Messie oder nur mangelnder Ordnungssinn

Artikel aus dem BIOLINE-Magazin von

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin

 

„Irgendwie habe ich Probleme mit der Ordnung und meine Mutter meint, ich sei ein Messie.
Aber ich finde, so schlimm bin ich eigentlich nicht. Und was sie für wichtig hält, ist für mich nur langweilig.“
Fanny, die Tochter einer Bekannten, hatte seit einem Jahr ihre erste eigene Wohnung und fühlte sich dort wohl. Die Mutter allerdings befiel bei ihren Besuchen jedes Mal das kalte Grausen, weil es überall total chaotisch und auch nicht sehr sauber aussah.
Da sie von ihrem Haushalt so etwas nicht gewöhnt war, vermutete sie eine krankhafte Entwicklung bei ihrer Tochter und vereinbarte einen Beratungstermin vor Ort mit mir.

Das Messie-Syndrom


Der Begriff Messie ist abgeleitet vom englischen Wort mess für Unordnung oder Durcheinander. Mit der Bezeichnung Messie-Syndrom beschreibt man eine psychische Störung, bei der Menschen unter dem Zwang zur Unordnung leiden und ihre Wohnungen oder Häuser systematisch vermüllen lassen.
Allerdings muss nicht jeder, der das Chaos liebt oder glaubt es beherrschen zu können, ein Messie sein. Charakteristisch für dieses Syndrom wäre:

- der Zwang, vorzusorgen und Dinge zu sammeln
- die Unfähigkeit, sich von Dingen zu trennen
- der Zwang, alle Dinge unter Kontrolle, d.h. sichtbar und parat zu haben
- die Unfähigkeit, Brauchbares von Unbrauchbarem zu unterscheiden
- das Verstecken der Müllberge und das Bestreiten, überhaupt ein Problem zu haben
- das Auftreten weiterer Probleme, wie Unpünktlichkeit oder Rückzug nach innen
  Sicherheit wird symbolisiert


Die Hintergründe für eine solche Entwicklung sind häufig frühkindliche Existenzängste oder Verlusterfahrungen, die zum zwanghaften Festhalten von Dingen führen, die Sicherheit symbolisieren. Auch wenn Strukturen des täglichen Lebens und Ordnung im Elternhaus nicht erlebt wurden oder als anderes Extrem, peinlichst kontrolliert wurde, kann ein Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit entstehen.
Messies fühlen sich schon von vorneherein vom Aufräumen überfordert und frustriert
Nicht weil sie faul sind, sondern weil sie überzeugt sind, es doch nicht gut genug zu machen. Deshalb schieben sie es möglichst lange vor sich her, bis es egal ist und die Wohnung nur noch aus Trampelpfaden zwischen Müllbergen besteht.
Bei manchen hat sich über längere Zeit ein Gefühl der inneren Abwehr entwickelt, so dass sie sich den „Luxus“ einer angenehmen Umgebung nicht gönnen und die tägliche innerer Schimpftirade über das Chaos regelrecht genießen.


Fehlendes Ordnungsprinzip


Bei Fanny konnte ich nach dem Lokaltermin und einer  intensiven Diskussion das Messie-Syndrom ausschließen.
Allerdings fehlten ihr jegliche Ordnungsprinzipien und Ordnungserfahrungen.
In der Klinik brauchte sie als Kinderkrankenschwester nur die Vorgaben zu Ordnung und Sauberkeit einzuhalten und „zu Hause hatte das immer Mutti gemacht“.
Wenn sie jetzt müde vom Dienst nach Hause kam, hatte sie keine Lust aufzuräumen, weil sie nicht wusste, wohin mit all dem Krempel.
Deshalb erarbeiteten wir gemeinsam vier feste Ordnungsregeln und planten gleich Maßnahmen, um sie umzusetzen und mehr Struktur in ihr Chaos zu bekommen:


1) Jedes Ding hat seinen Platz!


Es ist leichter, etwas wiederzufinden, wenn alle Dinge, die in einem Raum benutzt werden, auch dort ihren festen Platz finden, zum Beispiel Küchengeräte, Bestecks oder auch Servietten in der Küche bzw. dem Esszimmer.
Bücher, Arbeitsmaterial, CDs u.ä. gehören ins Wohnzimmer oder so man hat, ins Arbeitszimmer.
Da Fanny in Ihrem Wohnzimmer viel Krimskrams zum Basteln, zum Dekorieren oder auch zum Nähen aufbewahrte, könnte ihr ein alter Apothekerschrank helfen, bei dem jeder Kasten beschriftet wurde.
Im Flur könnte ihr Vater drei Regale befestigen, in denen die unzähligen Schuhe, geordnet in Schachteln und mit Beschriftung oder Foto, Platz fänden.
Im Bad wären Regale sowie kleine Körbe und Kästchen hilfreich, um die vielen Kosmetika zu ordnen.
Das Schlafzimmer sollte seinen Status als zeitweilige Abstellkammer verlieren und nur für Kleidung und als Rückzugs- und Ruhepunkt zur Verfügung stehen.


2) Was geöffnet wurde, wird wieder geschlossen, was herausgenommen wurde, zurückgelegt


Ein kluger Mensch hat einmal sinngemäß gesagt:
„Es ist nie Zeit, etwas wegzuräumen, aber immer Zeit, danach zu suchen.“
Fanny kannte dieses Problem sehr gut, weil sie bisher immer dann, wenn sie ausgehen wollte, solange Sachen anprobierte, bis ihr Schlafzimmer aussah, als sei ein Tornado durchgebraust.
In den nächsten Tagen suchte sie dann ständig irgendwas. Jetzt sollten lustige Aufforderungen an jeder Schranktür, sie daran erinnern, Sachen sofort zurückzuhängen oder zu legen.
Zwischen die Schrankfächer könnte sie Metallkörbe hängen, die Tücher, Haarbänder und andere Kleinigkeiten aufnehmen.


3) Es gibt feste Aufräum- und Putztermine


Wenn Räume regelmäßig in Ordnung gebracht und gesäubert werden, kann sich das Chaos gar nicht erst ausbreiten.
Der Aufwand beim wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Einsatz ist nicht so hoch, wie ein Feuerwehreinsatz, falls sich Besuch anmeldet. Außerdem muss das neue Verhalten erst eine gewisse Zeit geübt werden, bevor es zur alltäglichen Routine werden kann.


4) Für Dinge, Bücher oder Kleidung, die neu dazukommen, muss etwas anderes entsorgt werden


Wer nicht gerade ein großes Haus bewohnt, hat nur eine begrenzte Kapazität, Dinge zu sammeln und zu lagern. Das bedeutet, dass man sich von Zeit zu Zeit von etwas trennen muss, das man nicht mehr braucht, das nur Platz wegnimmt und die Übersicht behindert.
Gerade das fällt vielen Menschen schwer. Auch wenn sie keine Messies sind, vermitteln ihnen manche Dinge auch Sicherheit oder geben das Gefühl, für alle Fälle vorgesorgt zu haben.
Aber inzwischen ist die Zeit der Jäger und Sammler endgültig vorbei und jeder sollte regelmäßig entscheiden, was wirklich Sammelobjekt ist oder Krempel, der entsorgt werden kann.
Natürlich war Fanny nach unserer Planung lange noch nicht soweit, dem Saubermachen und Aufräumen irgendetwas abzugewinnen.
Wir suchten deshalb nach Begründungen dafür, welche Vorteile das Ganze bringen könnte, um es interessanter und anziehender zu machen.
Fannys Gründe dafür, dauerhaft eine schöne Wohnung zu haben, waren:

- Es nervt nicht so, wenn ich schneller finde, was ich brauche
- Es ist bequemer Ordnung zu halten, als stundenlang aufzuräumen
- Meiner Mutter werden die Gesichtszüge entgleisen, wenn sie das Ergebnis sieht


Erst jetzt war Fanny wirklich motiviert, in ihrer Wohnung Ordnung und Struktur zu schaffen. Dafür bekam sie noch einige Empfehlungen, die auch andern helfen können, dem Chaos zu entfliehen.


Sich Unterstützung organisieren


Das hat den großen Vorteil, mehr Spaß zu haben, die Arbeit zu erleichtern, besonders bei schweren Kisten oder der Regalmontage und natürlich auch den festgelegten Termin einzuhalten.
Fanny half ihr Vater am Anfang bei den unterschiedlichen Regalen, dann meist ihre beste Freundin Tess, die für später den gleichen Gefallen von ihr einforderte.


Nur wenige Vorhaben angehen


Wer sich vornimmt, eine ganze Wohnung in Topform zu bringen, wird unweigerlich scheitern. Außerdem fehlt dann das Erfolgserlebnis, das man hat, wenn zum Beispiel wirklich alle Bücher in den Regalen neu geordnet wurden und die alten Zeitungen und Zeitschriften zum Entsorgen gebündelt sind.


Auch Selbsthilfe kann behilfllich sein:

Japanisches Heilströmen

Meridianklopfen

Meridian-energie-technik-MET

vegane und vegetarische Ernährung