Alleinsein/ALL-EINS-SEIN

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Wir alle haben in uns das ganz ursprüngliche Bedürfnis danach, nicht allein zu sein. Das bezeiht sich besonders auf Partnerschaftswünsche: „... ich hätte gerne einen Menschen an meiner Seite, der nur zu mir gehört, mit dem ich übereinstimme, der ähnliche Wünsche, ähnliche Pläne hat wie ich, der ganz meinem Wesen entspricht, der ähnlich denkt wie ich, mit dem ich ganz verschmelzen kann. Er soll mir aber auch womöglich die Eltern ersetzen. Er soll allen meinen Idealen entsprechen und möglichst wenig Ecken und Kanten aufweisen. Mit ihm möchte ich dann eine Familie gründen, mir einen Freundeskreis aufbauen, der ebenfalls die grandiosen Eigenschaften meines Partners mitbringt. Alles soll immer nur eitel Freude und Sonnenschein sein.
Emotional so weicht gebettet und nach allen Seiten hin abgesichert, kann mir dann im Leben wohl kaum ein Unbill zustoßen. Ich mich sicher und geborgen fühlen, gemeinsam mit meinem Partner, meinen Kindern ein heiles und glückliches Zuhause bieten. Es versteht sich von selbst, dass alle meine anderen Familienbande ebenfalls glücklich verlaufen. Auch mit Kollegen, mit meinem Chef und allen Menschen, mit denen ich zu tun habe, verstehe ich mich sehr gut.“


Soweit also unser Ideal!


Leider stellt sich die Realität etwas anders dar. Da fühlt man sich im wirklichen Leben emotional enttäuscht, im Stich gelassen, allein, einsam, oft depressiv und empfindet das Leben insgesamt als gar nicht oder nicht ganz zufriedenstellend.


Wie aber kann es dazu kommen, dass Ideal und Wirklichkeit weit auseinanderdriftet?


Zweifelsfrei hängt dies in allererster Linie mit unserer persönlichen Erwartungshaltung zusammen. Diese resultiert überwiegend aus unserem sozialen Umfeld und ist weitgehend von Traditionen, Eitelkeiten und dem Schein, der nach außen hin gewahrt werden muss, geprägt. Das Fehlen einer partnerschaftlichen Bezugsperson neben uns wird von der Gesellschaft als Mangel registriert und von uns somit um so schmerzlicher empfunden. Schlimmer noch trifft uns das Fehlen einer sozialen Gemeinschaft. Wir benötigen die Gewissheit von Eingebettetsein in einem emotional-sozialen Rahmen. Der Zustand würde Einsamkeit vermeiden helfen.
Allensein und Einsamkeit sind elementare Grundbefindlichkeiten unseres Lebens.
Sicher, wir brauchen den Kontakt mit anderen Menschen. Ja, wir sind sogar darauf angewiesen. Wie gut oder wie schlecht wir mit dem Alleinsein allerdings auskommen, hängt weitgehend davon ab, wie wir Alleinsein erleben und was wir damit anfangen können.
Einsamkeit und Alleinsein muss daher voneinander unterschieden werden.
Das Sich-Einsam-Fühlen hat immer mit Verbindung zu einer Person, zu einem liebenden Menschen zu tun. Von der geliebten Person verlassen zu werden, trifft hart, löst Trauer aus.
Der Wunsch nach Wiederherstellung der alten Situation ist groß. Die unerfüllte Hoffnung ist dann der Nährboden für Einsamkeit. Dies insbesondere, wenn tatsächlich alle oben genannten Wünsche und Vorstellungen mit dieser Person verknüpft waren.
Alleinsein dagegen setzt ein gut gelebtes Verhältnis zum eigenen ich voraus. Alleinsein kann im wahrsten Sinne des Wortes All-Eins-Sein bedeuten.
Wirklich kreativ kann ich mein Leben nur gestalten, wenn ich mir diese Phasen des Alleinseins gönne. Nur darin kann ich meine Gedanken ordnen. Nur während des Alleinseins bin ich voll aufnahmefähig für die reiche Fülle meines Lebens. Nur dann kann ich mit allen meinen Sinnen genießen und mein Da-Sein voll zur Kenntnis nehmen.
Lernziel ist es dabei, die Verantwortung für sein Seelenheil nicht beim Du und in der Außenwelt zu suchen.
Die Quellen persönlichen Glücks sind stets Resultate eigener innerer Leistung und täglicher Arbeit daran. Gleichsam einem Garten, der ständig gepflegt sein will.
Im übrigen fühlen sich ältere Menschen oftmals weniger einsam, obwohl sie häufig allein sind. Das mag daran liegen, dass sie weitgehend zu sich selbst gefunden haben und Alleinsein durchaus als wichtigen Teil ihres Lebens betrachten können. Junge Menschen dagegen leiden weitaus eher an Einsamkeitsgefühlen, weil sie die Suche nach Intimität und das Scheitern dieser Suche am stärksten empfinden. Ursache dürfte sicherlich eine romantische, idealistische Grundhaltung sein. Da wird vom Traumpartner erwartet, dass er das absolute Glück verheißt.
Da Einsamkeit mehr in der Vorstellung des einzelnen als in seinen Umständen zu suchen ist, kann man im Alleinsein dieses Gefühl nicht begründen.
Es gibt Anzeichen dafür, dass die Begründung der Einsamkeit bereits in der Jugend angelegt wurde. In der Erinnerung einsamer Menschen waren deren Eltern gewöhnlich distanziert, fremd, nicht vertrauenswürdig. Nicht-Einsame beschrieben ihre Eltern dagegen als warmherzig und liebevoll. Das stärkste Einsamkeitsgefühl allerdings hatten die Menschen, deren Eltern sich früh haben scheiden lassen.
Es ist wichtig, die Ursache seiner Einsamkeit zu erkennen, die verschiedenen Ursachen dafür zu verstehen und die eigene Rolle dabei zu sehen. Es gilt herauszufinden, welche Faktoren von selbst beeinflusst und verändert werden können und welche nicht. Einsamkeit ist sowohl ein persönliches als auch ein soziales Phänomen.
Wichtig ist es, eine Bilanz zu ziehen, um eine Änderung der Situation zu erreichen.
- Lokalisierung – wer oder was ist schuld an meiner Einsamkeit? Wo liegt die Ursache für meine Einsamkeit? Liegt es an mir, dass ich einsam bin, oder sind äußere Umstände an meinem Gefühl beteiligt?


- Dauerstabilität – was kann ich persönlich ändern, wie lange dauert der Zustand schon an? Was kann ich unternehmen?
- Wie kann ich meine Gefühle positiv verwandeln? Welche Möglichkeiten stehen mir zur Verfügung?
- Welche Mittel habe ich zur Verfügung, um Einsamkeit zu beenden?


Es gibt Techniken zu erlernen, um aus einer Isolation wieder herauszukommen:


- Entspannung – Entspannungstraining, zum Beispiel autogenes Training, verbessert Einsamkeitsprobleme, verbessert Erschöpfungszustände, Schlafstörungen, Angst- und Unruhezustände und bietet Möglichkeit, innerhalb einer Gruppe Anschluss zu finden
- Positives Denken – kann behilflich dazu sein, Denkfehler zu berichtigen und pessimistische Wertvorstellungen aufzuarbeiten. Diesbezügliche Seminare werden allerorts angeboten
- Besseres Selbstwertgefühl – dies lässt sich durch größere Aufmerksamkeit dem eigenen Ich gegenüber aufwerten. Auch hierbei wäre Gruppenarbeit empfehlenswert
- Chance für einen Neubeginn  - die Chance hierzu gibt es zu jeder Zeit. Jeder Mensch kann aussteigen aus der selbst gewählten Einsamkeit. Überall gibt es Menschen, die genauso wie man selbst, auf Kontakt warten. Überall gibt es Möglichkeiten, sich netten Gruppen anzuschließen


Lernen, allein zu sein


Tust Du genug für Dich? Bildest Du Dich weiter? Hast Du einen Plan? Hast Du immer wieder neue Pläne, die Dich weiterbringen in Deiner Erkenntnis über die Dinge des Lebens? Nimmst Du Dir Zeit zum Überdenken von Problemen? Bist Du kreativ tätig? Hast Du ein Hobby, das Dich ganz ausfüllt? Hast Du es gelernt zu genießen?
Und vor allen Dingen: fühlst Du Dich inmitten der Natur eins mit dem All?
Auch Alleinsein kann man lernen und man kann lernen, es als höchstes Glück zu genießen.
Meditationstechniken, Entspannungstechniken, Seminare zur Persönlichkeitsbildung und Nachdenken über die Dinge des Lebens und ihre Zusammenhänge können dabei sehr behilflich sein.
Fazit: Einsamkeit kann sehr schmerzlich sein. Einsamkeit kann man beenden, wenn man die Erwartungshaltung an andere Menschen weitgehend aufgibt und das Glück tatsächlich in allererster Linie in sich selber sucht.
Enttäuschte Erwartungen sind es zumeist, die Einsamkeit begründen.
Wer lange einsam war, dem fällt es schwer, sich innerhalb von Menschengruppen glücklich zu fühlen. Man kann es üben, sich wieder unter Menschen wohl zu fühlen. Wichtig ist es, den ersten Schritt zu machen. Auch ein Weg von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.
Alleinsein dagegen ist ein erstrebenswerter Zustand, den man zu seiner inneren Bereicherung benötigt. In unserer heutigen Zeit gilt es, die Lebensformen zu überdenken. Großfamilien gibt es kaum noch und man scheut es, große Freundeskreise zu pflegen. Wir stehen vor einer wichtigen Wegkreuzung, bei der es gilt, sich über die ursprünglichen Bedürfnisse des Menschen wieder Gedanken zu machen. In der Vergangenheit ist die Gemeinsamkeit auf erschreckende Weise auf der Strecke geblieben.
Für jeden von uns gilt es, dafür Sorge zu tragen, dass der liebevolle Kontakt unter den Menschen nicht abreißt.
Sicher ist jedoch, dass solche kleinen Mühen reiche Früchte tragen werden.


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