Vorsätze und woran sie immer scheitern

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Innere Widerstände machen gute Motivation zunichte.
„Vor kurzem habe ich ein Buch gesehen, „Tausche Bauch gegen Frau“. Das ist genau mein Problem. Als ich 40 wurde, hatte ich mir ganz fest vorgenommen, alles wird anders. Aber jetzt werde ich bald 41 und der Bauch ist noch da. Eigentlich habe ich die besten Absichten, ich weiß auch, dass ich mehr Sport machen sollte, aber es kommt mir immer etwas dazwischen.“
Frank, ein überzeugter Biker, lebte seit der Scheidung vor fünf Jahren alleine. Er würde gerne wieder eine Partnerin finden, hat aber den Eindruck, gerade wegen des Hüftgolds und des Bauches, bei Frauen weniger Chancen zu haben.
Er hat schon öfter versucht abzunehmen, da ihm sein Bauchumfang auch Rückenschmerzen bereitet, aber es gab immer „dringende“ Anlässe, die nötigen Veränderungen zu verschieben.
Inzwischen wog Frank bei 1,75 Körpergröße immerhin 97 kg und sein Bauchumfang von 95 cm sprengte jeden Hosenbund.


Faule Ausreden


Franks Freunde, die für sein Geschäft gerne Werbung machen und ihm im Biker-Service oft helfen, sehen ähnlich aus und demotivieren seine guten Absichten eher.
Einmal hat er sogar gewettet, abzunehmen, dann aber verloren und aus lauter Frust noch mehr gegessen. Deshalb war er jetzt der Meinung, mit ihm könne etwas nicht stimmen, eventuell würden die Drüsen nicht richtig arbeiten.
Was aber wirklich zwischen Frank, einem flacheren Bauch und seiner Traumfrau stand, sind innere Widerstände, die seine Motivation blockierten.
Innere Widerstände kann man weder sehen noch anfassen, aber fühlen. Sie wirken, wie ein umgedrehter Magnet, der uns mit seinem Kraftfeld ablenkt und verhindert, dass wir wirklich tun, was wir uns vorgenommen haben. Diese Widerstände lassen uns zögern und wundersame Begründungen finden, warum wir gerade heute noch nicht anfangen können, aber vielleicht morgen oder nächste Woche.


Angst vor Veränderungen


Innere Widerstände tauchen immer dann auf, wenn Gewohntes, Vertrautes und Bequemes aufgegeben oder  verändert werden soll, zum Beispiel:


- wenn die Ernährung mehr auf die echten Bedürfnisse des Körpers ausgerichtet werden soll, aber das Schnitzel oder die Chips so lecker aussehen
- wenn es ernsthaft darum geht, sich von lästigen oder schädlichen Angewohnheiten, wie Rauchen oder Naschen zu verabschieden, aber genau das unverzichtbar erscheint
- wenn Aufgaben erledigt werden müssen, die uns unangenehm sind und meist auch noch einen Abgabetermin haben, man aber jede Menge anderes Unaufschiebbares vor sich hat, wie Fußball gucken oder Zeitung lesen
- wenn die Figur wieder in eine ansehnliche Form gebracht werden soll, aber das Sportstudio zu weit, die Couch viel bequemer ist und die Six-Packs aus Bier, schneller erreichbar sind, als die auf einem gut trainierten Männerbauch


Widerstände de-maskieren


Innere Widerstände sind nicht so leicht zu erkennen, weil sie wie erfahrene Manipulatoren die Fäden ganz geschickt nur im Hintergrund ziehen und so unser Verhalten steuern.
Um wirklich ans Ziel unserer Wünsche zu gelangen, ist es unumgänglich, sie zu entlarven und uns mit ihnen ganz bewusst auseinander zu setzen.
Dazu muss man sich schon ein bisschen Zeit nehmen und sich über sein inneres Betriebssystem klar werden, um herauszufinden, was uns hemmt oder was uns antreibt und motiviert, endlich was zu tun.
Motivation (lat. movere = bewegen, ziehen), also der Antrieb zum Handeln, entsteht besonders dann, wenn wir die folgenden Voraussetzungen haben:


- ein wirklich erstrebenswertes und klares Ziel
- Lust und Freude am Vorhaben
- das Vorhaben stimmt mit unseren inneren Einstellungen und Bedürfnissen überein
- die äußeren Bedingungen sind so gestaltet, dass wir ohne Gesichtsverlust nicht mehr zurückkönnen
- unser Umfeld unterstützt uns liebevoll, aber auch konsequent
- es besteht Aussicht auf Erfolg oder wir glauben zumindest fest daran


Motivationsrräuber


Als wir diese Punkte bei Frank überprüften, zeigten sich typische Motivationsräuber, wie unklare Zielvorstellungen, ein Widerspruch zu ihm wichtigen Anliegen und die fehlende Unterstützung durch sein Umfeld.
Er wollte zwar abnehmen, aber bisher war das nur ein frommer Wunsch. Das genügt unserem  inneren Betriebssystem leider nicht, um die Widerstände auszuhebeln.


Motivationstrick I


Dazu brauchte es die klare Vorgabe: 10 kg minus bis zu seinem Geburtstag in sechs Monaten und 10 cm Bauchumfang weniger.
Um die Motivationstricks als neues Programm einzugeben, setzten wir den Motivationstrick eins, das gewünschte Endergebnis so bildhaft und deutlich vor seinem „inneren Auge“ zu sehen, als sei es bereits erreicht.
Damit ihn dieses positive Bild, wie ein Sensor auch durch schwierige Zeiten führt, ankerten wir in einer Hypnosesitzung ein auf schlank bearbeitetes Foto von ihm, verbunden mit der wohltuenden Vorstellung, von Frauen bewundert zu werden.


Visualisieren


Immer wenn ein Vorhaben so mit klaren Bildern und angenehmen Gefühlen gekoppelt wird, kann im Limbischen System unseres Gehirns ein intensiver  innerer Drang nach Verwirklichung ausgelöst werden.
Das erreicht auch, wer sein Zielbild häufig betrachtet und die positiven Reaktionen anderer in seiner Fantasie hört und erlebt.
Motivation und Handlungsfähigkeit können, wie bei Frank, auch gehemmt werden, wenn das angestrebte Ziel mit inneren Bedürfnissen und auch liebgewordenen Gewohnheiten kollidiert.
Bei der Frage „Was werden Sie tun, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben?“, kamen innere Widerstände als Befürchtungen zum Vorschein, die ihm bisher gar nicht bewusst waren.
Tief im Innern war Frank der Meinung, mit einer Partnerin müsse er auf alles verzichten, was er bisher mit seinen Kumpels unternommen hatte und gegen diese echte Männerfreundschaft, schien das Leben mit einer Frau etwas trostlos.
Die Vorstellung, eine Frau mit ähnlichen Interessen zu finden, munterte ihn jedoch wieder auf und ließ das Ziel doch begehrenswerter erscheinen.


Motivationstrick II


Als nächsten Motivationstrick setzten wir Vereinbarungen und Zeitpläne ein, die ihm keine Rückzugsmöglichkeiten ließen. Es gab nun feste Termine, wann das vorgesehene Ernährungs- und Sportprogramm startete, an welchen Tagen Gewichte gestemmt oder gelaufen wurde und wann die Erfolge gemessen und gewogen wurden.
Frank organisierte sich außerdem als ganz entscheidenden Motivationstrick, die Unterstützung seiner Freunde.
Dafür schloss er einen Pakt mit ihnen, der regelt, dass alle dreimal wöchentlich mit ihm ins Fitness-Studio gingen.
Gemeinsam wurde sogar ein Preis ausgeschrieben, d.h. sie sammelten Geld in einem Jackpot für den, der am meisten an Bauchumfang verliert.
Da für das kommende Jahr eine Reise quer durch die USA geplant war, schien das ein guter Anreiz für alle zu sein.
Es gab aber auch streng geregelte Sanktionen, falls sich jemand drücken sollte.


Zielgerichtet handeln


Immer wenn wir so die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und ohne Verzögerung auf das Ziel zugehen, sind die Aussichten am größten, dass es ein Erfolg wird und man auch dabeibleibt.
Die inneren Widerstände fallen in sich zusammen, wenn ihr Anliegen verstanden wird und wir trotzdem das tun, was notwendig und gut ist.
Allerdings tun sie das nicht sofort für immer, wie Frank bei den Bauchübungen feststellte, die er täglich neben dem Sportstudio zu Hause machen sollte. Es fiel ihm schwer, wenn er von der Arbeit erschöpft war und nur noch auf der Couch liegen wollte, manchmal vergaß er sie auch bequemer Weise.
Er schaffte es erst, als er sie ständig zum gleichen Zeitpunkt, nämlich morgens sofort nach dem Aufwachen machte.
Und vor allem, als sich die ersten Erfolge zeigten, die er in einer Grafik aus rotem Isolierband an der Schlafzimmertür markierte.
Mit jedem neuen Bundmaß, reduzierten sich die Widerstände.
Dafür wuchs die Motivation, noch ein paar Übungen anzuhängen.


Konsequentes Ernährungskonzept


Für die Ernährung hatten wir ein relativ einfaches Programm vorgesehen, mit viel Fisch, magerem Fleisch, Gemüseeintöpfen und Salaten, das auch Franks Wunsch nach schneller Küche, entsprach.
Allerdings ohne Chips, Döner und Pizza, die bisher bevorzugten Gerichte.
Als Kompromiss gab es für den bisherigen Obst- und Gemüsemuffel die Alternative „all das Grünzeug“ in einen Entsafter zu stecken und täglich drei Gläser davon zu trinken. Das reduzierte außerdem den Appetit auf zuckerhaltige Limonaden und zuviel Alkohol.
Zusätzlich besprach ich mit ihm die Rückfallgefahr beim Essen.
Denn noch war sein Hang zur bequemen Versorgung mit Pizza und  Co. ein Problem.
Wir vereinbarten daher mögliche Ess-Sünden oder spontane Feiern als „Biathlon-Fall“ zu behandeln, d. h. jeder Fehlschuss bedeutete eine Strafrunde, entweder 30 Minuten Walking auf dem Laufband oder drei Gewichtseinheiten zusätzlich.
Jede gravierende Veränderung in den Lebensgewohnheiten ist immer dann, wenn sich innere Widerstände wieder regen, unweigerlich mit Rückschlägen oder auch Durststrecken verbunden.
Gerade beim Abnehmen reagiert unser Organismus nicht immer optimal, nicht immer werden wir sofort belohnt, wenn wir besonders „brav“ waren.
Umso wichtiger ist die Fähigkeit, sich immer wieder motivieren zu können und durchzuhalten.
Dafür ist ganz wesentlich, jeden noch so kleinen Erfolg wahrzunehmen, zu dokumentieren und sich zu loben oder feiern zu lassen.
Franks Freunde hatten für die Erfolgskontrolle ein eigenes Ritual entwickelt. Bei jedem monatlichen Treffen, wurde der Bauchumfang gemessen und für den Besten ertönte eine Fanfare.
Als Franks Bauch 5 cm schlanker war und er fast 6 kg leichter, war er auch schon mutig genug, sich in Frauenaugen zu spiegeln.
Ein Tanzabend brachte ihm zwar viel Anerkennung, aber nicht die Frau fürs Leben.
Auch eine Annonce in einem Biker-Magazin machte nicht ihn, sondern seinen Freund glücklich, der sich sofort bestens mit der neuen Bekanntschaft verstand.
Wirklich ans Ziel seiner Wünsche kam er erst kurz vor seinem Geburtstag, dann schon 12 kg leichter und mit einem Bauchumfang von nur noch 85 cm.
„Das muss Schicksal sein“, erzählte er mir am Telefon. „Sie hatte 100 Meter vor meinem Laden eine Panne und ich habe ihr geholfen. Eine richtige Biker-Braut, genau das was ich mir schon immer gewünscht hatte, so schwärmte Frank.
„Zum Glück ist mir mein Bauch jetzt nicht mehr im Weg. All die Schinderei hat sich doch gelohnt, ich habe zwar den Jackpot nicht gewonnen, aber sie ist mehr wert, als all das was dort zusammen gespart ist.“


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