Emotionen

 
Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Emotionale Erpressung


Mit Hilfe von Schuldzuweisungen lässt sich Macht über Angehörige ausüben.


„Bisher habe ich meine Arbeit immer gerne gemacht, auch wenn ich oft unterwegs sein muss. Ich komme gut mit den Mandanten zurecht, bloß zur Zeit ist mir alles zu viel. Eigentlich kenne ich so was gar nicht von mir, aber seit einigen Wochen schaffe ich kaum noch, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin unsicher und nervös, wenn ich was Neues übernehmen soll. Und dann ist da noch meine Mutter, die ständig etwas von mir erwartet…“
Mit diesem Stoßseufzer waren wir beim eigentlichen Problem, das Franziska einer 34-jährigen Steuergehilfin zusetzte, ihr Schlafstörungen bereitete, ihre Konzentration störte und sie unsicher und zögernd werden ließ. Ihre 65-jährige Mutter hatte vor einigen Monaten ihren dritten Partner durch einen Herzinfarkt verloren und verlangte seitdem die volle Zuwendung und Aufmerksamkeit ihrer Tochter, ohne Rücksicht auf deren eigenen Wünsche oder die beruflichen Anforderungen.
Am Anfang hatte Franziska ihrer Mutter gerne beigestanden, sie getröstet und auch alle Nachlassangelegenheiten gemeinsam mit ihr geregelt.
Aber mittlerweile litt sie darunter, dass die Mutter ihre gesamte Freizeit in Anspruch nehmen wollte, sie auch während der Arbeitszeit anrief, ihre Probleme bei ihr ablud und erwartete, dass sie mit ihr etwas unternahm.


Sobald Franziska versuchte, wieder in ihr eigenes Leben zurückzukehren, schmollte die Mutter oder machte ihr auf eine subtile Art Schuldgefühle


Wenn zum Beispiel Franziska nach einer kurzen Stippvisite wieder gehen wollte, nahm die Mutter demonstrativ ihre Herztropfen und äußerte in leidendem Ton: „Geh ruhig, ich komme schon zurecht. Aber nach allem, was ich für dich getan habe, nach dieser schweren Geburt und worauf ich alles verzichten musste, da hätte ich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erwartet, so krank wie ich bin. Vielleicht bist du mich ja bald los, wer weiß, wie lange ich noch zu leben habe.“
Voller Schuldgefühle und sehr besorgt gab Franziska nach,  litt aber sichtlich unter dieser Beeinflussung, die Psychologen emotionale Erpressung nennen.
Emotionale Erpressung ist eine  schwerwiegende Form der Manipulation, mit der in jedem Fall die eigenen Interessen durchgesetzt werden sollen.
Damit der andere nicht ablehnen kann, nimmt man ihm schon vorher jede Möglichkeit dazu oder droht  direkt oder indirekt damit, ihn zu bestrafen, wenn er nicht das tut, was man will: „Wenn du dich nicht so verhältst, wie ich es will, wirst du schuld sein an allem, was passiert und dann wirst du leiden!“


Der Erpresser fühlt sich selbst als Opfer


Emotionale Erpressung passiert am häufigsten in Paarbeziehungen und ist bei Frauen so häufig anzutreffen, wie bei Männern.
Sie kann aber auch zwischen Eltern und Kindern, zwischen Verwandten, Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen auftreten.
Derjenige, der erpresst, fühlt sich selbst als Opfer und völlig im Recht. Er oder sie glaubt, anders nicht genügend Zuwendung zu bekommen, fühlt sich ungeliebt, zu kurz gekommen oder nicht genügend gewürdigt. Das lässt man den anderen verbal (mit Worten) oder nonverbal (mit Gesten oder Schweigen) spüren, bis das Ziel erreicht ist.
Wenn zum Beispiel ein Paar heftig streitet, sie möchte im Urlaub an die See, er aber in die Berge, zieht sie sich dann möglicherweise solange schweigend in ihre Schmollecke zurück, bis ihr Mann kleinlaut einlenkt, um sie nicht zu verlieren.


Jeder emotionale Erpresser scheint die Verletzlichkeit seines Opfers sehr genau zu kennen und sein Vorgehen darauf abzustimmen


Er kann Schuldgefühle machen, an das Pflichtgefühl appellieren, ihm ständig deutlich machen, dass es Vergleichen mit anderen nicht standhalten kann, es mit eisigem Schweigen unter Druck setzen oder seine Ängste schüren, bis es nachgibt.
Genauso lenkte auch Franziska immer wieder ein, weil sie glaubte als Tochter dazu verpflichtet zu sein.


Der Preis für das ständige Nachgeben ist hoch


Das Opfer fühlt sich ausgerechnet von ihm nahestehenden Menschen überrumpelt, überlistet, beschämt und zum Schluss noch als der/die Schuldige.
Auch wenn Franziska es lange Zeit vor sich selbst verleugnete, wusste sie nach der genauen Analyse der Situation und unseren Gesprächen, dass sie in diesem Fall das Opfer war.
Sie spürte es an ihren Gefühlen: schon bei einem Telefonat mit der Mutter fühlte sie sich hilflos, ausgeliefert oder genervt.
Sie überprüfte es an ihrem Verhalten: sobald die Mutter forderte, gab Franziska nach. Damit gab sie ständig Macht ab, trat nicht für sich selbst ein und stellte ihre eigenen Bedürfnisse ständig zurück.
Sie bemerkte es an ihren Gedanken: auch in ihrer Einstellung spiegelte sich wider, dass sie glaubte, was die Mutter ihr ständig suggerierte. Sie sei egoistisch, undankbar, schuld an deren Leiden, verantwortlich dafür, dass die sich unglücklich fühlte.
Erst wenn das Opfer einer emotionalen Erpressung diese Zusammenhänge erkannt und begriffen hat, was läuft, kann es an der Situation etwas ändern.
Erst wenn es einsieht, dass jeder für seine Gefühle selbst verantwortlich ist, kann es nicht mehr erpresst werden.
Dazu muss auch das eigene Denken und Verhalten überprüft und klarer strukturiert werden, um für sich zu klären, wo muss ich in meinem eigenen Interesse Grenzen setzen, wo kann ich kompromissbereit sein oder auch mal nachgeben.


Wege aus der Opferrolle


Zunächst verordnete ich Franziska das Schüssler Salz Nr. 5 Kalium phosphoricum. Es spendet bei allen seelischen und körperlichen Erschöpfungszuständen Energie und verbessert den Schlaf. Außerdem lindert es Angst und Zaghaftigkeit und hilft dabei, notwendigen Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg zu gehen. Gemeinsam entwickelten wir darüber hinaus fünf Strategien, die jede Situation emotionaler Erpressung entschärfen können und das Opfer stärker machen:


1. Ruhigbleiben  und sich nicht unter Druck setzen lassen


Immer dann, wenn das Opfer von einer ganzen Kaskade an Vorwürfen getroffen wird oder gar ein Ultimatum gestellt wird, ist es wichtig, nicht überstürzt zu handeln, sondern Zeit zum Überlegen zu gewinnen, zum Beispiel: „Ich bin nicht bereit, jetzt eine Entscheidung zu treffen, ich muss nachdenken.“ Erst dann kann man den eigenen Standpunkt und die Konsequenzen des erwarteten Handelns  richtig einschätzen.


2. Aus der Situation heraustreten und die Manipulation erkennen


Eine kurze Denkpause und ein geistiger Schritt zurück, eröffnen eine klarere Sicht auf die Forderungen oder Drohungen eines emotionalen Erpressers. Meist spürt man auch die körperliche Reaktion, das Gefühl der Beklemmung, wenn einem das Heft aus der Hand genommen wird oder das beschämende Gefühl, nicht mehr selbst entscheiden zu dürfen. Wenn das der Fall war, brauchte  Franziska nicht mehr die „brave Tochter“ zu sein und sich kein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, sondern konnte bei ihrer Position bleiben, auch wenn es eine Ablehnung war.


3..Die gestellten Forderungen genau prüfen


Natürlich muss man jetzt nicht jedes Anliegen auf die Goldwaage legen. Es genügt, sich klar zu werden: „Werde ich mit dem, was erwartet oder verlangt wird, total vereinnahmt? Steht meine Entscheidungsfreiheit, meine Würde oder meine Selbstachtung auf dem Spiel?“
Ist das nicht der Fall oder handelt es sich um eine Lappalie, dann kann man auch Kompromisse schließen oder sich einseitig auf den anderen zubewegen.
Franziska zum Beispiel war nicht mehr bereit, jeden Abend für ihre Mutter da zu sein oder die Feuerwehr bei jedem Problem zu spielen, aber sie willigte ein, an zwei Abenden pro Woche mit ihr gemeinsam etwas zu unternehmen.


4. Defensiv kommunizieren


Bisher hatte Franziska versucht, die dauernden Vorwürfe ihrer Mutter zu entkräften oder sich zu verteidigen, allerdings ohne Erfolg.
Bei genauer Betrachtung typischer Situationen fiel ihr auf, dass sich die Mutter eher wie ein trotziges Kind verhielt, das unbedingt seinen Willen durchsetzen muss.
Wir entschieden uns deshalb für die „Methode der kaputten Schallplatte“, die eigentlich für quengelnde Kinder entwickelt wurde und bei der die Ablehnung der Wünsche ruhig und freundlich, aber konsequent wiederholt wird, wie bei einer Schallplatte mit Sprung.
Immer wenn die Mutter ihre Ziele mit der üblichen Litanei durchsetzen wollte, antwortete Franziska ruhig: „Es tut mir leid, dass dich das aufregt, aber ich kann heute nicht“ oder : „Ich kann verstehen, dass du enttäuscht bist, aber ich habe bereits etwas anderes vor.“


5. Die eigene Position gelassen und hartnäckig vertreten


Eine emotionale Erpressung ist nicht vorbei, wenn man sich einmal dagegen gewehrt und Selbstverteidigung geübt hat. Denn dafür hat sie sich für den Erpresser zu sehr gelohnt oder er hat sich daran gewöhnt, erfolgreich zu sein.
Franziska schrieb ihrer Mutter zunächst einen Brief, in dem sie das Problem aus ihrer Sicht schilderte und deutlich machte, dass sie auf weitere Manipulationsversuche nicht mehr eingehen würde.
Sie wählte die schriftliche Form, weil sie ihrer Mutter bisher noch nie direkt und offen widersprochen hatte.
Für Menschen mit einem ausgeprägten Nettigkeitssyndrom, wie Franziska es hat, ist es so leichter, die eigenen Meinung deutlich zu machen und zu vertreten.
Später lernte sie, die Mutter auch direkt zu konfrontieren, wenn diese in alte Gewohnheiten zurückfallen wollte.
Am besten klappte das mit einer lustigen oder auch nachsichtigen Bemerkung, die ihren Blutdruck nicht ansteigen ließ.
Es zahlte sich auch aus, dass sie ihrer Mutter eine Bachblütenmischung aus Chickory, Heather, Holly und Willow geschenkt hatte, die energetisch für mehr Uneigennützigkeit, weniger Egozentrik und Manipulationsversuche sorgte.
Inzwischen hat Franziska wieder Freude an ihrer Arbeit, einen ruhigeren Schlaf und eine vernünftigere Mutter-Tochter-Beziehung, wie sie mir am Telefon berichtete.
„Seitdem ich meine Mutter nicht mehr wie eine heilige Kuh behandle, verstehen wir uns viel besser.“


Es lebt sich leichter, wenn in Selbsthilfe Meridiantechniken angewandt werden:

Japanisches Heilströmen

Meridianklopfen

Meridian-energie-technik-MET.de

Vegane und vegetarische Ernährung