwei Schritten vor.


Erster Schritt:


Wir suchen uns ein Wort aus unserer Muttersprache, welches so ähnlich wie die neue Vokabel klingt. Dies ist das Schlüsselwort, da es uns quasi den Schlüssel zur neuen Vokabel bereitstellt.


Zweiter Schritt:


Wir verknüpfen das Schlüsselwort als mentales Bild mit der Übersetzung der zu lernenden Vokabel unter Einsatz unserer Fantasie und Kreativität (und möglichst weiterer Gedächtnis-Mentalfaktoren) zu einem Merkbild.


Chancen und Grenzen der Schlüsselwort-Methode


Die Schlüsselwort-Methode, auch wissenschaftlich sehr gut untersucht, hat zu Leistungssteigerungen beim Vokabellernen von bis zu 300 Prozent geführt.
Übrigens sollte man keine Angst davor haben, dass man irgendwann den Kopf voller Bilder hat, denn das Merkbild ist sozusagen eine hilfreiche und unterstützende, vorübergehende „Krücke“, um die unbekannte Vokabel über das Merkbild ins normale Langzeitgedächtnis zu übertragen.
Für eine weitere effektive Methode des Lernens hat der Gedächtnis-Weltmeister den Begriff Logomonik erfunden. Dieses Wort setzt sich aus Logik und Nnemonik (das Fachwort für Gedächtniskunst) zusammen.
Hierbei ist das Besondere, dass keine vernünftige Logik entwickelt werden muss, sondern mehr eine fantasievolle Logik, bei der zwei oder mehr Dinge logisch kombiniert werden, die normaler Weise nichts miteinander zu tun haben.


Beispiel:


Sokrates, Platon, Aristoteles: nur wenige bekommen die richtige Reihenfolge dieser drei berühmten griechischen Philosophen hin, die gegenseitig in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis standen. Aber es ist doch „logisch“: man muss sich nur vorstellen, dass sie gemeinsam immer in einem schönen Kurort philosophierten und Kurort heißt auf Englisch „Spa“ (Sokrates, Platon, Aristoteles).
Auf den ersten Blick mutet diese Logomonik-Methode vielleicht etwas kurios oder gar kauzig an, weil sie voller verrückter Fantasie ist. Doch haftet einem ein logominisches Bild sehr fest und lange im Gedächtnis, ohne dass man es häufig wiederholen müsste. Auf diese Art und Weise eine Information abzuspeichern funktioniert natürlich nicht immer und ist am besten einzusetzen, wenn man ein und dieselbe Sache ständig vergisst oder durcheinander bringt. Insbesondere dann sollte man ein logomonisches Bild erstellen.
Das macht Spaß und auf Dauer zum Sieger über das Vergessen!


Buchtipps:


„Lernen wie ein Weltmeister – Zahlen, Fakten, Vokabeln schneller und effektiver lernen“ und „Erfolgsgedächtnis – vom Gedächtnisweltmeister“, Autor Dr. Gunther Karsten, Verlag Mosaik bei Goldmann.


Interview mit Frau Christa Krucker, Dozentin an der Heilpraktikerschule
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Psychoonkologie-Coping (psychotherapeutische Unterstützung zur Krankheits- und Krisenbewältigung)
Die angewandte Leichtlern-Methode der Gedächtnissportler


BIOLINE:
Sie unterrichten an der Heilpraktikerschule „Seminarhaus Hoher Vogelsberg“ mit der Leichtlernmethode der Gedächtniskünstler. Wie passen die psychischen Probleme und psychologischen Begriffe mit mental-artistischen Übungen zusammen?


Frau Krucker:
Täglich neu fasziniert es mich, wie leicht sich praktisch alle Sachverhalte lernen lassen, wendet man dieses Verfahren an. Beginnen wir mit der Fülle von medizinischen Bezeichnungen, die zu lernen an sich Schwerstarbeit ist. Durch die Tricks der Gedächtnissportler lassen sie sich deutlich leichter einprägen. Dazu verbindet man sie mit phantastischen Abläufen oder vertrauten Wörtern.


BIOLINE:
Nehmen wir das Krankheitsbild Schizophrenie. In welche Geschichte oder Route könnte dieses vielseitige Krankheitsbild denn eingebunden werden?


Frau Krucker:
Bei einer Krankheit mit so vielseitiger Ausprägung kommt es auf eine Struktur an, die der Studierende visionell, aber auch vom logischen Ablauf her nachvollziehen kann. Schicht für Schicht entsteht so ein eindrückliches Bild vor Augen und kann leichter im Gedächtnis verankert werden.


BIOLINE:
Und diese Bilder sind klinisch-psychologischer Natur?


Frau Krucker:
Keineswegs.
Klinisch-psychologischer Natur sind die Lehrinhalte. Die Gedächtnisanker-Geschichten sind oft völlig absurd. Je unwahrscheinlicher, desto eindrücklicher und umso leichter zu merken.


BIOLINE:
Wie viel Zeit spart der Lernende in der Regel durch das Anwenden dieser Leichtmethode?


Frau Krucker:
Das ist unterschiedlich, wie die Menschen das sind. Nach unseren Erfahrungen lernt es sich mindestens doppelt so schnell, oft sogar in einem Drittel der Zeit, wenn der Studierende sich vertrauensvoll einlässt auf diese Art des Lernens. Alle profitieren aber davon, dass ein anspruchsvoller und oft schwieriger Lehrstoff mit dieser Methode so vermittelt werden kann, dass Lernen Spaß und Lust auf Fortschritte macht.


BIOLINE:
Und wie wirkt sich die Methode auf die Prüfungssituation aus? Profitiert der Prüfling auch davon?


Frau Krucker:
Das Fatale bei Prüfungen ist doch, dass man sich manchmal fühlt, als sei das Gehirn „leergefegt“, obwohl einem genau die abgefragten Themen eigentlich bestens vertraut sind. Das Arbeiten mit den verwendeten „Eselsbrücken“ erlaubt dagegen ein leichtes Abrufen der Sachverhalte und Begriffe.


BIOLINE:
Zu Ihrer Prüfungsvorbereitung gehören ja auch Entspannungsverfahren und Meridiantechniken, wie wir nachlesen konnten.


Frau Krucker:
Ja, es hat sich bewährt, Blockierungen, die aus Angst entstehen, wie beispielsweise die Angst vor Prüfungen, durch Meridianklopfen aufzulösen. Dadurch geht der Prüfling in der Regel ohne jede Furcht zu der Amtsärztlichen Überprüfung.


BIOLINE:
Wenn es mit Hilfe dieser Methode so viel einfacher ist zu lernen, weshalb wird sie denn noch kaum in Schulen und Universitäten genutzt?


Frau Krucker:
Diese Frage kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten. Vielleicht scheint die Tatsache an sich, dass etwas in Wahrheit leicht zu erledigen ist, was doch eigentlich jedermann als mühsam und angstbesessen vertraut ist, schon suspekt. Die Auffassung ist immer noch verbreitet: was auf den ersten Blick unerklärlich ist, muss auch unseriös sein. Das ist schade, denn diese Methode macht riesigen Spaß. Übrigens auch Kindern, denen die Angst vor dem Lernen leicht genommen werden könnten.


BIOLINE:
Wir danken Ihnen für die Ausführungen und wünschen weiterhin viel Erfolg mit der Methode des „leichten Lernens“


Selbsthilfemaßnahmen können sehr behilflich sein:
Japanisches Heilströmen

Meridianklopfen

Meridian-energie-technik-MET

vegane und vegetarische Ernährung