"Palmblattbibliotheken" - das Phänomen

Anett Friedrich
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin

 

Ist unser Schicksal wirklich vorausbestimmt? Und können wir einfach "nachlesen"?

 

Wer wünscht sich nicht ab und an einmal, in die Zukunft sehen zu können, einen Blick nur von dem zu erhaschen, was vor ihm liegt, sein Schicksal zu kennen, um besser für die Zukunft gewappnet zu sein?
Millionen Menschen lesen tagtäglich die Horoskope diverser Tageszeitungen. Astrologen und Kartenleger(innen) bieten zumeist für teures Geld ihre Dienste feil und sie werden nicht zu knapp in Anspruch genommen.
Jedoch bildet das Horoskop durchaus nicht die einzige Variante der Zukunftsschau.
Es gibt noch andere Möglichkeiten, deren wohl vollkommenste und spektakulärste die Palmblattbibliothek ist.
Diese geheimnisumworbenen Palmblattbibliotheken sind über den gesamten Subkontinent verstreut.
Insgesamt sieben Hauptbibliotheken und mehrere Palmblattbibliotheken mit Abschriften aus diesen Hauptbibliotheken gibt es in Indien, aber auch in Sri Lanka. Die Urschriften der dort archivierten Palmblätter wurden von einer Gruppe mythologisch anmutender Gestalten, den Rishis, verfasst, die vor 7000 Jahren gelebt haben sollen.
Den von ihnen beschriebenen „7 Heiligen Rishis“ wurde eine ganz außerordentlich große spirituelle Macht nachgerühmt. In der Chronik sind die Lebensläufe von mehreren Millionen Menschen zu lesen. Diese sind schriftlich auf den getrockneten Blättern der Stechpalme fixiert.
Das gesamte Leben dieser Menschen, von der Geburt bis zum Zeitpunkt ihres Todes, wurde auf den Palmblättern in Alt-Tamil, einer Sprache, die heutzutage nur von wenigen Eingeweihten beherrscht wird, bzw. in Sanskrift in eng geschriebenen Zeichen eingeritzt.
Ein solches Palmblatt überdauert im Normalfall etwa 500 bis 800 Jahre. Wenn es alt und brüchig geworden ist, fertigt man eine Abschrift des Textes auf einem neuen Palmblatt an. Jeder, der erfahren möchte, was das Schicksal für ihn bereithält, muss sich jedoch selbst nach Indien in eine der Palmblattbibliotheken bemühen.


Meine Reise in Vergangenheit und Zukunft


Ich erfuhr 1993 von diesen rätselhaften Palmblattbibliotheken. Ich wollte es genau wissen und machte mich mit meinem damaligen Freund Thomas an die Vorbereitung einer Reise nach Indien.
Am 14. August 1993 schließlich kämpften wir uns mit einer Motorrikscha durch das morgendliche Gewühl im Straßendschungel von Madras und erreichten nach einstündiger Fahrt die in East Tambaram, einem Vorort von Madras, gelegene Palmblattbibliothek. Der Palmblattleser R.V. Ramani bat uns herein. Sei Nadi-Reading (so nennt man das Lesen des Palmblattes) dauerte etwa 50 Minuten. Basis des Nadi-Readings ist die Lehre vom Shuka-Nadi.
Diese Lehre beruht auf der Wahrnehmung von Vergangenheit und Zukunft jenseits unseres herkömmlichen Raum-Zeit-Begriffs. Darauf aufbauend, sollen die Auskünfte eine lebensberatende Funktion ausfüllen, das heißt, sie sollen helfen, die eigentliche Bestimmung seiner derzeitigen Inkarnation zu finden.
In der Palmblattbibliothek von Mr. Ramani gibt der Ratsuchender zunächst seinen vollständigen Namen und sein Geburtsdatum an. Das Orakelhafte der Zeremonie beginnt spätestens in dem Augenblick, in dem der Besucher neun polierte Muscheln über einen Mandala werfen muss, dass in einen kleinen Teppich gestickt ist. Danach sucht der Nadi-Reader die im Zentrum des Mandalas liegenden Muscheln  heraus. Ihre Zahl, verbunden mit den bereits genannten Daten, bildet die Information für das Auffinden des persönlichen Palmblattes unter Tausenden und Abertausenden von Palmblattmanuskripten. Mr. Ramani schaffte es in circa fünf Minuten „mein“ Palmblatt herauszusuchen.
Zuerst wurden Daten aus der Vergangenheit genannt. Dies waren überaus exakte Informationen und genaue Daten (beispielsweise das Datum jenen Tages, an dem ich Thomas kennen gelernt hatte), teilweise erhielt ich Auskünfte sogar aus früheren Inkarnationen (!).
Nachdem ich diese Angaben weitgehend bestätigen konnte, berichtete er von meiner Zukunft.
Nach der Zeremonie war ich von der Echtheit des Nadi-Readings zumindest in diesem Fall überzeugt.


Doch genügte das als Beweis?


Für mich gab es nur einen Beweis – die Palmblätter selbst.
Und so wagte ich das Unmögliche und bat den Nadi-Reader um meine Palmblätter. Und das Unglaubliche geschah. Mr. Ramai öffnete erneut die zu Bündeln zusammengeschnürten Palmblattmanuskripte, entnahm ihnen jene Palmblätter, welche mein Schicksal betrafen und übergab sie mir.
Diese Übersetzung gestaltete sich jedoch in Europa bei weitem langwieriger und komplizierter als angenommen, dennoch wurde mir im Ergebnis mitgeteilt, dass es sich bei den Manuskripten in der Tat um meinen persönlichen Lebenslauf handelt, in denen mein Name und andere personenbezogene Daten enthalten sind und die den Verlauf meines Lebens detailliert beschreiben.


Wissenschaftliche Analyse


Das Kernforschungszentrum Rossendorf/Sachsen nahm unabhängig von den Ergebnissen der Übersetzung, eine Altersbestimmung der Palmblätter mittels C-14-Analyse vor. Diese Analyse ergab, dass die untersuchten Palmblätter älter als 350 Jahre sind.


Frühere Leben


Im Zusammenhang damit werden auch mindestens vier frühere Leben des Klienten besprochen, aus welchen bestimmte Erfahrungen und Ereignisse in die jetzige Inkarnation hinein wirken. Dieser Abschnitt des Readings dient vor allem dazu, noch unbewusste, brachliegende Fähigkeiten, die bereits in früheren Leben erworben wurden, für die Aufgaben in dieser Inkarnation nutzbar zu machen.
Ein weiteres Kapitel des Nadi-Readings ist der gesundheitlichen Verfassung des Klienten sowohl in psychischer als auch in physischer Hinsicht gewidmet. Hier werden auch die Gegenmittel (etwa bestimmte Meditations- und Yogatechniken über Medizin der Ayurveda) zur Behebung bestehender oder künftig auftretender gesundheitlicher Probleme genannt. Danach wird noch einmal gesondert die Thematik Partnerschaft und Familie mit allen positiven und auch weniger günstigen Aspekten besprochen.
Zum Abschluss des Nadi-Readings erhält jeder Klient sein ganz persönliches Mantra (Heilende Formulierungen), welches er immer dann sprechen soll, wenn er in Situationen gerät, welche die ganze Kraft der Persönlichkeit erfordern.
In den weiteren Jahren besuchte ich bislang insgesamt elf verschiedene Palmblattbibliotheken mit Texten von drei dieser sieben Rishis. Dabei ist es tatsächlich so, dass die Vorhersagen nicht nur übereinstimmen, sondern sie korrespondieren vielmehr miteinander, in dem Sinn, dass die Aussagen des Nadi-Readings sich ergänzten und umgekehrt. Dabei hat jedoch jede Palmblattbibliothek ihr eigenes System des Auffindens der Palmblätter.


Das Auffinden des „persönlichen“ Palmblattes


Dominierend sind in Indien die Palmblattbibliotheken des Rishis Agasthiya. Die Form des Auffindens der Palmblätter wirkt hier im ersten Moment wie ein Ausfragen nach Lebensfakten. Doch zuerst gibt man den Daumenabdruck: die Männer den rechten und die Frauen den linken. Die Daumenabdrücke werden nach 1008 verschiedenen Merkmalen unterschieden. Dadurch ist es den Palmblatt-Reader möglich, eine Klassifizierung vorzunehmen. Sie wählen dann die Palmblattbündel aus der Bibliothek aus, die die Schicksale von den Personen beinhalten, die ähnliche Merkmale des Daumens aufweisen. Anschließend werden die Blätter dieser Palmblattbündel einzeln ausgelesen: so steht dann vielleicht auf dem ersten Blatt: „Ihre Mutter heißt Erna“. Wenn sie nicht so heißt, sagt man einfach „nein“. Dann nimmt der Leser das nächste Blatt. Da steht dann vielleicht drauf, dass man vier Kinder hat. Hat man sie nicht, sagt man wieder „nein. Und so geht es weiter, bis schließlich die eigene „Karteikarte“ gefunden ist. Da muss dann der eigene Name, der Name der Eltern, des Ehepartners, die Anzahl der Kinder sowie Geschwister, der eigene Beruf, das Geburtsdatum und viele persönliche Details aus der Vergangenheit und Gegenwart draufstehen.


Das Schicksal des „Suchenden“


Erst wenn diese „Karteikarte“ gefunden ist, wird das Schicksal der Zukunft gelesen und zwar in 12 Kapiteln, die sich alle wieder in anderen Palmblattbündeln befinden. Diese 12 Kapitel umfassen alle Lebensbereiche: eins gibt Auskunft über den Beruf, ein anderes über die Kinder, eins über die Gesundheit usw.. Lässt man sich alle Kapitel mit einem Mal lesen, kann sich das Tage hinziehen, da die ganze Prozedur sehr aufwendig ist. Allerdings ist es auch möglich, eine Bestellung aufzugeben, die man nach Tagen wieder abholt.


Wege der „Leser“ zur Meisterschaft


Besonders berühmt ist die Agasthiya-Palmblattbibliothek von Mr. Balasubramaniam in Kanchipuram. Sie soll bereits 1200 Jahre alt sein. Die Palmblattbibliothek von Kanchipuram gehört zu den ältesten ihrer Art und wird traditionell geführt. Die künftigen Nadi-Reader leben und arbeiten wie Familienmitglieder im Hause des Meisters und werden von diesem im Lauf von zehn Jahren in der Kunst des Nadi-Readings unterwiesen. Fühlt der Meister seinen Tod nahen, so bestimmt er einen Nachfolger, welcher dann die Leitung der Bibliothek und die weitere Ausbildung der übrigen Schüler unternimmt.
Siddharta, unser Nadi-Reader, berichtete, dass er schon mehr als ein Dutzend Jahre bei Mr. Balasubramaniam lebt. Seit acht Jahren praktiziert er das Lesen der Palmblätter selbst, anfangs noch im Beisein und unter Anleitung des Meisters, inzwischen arbeitet er selbstständig.
Dennoch ist die Interpretation der alten Texte ein ständiger Lernprozess, nicht nur für den Ratsuchenden, der hier Auskunft über sein Schicksal erhält, sondern auch für die Nadi-Reader, der seine Fähigkeiten von Reading zu Reading ständig vervollkommnet, um die Meisterschaft und damit auch Moksha (Erlösung) erlangen zu können.


Rettung der Palmblätter


Ursprünglich sollen die Palmblätter in der Sarawati Mahal Bibliothek in Tanjare (Thanjavur) aufbewahrt worden sein. Später dann verkauften die Briten diese Blätter an die Einheimischen, weil sie selbst nicht den eigentlichen Wert der Sammlung erkannten. Einige Bramanenfamilien aus der Tempelstadt Vaitheeswarankoil nahmen sich dann der Blätter an und bewahrten sie ab dem 13. Jahrhundert im Shri Vaithianathaswamy-Tempel auf. Später dann wurden Abschriften der Urschrift gefertigt und in die verschiedensten Gebiete Indiens gebracht.


Was ist vorbestimmt?


Das eigene Schicksal wird in den Lesungen detailgetreu vorgetragen und man kann, zumindest was die Vergangenheit betrifft, sofort den Wahrheitsgehalt überprüfen und auf die Aussagen über die Zukunft vertrauen.
Bei mir sind inzwischen 14 Jahre seit meiner ersten Schicksalslesung vergangen. Und alles, positiv wie negativ, ist eingetreten. Da stellt sich natürlich die Frage: ist denn alles vorherbestimmt? Wo bleibt der freie Wille?
Die Palmblattleser sagen, dass etwa 70 Prozent vorherbestimmt sind, 30 Prozent sind freier Wille.
Der Palmblattleser gibt mit seinen Aussagen bildlich gesprochen eine Art Seekarte in die Hand. Darauf ersehen wir, wo Stürme zu erwarten sind, wo es Klippen zu umschiffen gibt.
Man bekommt eine Seeroute gesagt, die uns sicher in den Hafen am Ende unseres Lebens bringen soll. Es ist nun an uns, dieser Route zu folgen. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass man dankbar diesen Lebensplan annehmen sollte. Gewinnt dennoch das Ego und man geht andere Wege, so passieren oft Unfälle oder Krankheiten, die einen zum Nachdenken zwingen und einen letztlich doch wieder nach einem Umweg auf die ursprüngliche Route führt.
Es scheint also ein göttlicher Lebensplan zu existieren, der für uns zugleich Hoffnung und Forderung enthält.
Glaubt man den Aussagen der Palmblattbibliotheken, so folgen wir dem Rad der Wiedergeburten, um eine bestimmte Abfolge von Epochen mit zu gestalten und gewisse Dinge zu lernen. Deshalb birgt unser Inneres ein riesiges Potenzial an uraltem Wissen.


Schlussfolgerung


Wenn es also möglich ist, dass jemand vor 7000 Jahren voraussehen konnte, dass eine bestimmte Person an dem und dem Tag in Indien in einer ganz bestimmten Palmblattbibliothek nach seinem Schicksal fragt, wenn dieser Jemand die Lebensläufe im Detail bereits damals kannte, dann müssen wir wohl unsere gängige Vorstellung vom Begriff „Zeit“ vollständig revidieren. Dann gäbe es in der Tat kein Gestern, kein Heute und kein Morgen. Dann wären Vergangenheit und Zukunft eins.
Interessierte Leser erhalten gerne weitere Informationen bei: Anett Friedrich, Tel.: 035203/339990
Fax: 035203/339991
Internet:www.palmblattbibliothek.info

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