Gesunder Egoismus ist heilsam für Körper und Seele

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Die meisten von uns befinden sich in einer Lebenssituation, in der sie den Wunsch haben, etwas zu ändern. Jeder stellt ja wohl gelegentlich an sich selbst die Frage: „Tue ich genug für mich?“
Auch äußert man zu sich selbst oder zu anderen des öfteren den Wunsch nach mehr Aktivität. Man möchte öfter mal ins Theater gehen oder in ein Konzert. Man weiß, dass man sich eigentlich sportlich betätigen müsste. Man sollte schwimmen gehen, regelmäßig einen Gymnastikkursus besuchen, vielleicht ins Fitnesscenter gehen oder aber zumindest regelmäßig die Wanderschuhe anziehen. Auch möchte man eigentlich viel mehr für die eigene Weiterentwicklung tun: dieser Kursus würde mich interessieren oder da würde ich gerne zu einem Vortrag gehen. Auch würde ich gerne meine Fertigkeiten vervollkommnen. Wollte ich nicht schon lange einmal einen Malkursus besuchen, um die Aquarelltechniken kennen zu lernen? Oder hat mich das Töpfern nicht immer brennend interessiert?
So gäbe es unzählige Möglichkeiten, mit denen man diese Liste fortsetzen könnte. Das Problem ist nur, dass von all’ den guten Vorsätzen, die wir immer wieder haben, und von allen Wünschen, die wir anders leben als wir wollen, am Ende eines jeden Jahres nur wenig übrig geblieben ist. Meistens haben wir uns im Alltag verfangen und sind selbst durch die Routine der täglichen Verpflichtungen auf der Strecke geblieben.


Was macht das Menschsein denn aus?


Lebensqualität zu erringen!. Das ist auch so ein Reizwort, dessen Bedeutung man sich viel zu wenig klarmacht.


Schon in der Bibel steht ja:


„Aber ich sage Euch, freut Euch.“


Was aber ist mit dieser Freude gemeint? Diese bezieht sich mit Sicherheit nicht auf gelegentliches Amüsement und das Lachen, das eine komische Situation mit sich bringt.
Mit dieser Freude ist die tiefe Lebensfreude gemeint, die uns zu jeder Stunde des Tages erfüllen sollte.
Aber diese Freude, die uns das Leben wirklich  g e n i e ß e n  lässt, muss sorgfältig erarbeitet werden.
Es gibt nur sehr wenige Menschen, die von dieser großen inneren Freude erfüllt sind und diese als genetische Mitbringsel schon immer in sich tragen.
Wir anderen Sterblichen müssen einen langen Weg zurücklegen, um dieses, eigentlich für einen Menschen selbstverständliche, Lebensgefühl zu erobern.
Für Jedermann ist es eine Selbstverständlichkeit, seiner körperlichen Hygiene nachzugehen, sowie Wohnung und Auto aufs Feinste zu pflegen. Dazu ist kein Mittel zu teuer, kein Zeitaufwand zu groß.
Wie nun sieht es mit der seelischen Hygiene aus?


Die Seele bleibt oft auf der Strecke


In unserer raschen Zeit wird die Seele oft völlig vernachlässigt. Deshalb gibt es auch heute so viele einsame Bürger und deshalb sind so viele Menschen in ihren Partnerschaften so unglücklich. Alles bezieht sich heute auf die äußeren Eindrücke.
Ein Philosoph hat einmal gesagt: „Die meisten Menschen leben ein Leben in stiller Verzweiflung.“
Genauso, wie wir es von der Ernährung für den Körper her kennen, leben die Menschen in seelischer Hinsicht auch nur mit halber oder dreiviertel Kraft, weil sie die Situation bei optimaler Versorgung durch die richtige Nahrung gar nicht kennen.
Unzureichend ernährte Menschen wissen nicht, wie powervoll ein Mensch den Tag genießen kann. Genauso sieht es mit den seelischen Verkümmerungen aus. Wir konsumieren eine Unmenge von äußeren Reizen, die für unsere Seele keine wirkliche Nahrung sind.


Lassen Sie uns mal aufzählen, was der moderne Mensch in seine Lebensabläufe eingebaut hat und was seine Seele verkraften muss


Da ist zum einen der Fernseher, der uns das „Leben“ in die Wohnzimmer trägt. Das heißt, wir selbst müssen uns gar nicht mehr bemühen. Wir leben ein Leben aus zweiter Hand. So abwechslungsreich, ereignisreich und farbig, wie uns die verschiedensten Schicksale über den Fernsehschirm aufgedrängt werden, können wir unser eigenes Leben gar nicht gestalten.  Ja, wir haben sogar oft das Gefühl, dass unsere eigenen Bemühungen ja doch nur ein Abklatsch von dieser Erlebnis-Welt sein können.
Ähnlich geht es uns mit Computerspielen. Statt uns und unsere Kinder mit der Natur zu verbinden, bewegen wir uns in einer Kunstwelt, in der ganz andere Reaktionen gefragt sind, als die, die mit dem realen Leben zu tun haben.
Ein weiteres Beispiel ist unser Konsumverhalten. Wir haben uns vollkommen abgewandt vom Qualitätsdenken unserer Vorfahren. Eine Anschaffung musste früher für ein ganzes Leben halten. Es wurde dafür hin und her überlegt, ob man diesen Schrank kaufen sollte oder jenen und dazu musste lange gespart werden. Schließlich musste man ihn ein ganzes Leben lang um sich haben.
Genauso war es mit der Kleidung. Ein Wintermantel wurde oft für ganze Jahrzehnte angeschafft. Bedenke man nur mal den Ulster des Großvaters, der mit Kaffe ausgebürstet und zum Lüften nach draußen gehängt wurde. Alles wurde liebevoll gepflegt und erhalten.
Heute leben wir in einer Ex-und-hopp-Gesellschaft, in der nichts einen Wertbestand zu haben scheint. Dass die Menschen aber Sehnsucht nach den Werten haben, beweist die Vorliebe für antikes Mobiliar und antiken Hausrat.


Was ist zu tun?


Was also sollte ein jeder für sich selbst tun, damit sein Leben nicht im Sande verläuft, sondern angefüllt wird mit sinnvollen Inhalten?
Ich meine, der aller erste Schritt ist, zu einem gesunden Egoismus zu finden. Damit meinen wir nicht Egoismus im landläufigen Sinn, dass ein Mensch auf sich selbst bezogen, die Bedürfnisse des anderen nicht mehr berücksichtigt.
Gesunder Egoismus ist das Bedürfnis, in allererster Linie für sich selbst da zu sein. Das eigene Seelenleben zu kräftigen und dem Körper Aufmerksamkeit zu schenken, ihn zu achten und zu ehren.


Ich liebe mich!


Und da liegt für die meisten Menschen das Problem. Wer kann denn schon sagen, dass er sich wirklich selbst liebt? Dass er überzeugt ist von der Einzigartigkeit seiner Person. Mache man sich doch einmal bewusst, dass kein einziger Regentropfen auf der Welt dem anderen gleicht. Genauso ist es aber mit jedem Geschöpf auf der Welt, ganz besonders mit dem Menschen.
Es ist doch ein wirkliches Wunder, dass das Äußere eines Menschen niemals dem Äußeren eines anderen Menschen gleicht. Ebenso ist es mit seinem Charakter, seinen Bedürfnissen, seinem Wesen, ja seinem gesamten Schicksal.


Die Sicht der Dinge zählt


Seiner Einzigartigkeit muss man sich einmal bewusst werden und ihr Aufmerksamkeit schenken. Genau in dieser „Ausgabe“, in der wir hier auf der Welt sind, haben wir unser Schicksal zu lösen.
Unser Schicksal besteht aus Aufgaben, die wir gestellt bekommen und die zu bewältigen sind.
Es liegt nun an uns, in welcher seelischen Verfassung wir dies tun
Wir sind selbstbewusst und freuen uns auf jede Aufgabe.
Lassen wir uns niederknüppeln von jedem Problem, dass das Schicksal für uns bereithält.
Nun haben wir von allen Menschen, denen wir begegnen, sehr unterschiedliche Eindrücke. Die einen erscheinen die Gelassenheit dem Leben gegenüber gepachtet zu haben, während andere wie schwankende Grashalme im Wind wirken.


Seelische Gesundheit ist die Basis


Der berühmte Revoluzzer-Arzt Hackethal schreibt in seinem Buch „Der Meineid des Hippokrates“: „Gesundheit ist Fleiß“.
Dies bezieht sich ganz besonders auf die seelische Gesundheit, die man tatsächlich  e r a r b e i t e n  kann.
Aber genauso, wie für die körperliche Gesundheit, bedarf es auch für die seelische Seite des Einsatzes und des Fleißes. Und dabei wären wir wieder bei dem Thema Egoismus.
Wer sich keine Zeit für sich selber nimmt, bleibt seelisch im Laufe seines Lebens immer mehr auf der Strecke.
Bei unseren Vorfahren hatte das Thema „Muße“ einen hohen Stellenwert. Jeder, noch so hart Arbeitende, ist zur Feierabendzeit seinem Hobby nachgegangen. Dies wurde in aller Sorgsamkeit ausgeübt.
Erinnern wir uns nur einmal daran, wie viele herrliche Handarbeiten unsere Großmutter im Laufe ihres Lebens angefertigt hat. Sie konnte damit ihren kreativen Ambitionen Ausdruck geben, aber hatte dabei gleichzeitig das Gefühl, etwas Wertvolles geschaffen zu haben.
Bei dem Anfertigen der Handarbeiten konnte man seinen Gedanken nachgehen. Das bezeichnen wir für uns heute als einen Akt der Meditation.


Meditation gehört zum Alltag


Meditation - dieses Modewort sollte man sich von allen Seiten her betrachten.
Meditation heißt eigentlich nichts anderes, als ein Hineinhorchen in sich selbst, in aller Gelassenheit.
Wir haben nicht mehr die innere Muße, uns dieser Gelassenheit hingeben zu können. Wir müssen heute allerlei Techniken anwenden, um diese Muße wieder zu finden. Dies kann auf einem geruhsamen Spaziergang über die Felder geschehen, oder man kann sie in einem Yoga-Kursus (wieder-) finden.
Ganz besonders aber kann man dieses Gefühl der Muße erreichen, wenn man in aller Geruhsamkeit etwas für sich selbst tut.
Sich selbst verwöhnen. Kraft für sich selbst einsetzen, das lohnt sich. Ein Lieblingsbuch lesen, einfach ziellos durch die Stadt schlendern, sich ein sündhaft teures Kleidungsstück kaufen, die Bügelwäsche liegen zu lassen und sich mit einer Freundin einfach zu einem Schwatz im Kaffeehaus treffen. Bei einer Diskussion mit Freunden sollte man einmal klären, was man alles für sich tun  kö n n t e  und was bislang immer auf der Strecke geblieben ist.


Das ist Lebensqualität


Lebensqualität ist in allererster Linie, für sich selbst da  zu sein. Der Mensch ist kein Opfertier. Für seine Familie nicht und auch nicht für andere Leute.
Es kann nicht das einzige Ziel des Lebens sein, unermüdlich dafür zu sorgen, dass es den Angehörigen an nichts mangelt. Nur wer gelernt hat, die Kräfte so zu verteilen, dass für einen selbst genügend übrig bleibt, kann der Außenwelt kraftvoll begegnen.


Die Kunst, ein Egoist zu sein


Ich will bei der Gelegenheit auf ein Buch hinweisen, das den Menschen, die sich mit Hingabe ihren Lieben aufgeopfert haben, schon oftmals ein Spiegel der Erkenntnis war. Es handelt sich hier um das Buch von Kirchner „Die Kunst, ein Egoist zu sein“.
Der Titel ist dabei völlig irreführend. Dieses Buch ist eine Aufforderung, primär für sich selbst da zu sein, wenn man es denn als lebenswert betrachtet, im Dienste seines Nächsten zu stehen. Nur dann nämlich bleibt man nicht vollends auf der Strecke.


Kirchner sagt in einem Absatz seines Buches sinngemäß:


„Angenommen ein Mensch, der sich sein Leben lang für seine Angehörigen regelrecht aufgeopfert hat, ist plötzlich kräftemäßig nicht mehr dazu in der Lage. Er braucht sich eine Weile mal ausscließlich selbst. Da müssten doch seine Lieben eigentlich zustimmen und sagen: „Natürlich, dieser Mensch war doch immer für uns da. Jetzt braucht er einmal  u n s e r e  Unterstützung. Die soll er auch haben.“ Genauso reagiert die Umwelt aber nicht. Ganz im Gegenteil. Da sagt man eher: „Ja, dieser Mensch hat doch immer alles für uns getan. Wieso braucht er sich plötzlich für sich selber?“
Riesengroße Enttäuschung kann nicht ausbleiben. Wir glauben ja nun mal alle, dass etwas zurückkommen muss, wenn wir so viel gegeben haben. Dies ist aber der Fall.
Hier sollte der Ansatz für ein Überdenken unserer Lebenssituation sein. So mancher wird feststellen, dass er viel besser im Leben klarkommt, wenn er für die Umwelt nicht mehr das ausgenutzte Opfertier ist, sondern selbstbewusst auf seine Rechte beharrt.
Auch die eigenen Kinder begegnen einem Menschen, der diesen Standpunkt liebevoll, aber konsequent vertritt, mit weitaus größerer Achtung, als wenn Eltern ewig „zu Diensten“ sind.
Niemand profitiert davon, wenn man selbst resigniert und dem Leben wenig Freude abgewinnen kann. Dahingehend wirkt jemand, der voller Lebensfreude ist, überaus anziehend auf seine Umgebung.
Unsere Maxime sollte also sein: Habe ich heute schon genug für mich getan? Was kann ich mir heute noch Liebes antun?


Die tägliche Affirmation sollte lauten:


„Ich liebe mich, ich achte mich, ich ehre mich. Ich bin eine einmalige Schöpfung Gottes. Ich bin ein Unikat. Kein Mensch auf der Welt gleicht mir. Ich bin selbstbewusst und freue mich des Lebens. Ich habe wunderbare, positive Gedanken und kann diese Freude auf meine ganze Umgebung ausstrahlen.


Jedermann sollte mit Hilfe von Selbstanwendungen seine seelische Gesundheit unterstützen:

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