Spätere HEIRAT nicht ausgeschlossen

Ilja Michael Bosshammer
René Konopitzky
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Eine gelungene Auswanderung nach Mallorca


Ja, heute geht es uns gut und wir haben den Schritt, auszuwandern, nicht bereut. Dennoch möchten wir alle Abenteuerlustigen warnen: leicht ist es nicht, unter Spaniens Sonne beruflich Fuß zu fassen. Wir haben in den wenigen Jahren, die wir hier sind, so manche Existenz scheitern sehen und selbst einige Tiefs bewältigen müssen.
In letzter Zeit häufen sich die Medienberichte und Fernsehsendungen, die über Auswanderungen in andere Länder berichten, die Urlaubsfeeling versprechen, in denen man Sonne satt genießen kann und womöglich dicht am Meer wohnt.
Freilich, besonders junge Menschen zieht es auch in die Ferne und bevorzugt in südliche Gefilde. Da locken Abenteuer und Chancen, die man daheim im trüben Deutschland nicht immer erkennen kann.
Wer denkt schon darüber nach, dass ein Arbeitstag bei 35 Grad im Schatten ganz besonders hart ist. Wenn man denn überhaupt eine Arbeit bekommt.
Und dafür sind dann noch Sprachkenntnisse erforderlich. Neben Englisch ist auch die Landessprache gefragt.
Dazu kommen beengte und einfache Wohnverhältnisse, die den gewohnten Komfort vermissen lassen.
“Egal”, denken die Reiselustigen, Hauptsache ist doch, dem deutschen Mief zu entkommen, nicht mehr von dieser Bürokratie abhängig sein, die ihre Bürger nur kontrollieren und gängeln  möchte.
Von solchem Trugschluss aber muss man sich erst einmal überzeugen, denn wir haben nur zu schmerzhaft erfahren, wie diesbezüglich die Uhren hier ticken. Wer zum Beispiel die deutsche Bürokratie verflucht, hat die spanische noch nie erlebt.
Ehemals in behördlichen Dingen superlässig, hat diese Nation nun ein ungeheures Nachholbedürfnis in Bezug auf Vorschriften und versieht alle Gestattungen mit äußerst strengen, nicht immer nachvollziehbaren Auflagen. Wer einen Behördengang zu erledigen hat, nimmt sich dafür am besten einige Tage Urlaub und erlebt dann auch noch, dass keine Stelle zuständig ist und umständlich unzählige Papiere und Unterlagen erforderlich sind.
Wer es gerne einfacher und leichter hätte, bleibt also lieber daheim.
Und wer gemütlich vor sich hin arbeiten will, der kann in Spanien auch nicht glücklich werden. Vielmehr sind hier Leistungen gefragt und außergewöhnliche Einsatzbereitschaft.
Dann aber kann man hier (wie sicherlich überall auf der Welt) sein Glück machen.
Und das haben wir hier auf Mallorca gefunden.
Aber zugeben müssen wir zwei, dass uns Komissar Zu-fall auch immer wieder mal zur Hilfe kam. Uns sind gute Gelegenheiten immer dann zu-gefallen, wenn wir sie gut gebrauchen konnten.


Hier spricht Ilja:
Wie alles begann:


Auswanderung war nicht wirklich geplant. Es spukte mir zwar immer wieder im Kopf herum, mal ganz woanders zu arbeiten und ein wenig von der Welt zu erobern, aber konkrete Pläne hatte ich diesbezüglich nicht. Dies verbot sich schon deshalb, weil mein Freund und Lebenspartner solche Ambitionen gar nicht hatte und am allerliebsten in Lindau im Bodensee geblieben wäre, wo unser damaliger Lebensmittelpunkt war.
Schon 2003 aber hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach Ibiza zu ziehen, nachdem ich eine Weile in Österreich, in Israel und in anderen Gegenden Europas gearbeitet hatte.
Meine drei verschiedenen Berufsausbildungen ermöglichten, dass ich immer wieder unterschiedliche Berufsangebote erhielt.
Auch daran, dass ich mich immer weiterbildete, ist zu erkennen, dass ich in meinem Leben meinen Träumen immer ein Stückchen näher rücken wollte und konnte.
Ich war nämlich gelernter Koch, dann Mediengestalter, dann endlich konnte ich Friseur werden.
Ich erkläre diese sehr unterschiedlichen Richtungen damit, dass ich den ersten Beruf ergreifen musste, den zweiten durfte ich lernen und den heutigen wollte ich unbedingt ausüben.
Die Kochausbildung absolvierte ich meinen Eltern zuliebe, die sich eine seriöse Berufswahl für mich wünschten und auch Angst hatten, dass man als Frisör schwul würde (das gelang mir dann auch ohne diesen Beruf ...!).
Die Ausbildung zum Mediengestalter finanzierte mir das Arbeitsamt, weil ich damals die allerbesten Berufsaussichten damit hatte.
Beide Berufe habe ich mit großer Freude ausgeübt. Exzellente Ausbildungen öffneten mir überall Tür und Tor und gaben mir oft das Gefühl, dass die Welt mir offen stand.
Aber da war René ...


Endlich Frisör


Das Schicksal schreibt schon seine eigenen Geschichten. In meinem Fall hatte es wieder mal die Hand im Spiel, als ich mit zehn Freunden zusammen, in S’ Arraco, einem kleinen Ort im Südwesten Mallorcas, eine Finca für einen besonderen Urlaub mietete. Auf dieser Finca gibt es auch eine Pyramide, deren einzigartige Atmosphäre sich für Meditationen anbietet.
Eines Nachts saß ich nach einer ausgiebigen Party mit einer der Mitreisenden noch bis morgens um fünf Uhr, nicht mehr ganz nüchtern, am Pool. Dieser sympathischen Dame namens Monika, verriet ich meinen Traum, trotz meines nicht mehr so ganz taufrischen Alters (ich war ja schon dreißig), noch Frisör werden zu wollen. Zu meiner Überraschung erzählte sie mir von ihrem Salon in einem 5-Sterne-Hotel in Lindau und schlug mir vor, bei ihr, der Frisörmeisterin, ein Praktikum anzutreten.
Womit sie sicherlich nicht gerechnet hatte, war, dass ich wenige Tage nach unserem Urlaub bei ihr auftauchte und sie an ihr Versprechen erinnerte.
Und genau dieses Praktikum trat ich dann an. Dabei und danach stand für mich bombensicher fest, dass ich hier meine Bestimmung gefunden hatte. Ich wollte Frisör werden.
Nur – Monika hatte schon zwei Lehrlinge und ein dritter war einfach nicht finanzierbar.
Ich aber war schon infiziert. Ich wollte diese Lehre unbedingt und überredete Monika, mich dennoch einzustellen. Ich finanzierte mir also die Lehrzeit selbst. Und das war gar nicht so einfach. Schmalhans war in dieser Zeit öfter mal zu Gast bei mir.
Und die Lehre fiel mir „fertigem Menschen“ so leicht auch nicht. Das bezog sich auf die fehlende Fingerfertigkeit, die einem ganz jungen Lehrling noch ganz leicht fällt, bis zu dem widerspruchslosen Akzeptieren von Vorgaben. Auch in der Berufsschule übte ich mich öfter im Mundhalten, wenn Lehrer, die jünger waren als ich, mir die Richtung weisen wollten.
Dafür setze ich es durch, dass ich die Prüfung schon nach nur 21 Lehrmonaten absolvieren konnte.


Ein verlockendes Angebot


Während meiner Lehrzeit machte ich einen „sparsamen Urlaub“ mit meinem René. Wir wohnten in Andratx, im Südwesten Mallorcas bei einer Freundin, einer Gärtnerin. Sie machte mich in dieser Zeit darauf aufmerksam, dass Udo Walz, der bekannte Prominenten-Coiffeur für seinen neuen Salon an der Costa d´en Blanes gerade einen Mitarbeiter suchte.
Das konnte doch für mich nicht in Betracht kommen. Ich war ja noch nicht einmal fertiger Frisör. Aber Andrea meinte lakonisch, wenn ich es nicht versuchen würde, könnte ich meine Möglichkeiten nie herausfinden.
Ich sollte mich bei Udo Walz bewerben? Ich war doch noch Lehrling ...!
Aber Andrea ließ nicht nach. Was würde mir schon passieren können, außer mir eine Absage einzuhandeln. Und das sei ja nun wirklich nicht ehrenrührig.
 So nahm ich also mein Scherensortiment, das ich immer bei mir führe und sprach in besagtem Salon Udo Walz vor. Ich muss wohl überzeugt haben, denn ich wurde zu einem Probe-Arbeits-Tag eingeladen. Danach erhielt ich doch tatsächlich das Angebot zu einer Festanstellung, die ich jedoch bereits am 1. Juni, also zu Beginn der Hauptsaison hätte antreten sollen.
Ich fühlte mich wie im siebten Himmel. Aber wie gesagt, ich war ja noch Lehrling, denn am 15. Juli erst war der Termin für meine Gesellenprüfung. Dennoch sprang ich ins kalte Wasser und nahm einfach an.
Schließlich gehört die Welt den Mutigen!
Ich reiste also heim, erledigte innerhalb von zwei Wochen meine Angelegenheiten in Deutschland, klärte meine Situation mit meiner Chefin Monika, die mir zu der riesigen Chance gratulierte und mich auch hierbei voll unterstützte. Ich düste rasch wieder nach Mallorca, um meine Arbeit aufzunehmen. Niemand dort wusste, dass ich noch nicht einmal meine Ausbildung beendet hatte.
Zum den zwei Prüfungsterminen in Deutschland flog ich heimlich und war pünktlich zum Arbeitsbeginn wieder zurück. Niemand auf Mallorca bemerkte den Stress, den die  Prüfungen mit sich brachten. Nach Bestehen von Theorie und zwei Wochen später auch der Praxis, konnte ich es gar nicht erwarten, wieder auf meiner Trauminsel zu landen.
Der einzige Wehrmutstropfen war, dass ich meinen Liebsten zurücklassen musste, der sich mit dem Gedanken einer Auswanderung so gar nicht anfreunden mochte.
Ich aber war nun angekommen in der Welt der Schönen und der Reichen.
In der ersten Zeit kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Ich begegnete nun täglich prominenten Menschen, die ich vorher nur aus Film und Fernsehen kannte. Da tauchte zum Beispiel Reinhard Fendrich auf, ich bediente die bildhübsche Simone Thomalla, Paris Hilton kam zu uns, superreiche Scheichs waren Kunden in unserem Salon und andere bekannte Größen, die man sonst nur in den Medien sieht.
Ich erinnere mich noch an die erste Begegnung mit Dolph Lundgren, dem bekannten Schauspieler aus den Rocky-Filmen und Partner von Sylvester Stallone und das Idol meiner Jugend. Ich musste ihn wohl mit offenem Mund angesehen haben, denn er sagte zu mir: „shut jour mouth and cut my hair!“
Die Arbeit bei Udo Walz war so ganz anders, als ich das vorher gewöhnt war. Jede Frisur der Kundinnen war eine Gala-Frisur.
Hier wurde ausgiebig und lange geföhnt, damit alles gewollt natürlich aussah.
Es war für mich erst einmal eine große Umstellung, dieses verwöhnte Publikum zu bedienen. Hier gab es nicht allzu oft ein Feedback für unsere Arbeit. Ein anerkennendes Lächeln, wenn eine Frisur besonders gelungen war, gehörte eher zu den Seltenheiten. Diese Kundinnen gingen ja meistens aus Langeweile zum Frisör und setzten als  Selbstverständnis voraus, dass sie hochkarätig gestylt wurden.
Zunehmend nervte mich eine solche Haltung. Im Hinterkopf hatte ich immer meine Selbständigkeit und die sollte nicht lange auf mich warten.


Der erste und der zweite eigene Laden


Wieder war das Glück mir gewogen und  mir wurde angetragen, in einem schönen Hotel in Camp de Mar, unweit meines Lieblingsortes Andratx, einen eigenen Salon zu eröffnen. Von Anfang an war der Laden ein wirtschaftlicher Erfolg, zumal mir auch einige Kunden und Kundinnen dorthin nachfolgten.
Aber – als das Hotel umgebaut wurde und ich zwangsläufig pausieren musste, ergab es sich, dass mir direkt in Andratx, in einem Dorfhaus ein Geschäft angeboten wurde. Nun endlich war ich da, wo ich hinwollte.
Es lohnt sich, jetzt für mich, für einen Kaffee auf die Plaza zu spazieren
Da meine Kunden, zu denen unter anderem Estefania Küster und Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gehören, sich zu Terminen bei mir anmelden, kann ich auch zwischendurch mal was erledigen und genieße nun die Lebensqualität, die ich mir immer gewünscht habe.
Einziger Wehrmutstropfen: die unterschiedlichen Arbeitszeiten, die René (mit dem ich nun schon fünf Jahre zusammenlebe) und ich haben. Aber ich will ihn selber erzählen lassen.


Hier spricht René:
Ich wollte nicht auswandern


Die Pläne meines Freundes konnte und wollte ich nicht teilen. Ich arbeitete ja in Lindau sehr engagiert als Barmann, hatte dort meine Freunde und war voll zufrieden mit Job und Leben. Sehr unwillig stellte ich mich dann notgedrungen auf eine Fernbeziehung ein, als Ilja das Angebot von Udo Walz angenommen hatte.
Als es jedoch ernst wurde und mein Freund in Deutschland seine Sachen packte, setzte er mir die Pistole auf die Brust und zwang mich zur Entscheidung: entweder ich käme mit, oder es gäbe keine gemeinsame Zukunft.
Was sollte ich machen? Mit einer Träne im Knopfloch reiste ich ihm nach und hatte nicht die geringste Ahnung, was ich im fernen Mallorca, das ich ja nur aus Urlaubsbesuchen kannte, machen sollte.
Wir wohnten erst einmal bei Freundin Andrea und für mich begannen die langweiligsten Tage meines Lebens. Ich vertrieb mir die Tage damit, Hund Stephan Gassi zu führen und mich am Strand zu aalen. Ansonsten wartete ich darauf, dass Ilja heimkam, oder wenigstens Andrea, die ja auch den ganzen Tag als Gärtnerin arbeitete. Nee, wohl fühlte ich mich in dieser Zeit kein bisschen und wäre am liebsten wieder heim geflogen.


Arbeit musste her


So konnte es nicht bleiben. Immer in meinem Leben hatte ich gearbeitet, ich würde auch hier etwas finden, da war ich zuversichtlich, obwohl mir jeder weissagte, dass man dafür hier gar keine Chance sähe.
Auf der Plaza in Andratx gibt es eine schöne Pizzeria. Ich nahm allen Mut zusammen und fragte dort an, ob sie mich nicht gebrauchen könnten. Die Serviererin, an die ich meine Frage gerichtet hatte, verneinte, weil ich ja keinerlei Spanischkenntnisse hatte.
Aber ich ließ nicht locker. Eine Woche später fragte ich noch einmal nach und die Chefin, eine Deutsche, die auf Mallorca aufgewachsen ist, wollte es mit mir versuchen, denn mit Deutsch und Englisch könnte ich bei dem internationalen Publikum vielleicht auskommen.
Und so bin ich bis heute hier super glücklich und parliere inzwischen auch auf spanisch – fließend.
Die Arbeit mit Menschen liegt mir einfach und ich bin gerne flink unterwegs. So kann mir gar nicht genug Betrieb sein, ich flitze dann vergnügt von einem Tisch zum anderen.


Wohnen in Spanien


Wer deutschen Komfort gewöhnt ist, muss hier schon einige Abstriche machen. Unser erstes Haus entsprach so gar nicht unseren Vorstellungen. Aber für unsere Hunde (es waren inzwischen zwei) war es nötig, auch ein Stückchen Garten oder Hof zu haben.
Dann aber entschlossen wir uns, mit Freunden zusammen eine Luxusvilla mit Pool zu mieten. Das war eine interessante Erfahrung, die uns aber auch gezeigt hat, dass wir ein solches Ambiente nicht brauchen. So leben wir nun wieder in einem schönen, gemütlichen Dorfhaus mit spanischer Nachbarschaft, mitten in Andratx, so, wie wir uns das immer gewünscht hatten.


Hier sprechen Ilja  u n d  René:


Für immer?


Wir sind angekommen. Und wir haben wirklich keine Sekunde lang bereut, ausgewandert zu sein. Freilich, manchmal braucht man hier starke Nerven, um den spanischen Gepflogenheiten gewachsen zu sein. Das bezieht sich besonders auf den Umgang mit Behörden. Aber wir haben uns dafür auch ein wenig von dem spanischen Gemüt angeeignet und sehen alles nicht mehr so eng.
Und wenn wir dann über die schöne Plaza unseres Dorfes schauen, wissen wir, da gehören wir hin. Hier haben wir ein Stück Heimat gefunden. Für immer?
Wer weiß das schon – wir sind ja noch soooo jung!


Spätere Heirat ...


Eine Hochzeit am Strand, das können wir uns gut vorstellen. Und einige Male haben wir schon Anlauf genommen, uns zu trauen ...
Aber auch dafür ist noch Zeit, wir sind ja eben erst angekommen.


Ernste Worte zum Schluss


Ob wir zu einer Auswanderung raten? So ein Schritt will gut überlegt sein. Leben, wo andere Urlaub machen, hört sich zwar verlockend an, ist so leicht aber nicht.
Nur, wer gute berufliche Kenntnisse mitbringt und wer bereit ist, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen, kann damit rechnen, einen Job zu finden.
Die wichtigste Voraussetzung für die Erfüllung aller Pläne aber ist, dass ein Auswanderer den totalen Einsatz zu bringen bereit ist. Und das bei besagten 35 Grad im Schatten, hier die übliche Sommertemperatur.
Für uns hat sich ein Traum erfüllt. Wir leben gerne im Sommer. Und davon gibt es hier genug. Und – arbeiten können wir auch.
Nur finden wir, dass es hier deutlich mehr Spaß macht!
Ob Mallorca unsere beste Entscheidung war? Ach, wir glauben fest daran, dass es in unserem Leben noch eine ganze Reihe von besten Entscheidungen gibt.
Schau’n wir doch einfach mal!!!


Damit die beiden und wir alle schön gesund bleiben:

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vegane und vegetarische Ernährung