Mehr Gelassenheit

Artikel aus dem BIOLINE-Magazin von

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin


Zum besseren Umgang mit Ärger, Wut, Stress und Frustration

 

„Mein Mann hat mir schon die rote Karte gezeigt, ich muss unbedingt etwas ändern und das ziemlich schnell. Wir fahren demnächst wieder zu seinen Eltern aufs Dorf, das machen wir jedes Jahr mindestens viermal. Dort ist dann großes Familientreffen, was bei meiner Familie ganz unterhaltsam sein kann. Aber seine Leute sind so was von borniert, dass wir ständig aneinandergeraten. Hinterher ärgere ich mich über mich selbst und es geht mir nicht gut. Aber die bringen mich so in Wut, dass ich mich einfach nicht mehr beherrschen kann.“


Ariane, eine 36-jährige Journalistin, redete sich schon in Erinnerung daran in Rage.
Eigentlich kenne sie Ärger oder Wut im Umgang sonst kaum, versicherte sie mir. Schließlich habe sie am Lesertelefon ihrer Zeitung jeden Tag mit Leuten zu tun, die sich über irgendetwas beschweren möchten.
Nur die Konfrontation mit den Angehörigen ihres Mannes lasse sie jedes Mal die Fassung verlieren.
Wenn wir uns über etwas sehr ärgern oder wütend werden, kann das durchaus auch positiv sein. Nämlich dann, wenn uns diese Gefühle motivieren, das Störende zu verändern oder zu sagen: Stopp! Mit mir nicht!
Gärt der Ärger aber unterschwellig in uns oder ist er unangemessen stark, dann wird er zu einem der schlimmsten Stressfaktoren, vor allem für Herz und Kreislauf.


Die Herkunft des Wortes Ärger


Sie verweist auf den Zusammenhang mit krankmachenden Faktoren. Es ist abgeleitet von dem lateinischen angere, was würgen bedeutet.
Dieses Wort ist auch der Stamm für Angina pectoris, die gefürchtete Herz- und Brustenge. Und tatsächlich schädigt andauernder Ärger das kardiovaskuläre System erheblich.
Selbst die abgeminderte Form des Ärgers, die Frustration, ist gefährlich. Schon diese leise köchelnde Unzufriedenheit, das Unvermögen, den Gang der Dinge zu beeinflussen, belasten bereits das Herz und verhindern, dass wir uns wohlfühlen.
Steigert sich aber der Ärger zur Wut, dann rast nicht nur das Herz, dann schnellt nicht nur der Blutdruck in die Höhe, dann raubt uns das auch die Fähigkeit, klar zu denken. Wir können rot sehen, die Kontrolle über uns und die Situation völlig verlieren, blind für die Argumente oder Beschwichtigungen anderer werden und nur noch auf Vergeltung sinnen.
Vernunft und Logik scheinen ausgeschaltet zu sein, es geht nur noch darum, die eigene Position lautstark zu vertreten oder sogar mit körperlicher Gewalt durchzusetzen. Dafür kann es unterschiedliche Ursachen geben:


1) Menschen mit cholerischer Veranlagung


Sie können schon durch ihre Gene in Konflikt-Situationen blitzschnell in blinde Wut geraten. Oft gibt es auch Störungen im Leber-Galle-Bereich oder hormonelle Probleme, wie beim Prämenstruellen Syndrom oder der Pubertät. Auch körperliche Schmerzen und psychische Störungen, wie das Borderline-Syndrom können die Frustrationsschwelle gefährlich dünn werden lassen.


2) Wenn wichtige Nährstoffe fehlen


Dazu können zum Beispiel gehören: B-Vitamine oder Lecithin. Das kann eine erhöhte Sensibilität gegenüber Äußerungen von anderen und schwache, nicht belastbare Nerven zur Folge haben. Ursache ist die empfindliche Myelinschicht, die normalerweise die Nervenzellen umschließt und schützt, ähnlich wie die Gummiisolierung um ein Elektrokabel. Damit diese Schicht leistungsfähig bleibt, braucht der Körper ausreichend B-Vitamine und besonders die fetthaltige Substanz Cholin, ein Bestandteil des Lecithins. Besteht hierin ein Mangel, geschieht etwas ähnliches, wie bei schadhaften Kabeln, es gibt einen Kurzschluss und der Mensch geht an die Decke.

 

3) Bei seelischen Verletzungen


Wenn Ärger und Wut dann aufkommen, wenn wir uns von anderen verletzt oder gedemütigt fühlen, dann kann das auch mit einem geringen Selbstwertgefühl zusammenhängen. Innerlich trifft der Pfeil genau, weil wir das, was uns vorgeworfen wird, eigentlich genauso sehen. Wir fühlen uns entlarvt und das macht uns wütend.


4) Muster aus der Kindheit


Wenn in der Kindheit erlebt und vorgelebt wurde, dass Konflikte nur lautstark ausgetragen oder die eigene Meinung mit Gewalt durchgesetzt wurde, dann werden diese Muster in der späteren Beziehung als Erwachsener übernommen.
Ob jemand gelassen und konstruktiv an seine Probleme herangeht oder ob ihn seine Ausbrüche zu einer gefährlichen Zeitbombe machen, hängt stark von diesen Faktoren ab.
Natürlich ist es nicht gesund, Wut zu unterdrücken oder Ärger in sich hineinzufressen, weil das wieder zu Frustrationen und den bekannten Folgen für Herz und Kreislauf, oft auch für den Magen führt.
Allerdings ist der, der seine Wut ständig lautstark heraus trompetet, auf keinen Fall vor einem Herzinfarkt gefeit, auch wenn das viele, vor allem Männer, zu glauben scheinen.
Auf diese Weise erledigen sich die auslösenden Probleme eben nicht, sie werden eher schlimmer.
Und dazu kommt, dass die körpereigenen Systeme bei diesen unkontrollierten Gefühlsausbrüchen, bis an die Belastungsgrenze getrieben werden.


Die Folge von unkontrollierten Gefühlsausbrüchen


Der amerikanische Herzspezialist W. Redford hat nachgewiesen, dass Menschen, die ihrem Ärger ständig lautstark und ungeniert Luft machen, eine geringere Lebenserwartung haben als andere, die mit diesen Gefühlen gelassener und produktiv umgehen.


Erste-Hilfe-Maßnahmen


Ariane verordnete ich als erstes ausreichend B-Vitamine aus der Apotheke für Nerven wie Drahtseile. Zusätzlich achtete sie in der Ernährung auf cholinhaltiges, wie Naturreis, Vollkornprodukte, Nüsse, Kerne, Samen, Eigelb, Weizenkeime, Spinat u. ä..
Außerdem bekam sie das homöopathische Mittel Chamomilla. Es hilft Menschen, die leicht reizbar und übersensibel gegen äußere Einflüsse sind, die selbst leichte Berührungen schon auffahren lassen. Mit Chamomilla wird ihr Nervenkostüm deutlich belastbarer.
Neben der Medikation entwickelten wir für Ariane noch SOS-Tipps, mit denen sie nicht nur einen nahenden Wutanfall bremsen, sondern auch ruhiger, selbstsicherer und diplomatischer mit anderen umgehen kann.


Den Energiestau lösen


Plötzlich hochschießende Wut kann einen gefährlichen Energiestau verursachen, den man mit Meridiantechniken relativ schnell lösen kann, wenn man die Punkte unter den Augen und seitlich davon (Magen und Galle) sowie den Stresspunkt unter dem Schlüsselbein intensiv beklopft. Wer dazu noch das Augenrollen nach oben einsetzt, kann die Zeitbombe Wut noch rechtzeitig entschärfen. Oft hilft es auch, den Mittelfinger zu strömen, ein Finger der für Wut steht, wie viele Autofahrer wissen.


Wut in kinetische Energie umwandeln


Egal ob man etwas an die Wand wirft, an die Autoreifen tritt, die Türen knallt, dreimal um den Block läuft oder den Hausputz beginnt, jede dieser körperlichen Reaktionen kann die angestaute Wut lösen, ohne sich und andere zu gefährden. Natürlich nur, wenn es nicht gerade das gute Meißner war, was an der Wand landete oder man zu viel interessierte Zuschauer hat.


Die Gefühle beruhigen


Dazu eignet sich eine Mischung aus den Bachblüten Cherry Plum (6), Impatiens (18) und Oak (22) besonders gut. Cherry Plum verhilft zu mehr Gelassenheit in Situationen, wo man sonst durchgedreht hätte. Impatiens verringert Ungeduld und Gereiztheit, während Oak hilft, einen nervösen Zusammenbruch zu verhindern.


Den Erregungslevel regelmäßig senken


Tägliche Entspannungsübungen oder Stressabbau-Techniken gewährleisten, dass der erhöhte Adrenalinspiegel wieder auf einem niedrigeren Level eingepegelt und das Gefühl der inneren Ruhe abrufbar wird.
Dazu sollte man die Methode einsetzen, die den eigenen Gegebenheiten am besten entspricht. Ariane, die mittlerweile erkannt hatte, dass sie von der Arbeit am Lesertelefon auch eine Menge Frust angesammelt hatte, nutzte den Heimweg durch einen Park, um negative Emotionen abzulaufen. Tagsüber hilft ihr die Klopfakupressur und das Reiben des wunden Punktes, verbunden mit der Affirmation:
„Ich bin ruhig und gelassen.“


Auf konkrete Konfliktsituationen vorbereiten


Meist kennt man schon typische Situationen, wo man hochgeht, wie eine Rakete und die Gefahr einer Eskalation am größten ist.
Wer solche Situationen vorher mehrmals gedanklich durchspielt und sich dabei vorstellen kann, beherrscht zu bleiben, kann diesen gewünschten Handlungsverlauf so fest einprogrammieren, dass er zur Verfügung steht, auch wenn es brennt.
Falls man sich seiner noch nicht so sicher ist, wäre es besser, die Gesprächsthemen, die einen immer noch zur Weißglut bringen, zu meiden.
Für Arianes Familientreffen probten wir, wie sie auch bei explosiven Gesprächsthemen ruhig bleiben, Angriffe humorvoll kontern und so die Situation selbst entschärfen kann.
Ihr größtes Problem waren die häufigen Anspielungen, sie würde keiner richtigen Arbeit nachgehen.
Natürlich war ihr vom Verstand her klar, dass die Bauern sowieso nur körperliche Arbeit als „echt“ akzeptierten. Dennoch gab es ihr jedes Mal einen Stich, denn tief in ihrem Inneren fand sie sich in ihrer Redaktion auch unterschätzt. Vor allem das ungeliebte Lesertelefon schien ihr der Beweis dafür, sonst hätte man sie doch mit Wichtigerem betraut.
Nach genauerer Betrachtung erkannte sie jedoch, dass diese Möglichkeit, Lesern zu helfen, positive Reaktionen und eine Verbundenheit mit ihrer Zeitung zu bekommen, eine sehr verantwortungsvolle und lohnende Aufgabe sei.
Nachdem dieser Vorbehalt ausgeräumt war, starteten wir einen etwas anderen Versuch der Selbstdarstellung. Ariane wählte aus ihren Arbeiten einen kürzlich erschienen Artikel über Hofläden auf dem Land aus und schickte ihrer Schwiegermutter eine Farbkopie davon mit einigen netten Worten.
Das folgende Treffen verlief deutlich entspannter, nicht nur weil Ariane selbst lockerer und gut vorbereitet war. „Ich bin nicht ein einziges Mal in Rage geraten. Mein Artikel hatte die Runde gemacht und jetzt wo wir ein Thema hatten, konnte man sich mit einigen richtig gut unterhalten. Ich habe sogar Ideen für weitere Artikel bekommen. Natürlich gab es noch einige Frotzeleien, aber da habe ich ganz gelassen gekontert.“


Auch die Seele braucht Hilfe. Meridian-Techniken bieten Unterstützung:

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