Starkes Herz - Vergilt nicht Gleiches mit Gleichem

Kim Barkmann, De Wise Fru, Lebensberaterin, Altensalzwedel
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Im Augenblick kommt es mir gelegentlich so vor, als gäbe es nur noch ein einziges Thema. Jede meiner Klientinnen scheint an der gleichen Sache zu arbeiten. Etliche dieser Klientinnen, alles ausnahmslos sehr sympathische, starke und liebenswerte Frauen, die stets für andere da waren, die vielen Menschen bei vielen Problemen geholfen haben, die darin auch wirklich effektiv und erfolgreich waren, ringen jetzt gerade darum, mehr an sich selber zu denken. Das aber fällt ihnen schwer. Obwohl ihr kluger Verstand ihnen bereits deutlich sagt, dass es wirklich „richtig“ ist, auch einmal nein zu sagen, obwohl sie genau wissen, dass es „richtig“ ist, auch etwas für sich selber zu tun, verfallen sie doch immer wieder in die alte Gewohnheit, erst an die anderen zu denken und dann an sich. Woran liegt das eigentlich?
Wenn ich diese Klientinnen beobachte, dann fällt mir eine Gemeinsamkeit zwischen all diesen Frauen auf. Unabhängig davon, in welchem Alter sie sind, sie sind alle Menschen, die aus ihrem Herzen heraus leben und nicht aus dem Kopf.
Da ist zum Beispiel die alte Dame, die schon als Kind von ihrer Mutter abgelehnt wurde. Bei jeder Gelegenheit bekam sie Prügel und heute pflegt sie ihre alte Mutter. Der Verstand würde sagen: „Warum soll ich mich um diese Frau kümmern, die mich nie geliebt und so oft geschlagen hat?“ Das Herz aber fühlt, dass es falsch ist, Gleiches mit Gleichem zu vergelten und dehnt seine Liebe selbst auf die Lieblosen aus.
Das Herz fühlt, dass Leid immer von Leid kommt, und dass es daher nicht richtig sein kann, Leid zu verursachen und kümmert sich stattdessen auch um jene, die Leid austeilen.
Darin offenbart sich eine unglaubliche Fähigkeit zu lieben. Menschen, die aus ihrem Herzen leben und nicht aus dem Kopf, tun oft Dinge, über die der Verstand nur abfällig die Schultern zucken kann, aber sie sind immer liebevoll, versuchen immer, den Ausgleich zu schaffen, Dinge in Harmonie zu bringen, das Gleichgewicht wieder herzustellen für jene Menschen, die aus dem Lot geraten sind.
In der Psychologie bezeichnet man das gelegentlich als „Helferkomplex“.
Ich aber denke, wir sollten mit der Fähigkeit zu lieben etwas respektvoller umgehen und diese Eigenschaft ruhig als eine Qualität ansehen. Außerdem nütz es ja nichts, der Sache einen psychologischen Namen zu geben. Die Betroffenen werden dadurch nicht geheilt. Es gibt einen anderen Weg, der liebevoller ist und den Bedürfnissen jener Herzmenschen mehr gerecht wird.
Herzmenschen wollen immer den Ausgleich schaffen. Schon als Kind versuchen sie, die Mutter und den Vater miteinander zu versöhnen, wenn sie sich gestritten haben. Versöhnung, Harmonisierung, Liebe als Heilmittel, das ist ihre Welt. Wenn sie versuchen sollen, diese Verhaltensweisen zu unterlassen, dann geraten sie in Depressionen oder Langeweile. Das hat seinen berechtigten Grund: Nur durch Liebe können sich diese Menschen verwirklichen.
Wer von seiner Natur her ein gebender Mensch ist, der muss auch geben dürfen. Wer von seiner Natur her ein liebender Mensch ist, der muss auch lieben dürfen.
Selbstverleugnung hat noch keinem geholfen. Sie schadet nur und tut weh. Diese Menschen besitzen ein starkes Herz. Und da liegt auch der Schlüssel.
Wenn Sie vielleicht auch zu diesen Menschen gehören, die mit einem starken Herzen geboren wurden, die immer nur für andere da waren und es schwierig finden, an sich selbst zu denken, dann hören Sie nicht auf damit, sondern gehen Sie tiefer in diese Neigung hinein. Stärken Sie Ihr Herz noch mehr. Gehen Sie so tief in die Liebe und in ihr ureigenstes Verständnis davon, dass sich Ihre Fähigkeit zu lieben auch auf Sie selbst ausdehnt. Dazu ist es immer hilfreich, sich selbst zu begegnen. Ich habe eine ähnliche Übung bereits einmal in einem anderen Artikel beschrieben, aber auch für die Stärkung unseres Herzens ist diese Übung sehr nützlich und hilfreich.
Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit, setzen Sie sich gemütlich in einen Sessel, vielleicht mit einer Tasse Kaffee oder Tee, und probieren Sie doch einmal folgendes:
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen ganz oben auf einem Berg. Sie sind eine weise Frau, Sie sehen alles. Und von diesem Berg aus betrachten Sie nun sich selbst, wie Sie da unten in der Stadt hin und her eilen, wie Sie arbeiten, wie Sie sich kümmern, wie Sie pflegen, wie Sie Menschen betreuen, ihnen zuhören, sie trösten, aufrichten, versorgen, sehen Sie sich selbst, wie Sie anderen Menschen wirklich geholfen haben. Schauen Sie sich Ihr Leben an und erlauben Sie Ihrem starken Herzen, Gefühle zu entwickeln. Das wird Ihnen ja nicht schwer fallen. Das ist Ihre Natur. Sehen Sie nur diese wundervolle, hilfreiche Frau, wie stark sie ist, wie unendlich liebevoll sie ist, wie aufrichtig bemüht um das Wohl ihrer Mitmenschen, wie viel Liebe sie entfaltet! Wie viel Kraft sie darin auslebt! Wie viel Hingabe, Herzlichkeit, Menschlichkeit, Vergebung, Aufrichtigkeit! Was für ein wunderbarer Mensch!


Können Sie das schaffen?


Gelingt es Ihnen, Liebe, Bewunderung und Anerkennung für sich selbst zu fühlen?
Nur Mut. Das ist in Ordnung. Hier geht es nicht um Selbstbeweihräucherung. Das ist auch kein beginnender Egoismus. Seien wir ehrlich: Eine Egoistin wird aus Ihnen nie. Dazu sind Sie viel zu weit von allen egoistischen Denkweisen entfernt.
Es geht darum, die wunderbare Liebe, zu der Sie stets für andere fähig waren, auch auf sich selber auszudehnen.
Wenn die Frau, die Sie hier betrachten, nicht Sie selber wären, sondern eine andere, dann würde Ihnen das leicht fallen. Dann wären Sie gleich voller Bewunderung. Aber Sie dürfen auch sich selber sehen in all Ihrer Bemühung um Menschlichkeit. Wenn Sie darauf beharren, sich selbst zu missachten, für fehlerhaft und schwach zu halten, dann sind Sie nicht wirklich liebevoll. Dann wollen Sie ungerecht sein. Versuchen Sie es ruhig gleich noch einmal.
Schauen Sie sich an, wer Sie sind. Blicken Sie nicht immer nur auf Ihre Fehler, blicken Sie auf das Beste an sich selbst und lassen Sie zu, dass Ihr starkes Herz diesen Menschen liebt.
Stärken Sie Ihr Herz auf diese Weise, denn so fließt Ihre Liebe auch einmal zu Ihnen zurück. Das wird Sie verändern, aber nicht in einer unerwünschten Weise. Sie müssen sich nicht quälen, selbst unterdrücken und verzichten. Sie können einfach mehr Sie selbst sein. Sie dehnen Ihre unermüdliche Liebe auch auf sich selber aus.
Ist Ihnen das einmal gelungen, wird es Ihnen auf einmal sehr viel leichter fallen, etwas für sich selbst zu tun, denn Sie können sich nun ebenso gut behandeln wie andere. Ihr starkes Herz wird das lieben, denn Harmonie und Ausgleich waren doch immer Ihr Bedürfnis. Und hier wird eine ausgleichende Harmonie erschaffen zwischen all der Liebe, die Sie immer für andere haben, und gesunder Liebe zu sich selbst.
Hier wartet auf Sie ein echter Entwicklungsschritt und noch dazu einer, den Sie tatsächlich gehen können. Wie oft haben Sie schon versucht, gegen sich selbst zu handeln, sich sozusagen auf Entzug zu setzen und es sich als „Medizin“ zu verordnen, mehr an sich selbst zu denken. Das ist Ihnen aber nur selten wirklich überzeugend gelungen. Immer waren andere da, deren Probleme so schwerwiegend zu sein schienen, dass Sie einfach nicht anders konnten, als auf Ihren Urlaubstag zu verzichten, oder auf das, was Sie sich für sich selbst vorgenommen hatten. Was Sie hier stets wieder von sich selbst abgehalten hat, ist Ihre ungewöhnlich starke Fähigkeit zu lieben.
Indem Sie die oben beschriebene Übung machen, können Sie diese starke Kraft auf Ihre eigene Seite ziehen. Dann wird Ihr Herz zu einem Verbündeten für Sie.
Sie werden gewiss nicht aufhören zu lieben, aber Sie werden aufhören, sich selbst aus Ihrer Liebe auszuklammern.
Ihr Beispiel wird andere inspirieren, die Ähnliches erleben. Sie können anderen sogar dadurch helfen, dass sie lernen, sich selbst zu lieben.
Nur zu! Stärken Sie Ihr Herz! Ich wünsche Ihnen recht viel Erfolg dabei.
Kim Barkmann
De Wise Frau

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