Erziehungsberatung - eine Familie ist keine Demokratie

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Wie in jedem Rudel, muss es auch in jeder Familie einen Leitwolf geben. Zwar sollte jeder immer seine Meinung äußern dürfen, das letzte Wort jedoch muss der Chef oder die Chefin der Truppe haben.
Was sind wir doch so stolz auf unsere liberale Einstellung in Bezug auf die Erziehung der Kinder. Sie sollen es schließlich einmal besser haben, als wir. Wir wollen, dass sie zu selbstbewussten Menschen heranwachsen, die immer sagen dürfen, was sie wollen und völlig angstfrei diese Meinung auch vertreten.
Bei allen Entscheidungen, die in einer Familie getroffen werden müssen, haben die Kiddys selbstverständlich das Recht, ihre Einstellung dazu zu äußern – aber die Entscheidung treffen die Erziehungsberechtigten.
Und genau an diesem Punkt haben wir in der Vergangenheit wohl einiges gründlich missverstanden. Denn nicht selten haben wir das Ziel eines Erziehungsauftrags völlig aus dem Auge verloren und in immer mehr Familien laufen die Dinge dadurch mächtig aus dem Ruder.
Es geht nicht darum, es Kindern immer ganz leicht zu machen, so dass sie ausschließlich nach dem Lustprinzip leben dürfen.
Die Kindheit und die Jugend sind von der Natur dazu gedacht, dass sie eine Trainingsstrecke darstellen, damit man im Erwachsenenleben bestehen kann.
In dieser Zeit muss der Jugendliche fit gemacht werden, um dem Lebenskampf gewachsen zu ein. Wie aber soll so ein Mensch denn stark, mutig, gebildet und durchsetzungsfähig sein, wenn er das nie geübt hat.
Ein Mensch, an den keine Anforderungen gestellt werden, versagt bei der kleinsten Aufgabe und fühlt sich schnell überfordert.
Lernen aber kann man nur an Widerständen und den spürbaren Konsequenzen, die mit jedem Handeln verbunden sind.
Der Job der Eltern ist primär, die Kinder zu lieben, sie zu versorgen und ihnen als erster und wichtigster Trainingspartner zur Verfügung zu stehen.
Freilich soll und darf ein Kind unbeschwert aufwachsen, frei von finanziellen Sorgen, ohne Existenzkampf und ohne die Belastung von seelischen Bürden, die ins Erwachsenenalter gehören.


Strenge und Disziplin aber sollte kein Fremdwort bleiben


Diese dürfen selbstverständlich nichts mit körperlicher oder verbaler Gewalt zu tun haben. Vielmehr geht es um Konsequenz und Regeln, die es einzuhalten gilt und ohne die ein gutes Zusammenleben innerhalb einer Familie und auch jeder anderen Gemeinschaft nicht funktioniert.


Erziehung der Tierbabys


Ich hoffe, Sie verzeihen mir den Vergleich – Erziehung im Tierreich darf uns ruhig als lehrreiche Anschauung dienen. Vater- oder Mutter-Tier oder beide gemeinsam, werden von den Welpen dafür genutzt, ihre  Kräfte zu messen und Grenzen zu erfahren.
Schießen die Kleinen über das Ziel hinaus, werden sie zurechtgewiesen.
Sie handeln sich nach einigen Verwarnungen auch so manchen schmerzhaften Biss ein.
Solche Strenge ist bei Menschenkindern nun sicher nicht zeitgemäß, wohl aber eine konsequente Haltung, sollen Kinder es lernen, eine tragfähige Lebensorientierung bekommen.
 „Moderne, größtenteils fehlgeschlagene Erziehungsgepflogenheiten“ haben wir der 68-Bewegung zu verdanken. Antiautorität war damals angesagt, bei der Kinder tun und lassen durften, was sie wollten.
Gutes Benehmen, Lust auf Leistung, die Notwendigkeit, sich in eine Familie oder Gruppe einzuordnen, hätte die Entwicklung der jungen Menschen ja behindern können.
Es war sicherlich gut gemeint, dass sich Kinder frei entfalten durften, ohne Obrigkeiten zu fürchten, ohne Ängste und Unterdrückung, Angst vor Zurückweisung und zurechtweisender Strenge.
Leider ist damals das Thema Disziplin auf der Strecke geblieben und bis heute ein „Unwort”, wenn es um Erziehung geht.
Ich höre noch das Geschrei der Grünen, als der Leiter des Elite-Internates Salem, D. Bernhard Bueb, für Jugendliche das „Recht auf Disziplin“ einforderte.


Die liberale Erziehungsidee


Leonora K. wollte alles richtig machen in der Erziehung ihrer Kinder. Dafür sprach sie mit Erziehern, besuchte Kurse und las einschlägige Literatur.
Als alleinerziehende Mutter arbeitete sie nur halbtags, um sich engagiert um die Förderung ihrer beiden Töchter kümmern zu können. Mit diesen wollte sie ein gleichberechtigtes Familienleben führen, in dem alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden sollten.
Diese, ihre Haltung hatte auch zu vielen Kontroversen mit ihrem geschiedenen Ehemann geführt, der erfolglos Disziplin bei der Erziehung der Töchter eingefordert hatte.
Die Kinder, intelligente und lebhafte kleine Persönlichkeiten, nutzen die Rechte, die ihnen eingeräumt waren und hielten schon als Kleinkinder das Heft in der Hand. Sie waren es, die entschieden, was gegessen wurde, welche Fernsehsendungen geguckt werden durften, wann zu Bett gegangen wurde und verbaten sich schon früh jede Einmischung durch die Mutter und erst recht durch den Vater, den sie nur gelegentlich besuchten.

 

Ihr geflügeltes Wort war: „Du bist nicht mein Bestimmer!“


In den ersten Jahren war die Mutter stolz auf diese eigenständigen kleinen Wesen, die offensichtlich genau wussten, was sie wollten.
Als Teenager waren sie keinen Vorschlägen mehr zugänglich, stellten unverschämte materielle Ansprüche und reagierten aggressiv, wenn diese nicht erfüllt wurden. Der Mutter rechneten sie vor, wo diese eigene Bedürfnisse zurückzustellen hätte.
Die beiden Jugendlichen waren ihrerseits kaum zu irgendwelchen Leistungen bereit. Zur Schule gingen sie nur unregelmäßig, an einer beruflichen Zukunft schienen sie nicht interessiert zu sein. Dafür benahmen sich beide respektlos anderen Menschen, besonders der Mutter gegenüber, die sogar mit Schimpfworten bedacht wurde.
Der Vater hatte sich längst entnervt zurückgezogen.
Als besonders schmerzlich empfand es Leonie K., dass ihre beiden Kinder ihr gegenüber eine permanente Vorwurfshaltung eingenommen hatten und besonders sie, aber auch den Vater, für ihr, als sinnlos empfundenes  Leben verantwortlich machten.
Denn zufrieden waren sie mit ihrem Dasein, dass aus Rebellion, Schule schwänzen und Ausgehen bestand, keineswegs.
Sie warteten auf eine irreale Chance, die irgendwie vom Himmel fallen sollte.
Frau K. wusste sich keinen Rat und blickte bange in die Zukunft. Von ihrem geschiedenen Man fühlte sie sich im Stich gelassen. Sie hatte das Gefühl, dass er es sich zu leicht machte.
Das Schlimmste für sie war, dass sie sich tatsächlich schuldig fühlte. Sie fragte sich jeden Tag, was sie falsch gemacht haben könnte, suchte die Fehler bei sich und hatte keine Ahnung, wie sie die Situation hätte ändern können.
Das Beispiel der Familie K. ist typisch dafür, wie hilflos Eltern ihre Erziehungsaufgaben sehen und ausüben können.
Es ist dabei keineswegs so, dass ihnen Einsichten fehlen und die Absicht, etwas zu verändern.
Nur stellen sie sich die Fragen,  w  a  s  zu tun sei.
Wir müssen heute mit offenen Augen die veränderten Lebensumstände der Familien erkennen. Mit längst überholten Regeln und stereotypen Ermahnungen an die Elternpflichten ist es einfach nicht getan.
Vielmehr müssen diese Regeln der früheren Generationen überdacht, völlig renoviert und der heutigen Zeit angepasst werden. Dabei gilt es, die Möglichkeiten der Eltern in Betracht zu ziehen.
Es muss akzeptiert werden, dass ein Familienleben, wie in der guten alten Zeit, ein Auslaufmodell ist, dass es so nicht mehr geben kann.
Vorbei sind ein für allemal die Zeiten, an denen sich die Nachbarn gegenseitig besuchten, Kinder auf allen Straßen spielen und toben konnten, als die Familienmitglieder abends bei Dame und Mühle saßen oder „Mensch ärgere Dich nicht” spielten.
Stark reduziert scheint auch die Attraktivität eines guten Buches, eines spannenden Krimis zu sein, die man lesend eroberte. Letzteren wird jetzt häufig der Rang abgelaufen von rascher Unterhaltung, die sich leicht konsumieren lässt, wenn die beispielsweise  an TV und PC zu erleben ist.
So scheint es in den meisten Familien zu  viel verlangt, statt dessen das früher so begehrte Monopoly auszugraben.
Es ist also angebracht, die neuen Gepflogenheiten und Gewohnheiten auf eine Weise  in das Familienleben einzubinden, dass dennoch das Gefühl der Gemeinsamkeit nicht auf der Strecke bleibt.


Neue Familienregeln


Glücklich sein können nur Menschen, die anerkennen, was ist und nicht sinnlos gegen bestehende Fakten anzukämpfen versuchen.
Wir alle müssen einsehen, die Zeiten haben sich verändert, die Uhr kann nicht zurück gedreht werden.
Eltern schaffen es häufig nicht, die Forderungen der „modernen“ Pädagogen zu erfüllen und sich gegen den Zeitgeist zu stellen. Sie sollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und gegen die Unterhaltungsindustrie einen einsamen Kampf führen, der kaum zugewinnen ist.
Regeln aber für ein harmonisches Familienleben und die eigenen Erziehungsprinzipien muss jeder für sich selbst aufstellen und genau überlegen, was für ihn wichtig ist, welche Ziele für die einzelnen Familienmitglieder erreicht werden sollen und können, was für jeden der Beteiligten überhaupt machbar ist.


Was soll erlaubt werden?


Napoleon machte einmal folgende kluge Aussage, die haargenau auf die heutige Erziehungsproblematik zutrifft:


“Wer die Menschen ruinieren will, braucht ihnen nur alles zu erlauben!”
Überlegen Sie also, was Sie den Kindern erlauben und was Sie künftig nicht mehr hinnehmen wollen.”


Es nie zu spät dafür, zu beginnen, die eigene Position nachdrücklich zu vertreten.
Wichtig dafür ist, das die Absicht klar und unmissverständlich ausgesprochen und in ruhiger Weise eingefordert wird. Und das alles sollte, um Nachhaltigkeit zu erreichen, so oft und bei jeder Gelegenheit wiederholt werden, bis die Botschaft angekommen ist.
Damit die „Nachrichtenübermittlung” funktioniert, ist es unabdingbar, sich auch durch anfänglich heftige, vielleicht sogar ausfallende Re-Aktionen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
In ruhigem, gleichbleibend freundlichen Ton, wird die Forderung ausgesprochen, auch dann, wenn man sich manchmal durch die Art der Sprösslinge bis aufs Blut gereizt fühlt.


Konsequenz ist nicht Strafe


Die ewig Antiautoritären zucken erschreckt zusammen, wenn von Strenge und Konsequenz die Rede ist. Da hat man dann gleich den Begriff „Liebesentzug” bei der Hand und seelische Folter wird unterstellt.
Stellen wir an dieser Stelle richtig: Erziehen kommt von Zucht. Wenn in einer Gärtnerei ein Baum wachsen soll, so kann man es nicht einfach dem Schicksal überlassen, ob ein guter Baum daraus wird.
Einem Baum wird von Anfang an Halt geboten, er wird gestützt und auch gestutzt, damit er stark wird und jedem Wetter trotzen kann.
Genau das ist bei der Erziehung von jungen Menschen erforderlich. Benehmen sie sich ungebührlich, sind respektlos, versäumen ihre Pflichten und torpedieren das Zusammenleben, kann es nicht sein, dass sie mit freundlichem Verständnis, kritiklosem Verzeihen, selbstverständlichem Entgegenkommen belohnt werden. Ein Fehlverhalten muss eine Konsequenz haben, die unangenehm, zumindest unbequem ist. Macht das Kind solche Erfahrungen nicht, eckt es als Erwachsener überall an und muss in sozialer und in beruflicher Hinsicht erfolglos bleiben.
Es versteht sich, dass keine endlos lange Liste von Forderungen an die Jugendlichen gerichtet werden. Aber es gilt zu überlegen, was richtig für das Zusammenleben ist und was Kinder oder Jugendliche brauchen, um gut auf ihren Lebensweg zu kommen.


Die Liebe ist die wichtigste Motivation


Egal, wie sehr die Emotionen hochkochen und wie sehr unter Umständen gestritten wird. Kinder müssen immer sicher sein können, dass die Eltern sie lieben. Auch dann, wenn sie sich schlimm benehmen und sie sich an keine Regeln halten. Es ist hilfreich das immer wieder zu sagen, notfalls auch zu schreiben.
Konsequenz hat nichts damit zu tun, dass die Liebe geringer wird. Auch dann nicht, wenn man manchmal vor Wut platzen könnte.
Die Sprösslinge sollen auch wissen, dass es für den Erziehenden sicherlich manchmal bequemer wäre, nachzugeben, als auf Erfüllung der Regeln zu bestehen. Man erzieht nicht, um Recht zu behalten, sondern weil Eltern mehr Erfahrung haben und vor allem Verantwortung dafür tragen, dass Kinder in eine lohnende Zukunft gehen, der sie gewachsen sind.


Die Sache mit dem Mitspracherecht


Wie gesagt, die Eltern haben die Verantwortung und – das letzte Wort.
Freilich darf jeder in einer Familie seine Meinung äußern. In respektvoller Form und mit nachvollziehbaren Argumenten versehen. Wenn sich ein solcher Beitrag oder ein Wunsch realisieren lässt, ohne dass jemand dadurch benachteiligt wird, spricht nichts dagegen, wenn darüber diskutiert wird und der Wunsch Berücksichtigung findet.
Wird jedoch vom Familienoberhaupt dagegen entschieden, so sollte die Folge nicht ein endlose Debatte sein.
Für eine solche Haltung ist es selbstverständlich, dass beide Elternteile sich auf eine Linie verständigen und sich nicht gegenseitig in den Rücken fallen.


Müßiggang ist aller Laster Anfang


Was sich so altmodisch anhört, ist tatsächlich eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gelungenes Leben. Kinder und Jugendliche, die den größten Teil ihrer Zeit vertrödeln, wissen auch als Erwachsene nichts mit ihrer Zeit anzufangen, verstehen Arbeit als schlimme Zumutung und halten Pflichterfüllung für ein Schimpfwort.
Damit erübrigt sich auch das geflügelte Wort: “Ich lebe nicht um zu arbeiten, sondern ich arbeite um zu leben.”
Wer eine solche Einstellung hat, erfährt Arbeit nicht als wichtigen und beglückenden Teil seines Lebens, sondern ausschließlich als Last und Bürde.

Ein spannendes, interessantes Leben

Egal, wie anziehend die Angebote der Unterhaltungsindustrie auch immer oder zeitweise sein mögen. Es ist die Pflicht des Erziehenden, dafür zu sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen kennen lernen, womit sie sich interessant beschäftigen können. Dazu gehören Hobbys, wie Sport, lesen, musizieren, schauspielern, tanzen, handwerken. Wer selbst nicht dazu in der Lage ist, solche und andere Fertigkeiten zu vermitteln, mache sich kundig, koordiniere Termine und sorge dafür, dass diese wahr genommen werden. Es gibt unzählige Vereine, in denen Kinder bestens aufgehoben sind. Wichtig ist es, herauszufinden, was für den eigenen Sprössling passend sein könnte.
Ein sanfter Druck bei Unwilligkeit ist dann manchmal durchaus angebracht (zum Beispiel Klavierspielen üben).

Lenken und leiten

Das ist unsere Aufgabe als Erziehender. Und das ist auch möglich, wenn nur wenig Zeit für Familienleben vorhanden ist. Maßgebend ist die Intensität der miteinander verbrachten Zeit und die Konsequenz, mit der aufgestellte Regeln durchgesetzt werden.
Nur Mut – achten Sie streng auf Pflichterfüllung. Sie werden überrascht sein, wie der Respekt vor Ihnen wächst und wieviel Gewicht Ihre Worte bekommen.


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