Sonnenbrand ist nicht ungefährlich

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Ich dachte, ich hätte mich gut vorbereitet. Vier Wochen Solarium und jetzt sehen Sie sich meine Schultern und meine Arme an. Rot wie ein Krebs und es brennt fürchterlich. So wird das doch morgen Abend eine Katastrophe!“
Susanne, meine rothaarige Strandkorbnachbarin litt sichtlich. Zwar wusste sie, dass bei ihrer empfindlichen Haut zu viel Sonne gefährlich sein kann, glaubte sich aber durch die Vorbräunung auf der sicheren Seite.
Eigentlich war das auch ganz anders und so romantisch geplant gewesen. In zwei Tagen sollte sie nach langer Zeit ihren Brieffreund wieder treffen, der mal ihre erste Liebe war. Irgendwann hatte sie sich aus den Augen verloren, aber jetzt, als sie die Nachwehen ihrer Scheidung überstanden hatte, schrieben sie sich wieder.
Da das alte Feuer erneut aufzuflammen schien, wollte sie natürlich besonders gut erholt, gebräunt und attraktiv aussehen. Und jetzt dieser heftige Sonnenbrand!
Normalerweise verkraftet unsere Haut Sonnenstrahlen sehr gut, weil wir sie für die unterschiedlichsten Stoffwechselreaktionen brauchen, zum Beispiel zur Bildung von Vitamin D zur Festigung der Knochen oder zur schnelleren Abheilung von Hautverletzungen und Ausschlägen. Auch unser seelisches Befinden hängt mehr von der Sonne ab, als wir ahnen. Die meisten Menschen fühlen sich an sonnigen Tagen einfach besser und im Urlaub sowieso. Das ist so, weil die Sonnenstrahlen über die Netzhaut des Auges wichtige Informationen geben, damit die Gute-Laune-Hormone fließen können und wir Lust haben, etwas zu unternehmen.
Gesundes Sonnen, dass heißt Bräunen ohne den lästigen Sonnenbrand, ist deshalb eine rundherum positive Sache. Es stärkt die Körperabwehr gegen Krankheitserreger, stabilisiert die Stimmung und soll sogar vor dem gefürchteten Hautkrebs schützen.
Anders verhält es sich beim exzessiven „Grillen“ in der Sonne. Da verkehrt sich die heilende Wirkung der UVB-Strahlen ins Gegenteil.
Schon der berühmte Arzt Paracelsus betonte: „Die Dosis macht, dass ein Ding Gift ist.“
Und zu viel Sonne wirkt genauso auf unseren Körper. Die Abwehrkraft reduziert sich, es kann sogar zu Kreislaufbeschwerden, Fieber und Übelkeit kommen.
Am schlimmsten betroffen ist die Haut. Statt des gewünschten goldbraunen Tons, hat man Rötungen, Schwellungen, Blasen und Schmerzen.
Und selbst nach dem Abheilen, bleibt die Gefahr einer vorzeitigen Hautalterung und von Hautkrebs. Denn im Gegensatz zu uns, scheint die Haut ein Gedächtnis, wie ein Elefant zu haben.


Sonnenbrand in der Kindheit


Besonders Verbrennungen im Kindesalter oder an empfindlichen Stellen, den so genannten Sonnenplateaus (Schultern, Gesicht, Hände und Füße) können die Erbsubstanz schädigen, noch nach Jahren Reparaturprozess der Haut durcheinander bringen und so ungewolltes Wachstum fördern.
Durch die dafür verantwortlichen UV-Strahlen des Sonnenlichtes sind besonders Menschen mit heller Haut, mit blonden oder roten Haaren gefährdet.


Achtung bei Hautveränderungen


Wer im Spiegel zu viele Leber- oder Pigmentflecken entdeckt hat, sollte vorsichtig sein. Sie können ein Hinweis auf eine gestörte Melaninproduktion- oder Verteilung sein. Melanin ist der Farbstoff, der uns den ersehnten Bronzeton verleiht, wenn wir die Haut langsam an die Sonnenstrahlen gewöhnen und sie sich entsprechend verdicken kann. Eine Vorbräunung im Solarium kann das nicht leisten, weil die meisten Sonnenbänke nicht über die dafür notwendigen UVB-Strahlen verfügen.


Bei Sonnenbrand (Dermatitis solaris) gilt generell:


1. Sonne strikt meiden


Wenn das nicht möglich ist, sollten die betroffenen Stellen mit leichter Kleidung bedeckt werden, selbst wenn der Himmel bewölkt ist. Dass das nur vorübergehend sein musste, tröstete Susanne.


2. Kühlende Auflagen


Gegen das Brennen und damit sich die Haut für das bevorstehende Treffen schneller erholte, empfahl ich ein kühlendes Gel aus dem Schüssler Salz Ferrum phosphoricum, das die Entzündung auf und unter der Oberhaut bekämpft und sie wieder reparieren hilft.
Äußerlich helfen auch Beinwell-Salben, Aloe-Vera-Gel und im Notfall sogar Quark oder Joghurt-Auflagen. Bei leichten Rötungen bringt schon eine After-Sun-Lotion Erleichterung.


3. Linderung der Schmerzen


Dagegen „verordnete“ ich aus meiner Reiseapotheke die homöopathische Arznei Cantharis, das klassische Mittel bei Verbrennungen. Es lindert besonders brennende Schmerzen und intensiviert die Heilprozesse. Wer kein homöopathisches Mittel zur Hand hat, kann das Schüssler Salz Ferrum phosphoricum auch als Tablette alle dreißig Minuten einnehmen.


4. Viel trinken


Ausreichend Wasser und frische Obstsäfte tragen dazu bei, den Kreislauf zu stabilisieren und die Heilung der Haut von innen zu unterstützen.


Optimale Vorbereitung


Natürlich sind sensiblere Hauttypen wie Susanne besser beraten, sich richtig und langfristig auf die stärkere Sonnenstrahlung am Meer und im Wasser vorzubereiten. Neben dem natürlichen Sonnenbaden, helfen die B-Vitamine Niacin und Folsäure rechtzeitig, die hautschützenden Pigmente und die „Lichtschwiele“, die vorbeugende Verdickung der oberen Hautschicht, aufzubauen. Dafür sollten mindestens einen Monat vorher mehr Seefisch, Soja, Tofu, Erbsen, Linsen, Nüsse und grüne Gemüse auf dem Speisezettel stehen.
Beim Bräunen am Urlaubsort ist es wichtig, seinen Ehrgeiz etwas zu zügeln und die Bronze-Regel zu berücksichtigen:


B – Brille zum Schutz vor UV-Strahlen


Wirklich gut ist eine Sonnenbrille nur dann, wenn sie die UV-Strahlen tatsächlich ausfiltern und vor Augenfältchen schützen kann. Und wer sich als Brillenträger nicht neben dem falschen Partner im Sand niederlassen will, sollte auf die entsprechende Sehstärke achten.


R – Richtige Kleidung zum Sonnen


So chic der neue Bikini oder die Badehose auch sein mögen, ab und zu braucht die Haut etwas Abwechslung. Vor allem wenn man länger im Freien sitzt oder stehen muss, geben eine leichte Bluse, ein Hemd, ein Pareo oder ein Sonnenhut der Haut eine Verschnaufpause. Schmuck bleibt besser im Tresor oder zu Hause. Beim Schnorcheln sollte zusätzlich ein dicht gewebtes T-Shirt getragen werden, da das Wasser wie ein Brennglas wirken kann und die schädigenden Strahlen noch verstärkt.


O – Ohne Lichtschutzfaktor geht nichts


Die verschiedenen Hauttypen unterscheiden sich auch durch die Anzahl der Melanozyten. Das sind die Zellen, die das schützende Farbpigment Melanin produzieren. Hellhäutige haben davon einfach zu wenig und müssen deshalb Sonnenschutzmittel mit höherem Lichtschutzfaktor verwenden. Entscheidend ist, dass die passende Sonnenmilch oder Creme gegen UVB und UVA-Strahlen schützt und mindestens dreißig Minuten vorher aufgetragen wird. Besonders gefährdete Bereiche wie Ohrläppchen, Kniekehlen, Schultern, Hand- und Fußrücken dürfen nicht vergessen werden. Ist das Sonnenschutzmittel nicht wasserfest, muss es nach jedem Baden erneuert werden.


N – Nie in die pralle Mittagssonne


In dieser Zeit schüttet unsere Hirnanhangdrüse deutlich weniger Bräunungshormon aus. Das heißt, die Melanozyten werden kaum stimuliert. Farbpigmente zu bilden und die Haut ist voll auf Sonnenbrand programmiert. Am Vormittag und am späten Nachmittag dagegen läuft die Melaninproduktion auf vollen Touren und die Haut bräunt intensiver. Zwischen 11.00 und 15.00 Uhr kann man also getrost seine Siesta abhalten oder wenigstens im Schatten bleiben.


Z – Zuerst im Schatten akklimatisieren


Auch wenn man sich an den ersten Urlaubstagen als Bleichgesicht wie ein Fremdkörper fühlt, braucht die Haut erst ein paar Stunden Schatten und Ruhe, ehe sie gesund bräunen kann. Wer Johanniskraut-Präparate einnimmt, muss besonders vorsichtig sein, weil seine Lichtempfindlichkeit erhöht ist.


E – Extraschutz mit Antioxidantien


Ohne Antioxidantien wirken die Freien Radikalen aus der Sonnenstrahlung ungebremst und lassen die Haut vorzeitig altern. Um das abzupuffern, leeren sich unsere Vorräte an Vitamin A, C, E und an Selen sehr schnell und müssen nachgefüllt werden. Es empfiehlt sich deshalb, auf den Verzehr von viel frischem Obst, Säfte und Salate oder auch auf die Einnahme entsprechender Kapseln zu achten.
Besonders Vitamin C hilft, eine gesunde und möglichst faltenfreie Haut zu bewahren, weil es nicht nur die Bräunung, sondern auch den Kollagenaufbau maßgeblich fördert. Außerdem lassen sich damit möglicherweise die alten Sonnensünden und Schädigungen an der Erbsubstanz eindämmen.
Neu sind Sonnencremes, die schon Antioxidantien enthalten und so auch vor den altmachenden Infrarot-A-Strahlen im Sonnenlicht schützen sollen.


Gleich nach der Sonne …


Die richtige Pflege nach dem Sonnen sollte eine ebenmäßige Bräune und die schonende Regeneration der Haut gleichermaßen sichern. Gut geeignet sind After-Sun-Lotions mit Reparaturenzymen, Kapseln mit Vitamin E oder Q 10, aber auch ab und zu ein Peeling.
Das Notfallprogramm gegen Susannes Sonnenbrand schien gut gewirkt zu haben. Sie schrieb mir nur eine kurze Notiz: „Der Sonnenbrand ist vergessen, aber dafür steht mein Herz in Flammen.“
Für die nächsten Tage blieb der Nachbarstrandkorb leer und die Jalousien ihres Zimmers unten.
Ein gutes Zeichen, oder?


Zwei Sorten von Strahlen


Sonnenlicht konfrontiert die Haut mit zwei Typen ultravioletter Strahlen:
UVB-Strahlen sind hochintensive Strahlen, die in der Oberfläche der Haut aufgenommen werden. Sie können uns die begehrte Bronzetönung verleihen, aber auch den Sonnenbrand bescheren.
UVA-Strahlen sind weniger intensiv, dringen aber in die Haut ein und beeinflussen so die Hautalterung.

Ingrid Schlieske

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