Schöne und gesunde Beine

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


 „Treppensteigen macht schöne Beine, hat meine Großmutter immer behauptet. Aber das reichte nicht aus, um Krampfadern zu verhindern, denn die hatte sie schließlich auch.


Was könnte ich denn sonst noch tun?“


Frau Siegmund kam zur Beratung, weil sie sich zu Recht Sorgen machte. Sie war jetzt im 2. Schwangerschaftsmonat und erwartete aufgeregt ihr Wunschkind. Aber Mutter und Großmutter hätten in dieser Zeit solche hässlichen Krampfadern bekommen und auf so etwas wollte sie lieber verzichten. Schließlich sollte ihr Mann ihre Beine möglichst lange Zeit bewundern.
Auch wenn sich manche Frau so lange, schlanke Beine wie Frau Siegmund wünschen würde, wären viele schon zufrieden und oft auch ohne Beschwerden, wenn es nicht diese ungewollten „Tatoos“ auf den Beinen gäbe – und das trifft Frauen eben häufiger als Männer.


Das Bindegewebe ist schuld


Frauen haben von Natur aus ein dehnbareres Bindegewebe. Das hängt mit den Anforderungen einer Schwangerschaft zusammen. Viele leiden darüber hinaus noch an einer angeborenen Bindegewebs-Schwäche. Wie bei Frau Siegmund zeigt sich das in einer familiären Vorbelastung oder auch durch die so genannte „Maßliebchen-Iris“. Wenn die Iris durch eine Lupe oder in einem Vergrößerungsspiegel betrachtet wird, kann man deutlich die Umrisse von Blütenblättern erkennen, die sich um die Pupille herum gruppieren. Diese Bindegewebsschwäche ist eine der Ursachen für schwache Venenwände. Venen sind die Adern, durch die das Blut zum Herzen zurückströmt, also von den Füßen gegen die Schwerkraft nach oben. Das ist eigentlich fast unmöglich und funktioniert nur, weil wir eine Art Muskelpumpe haben, das sind feinste Muskeln in der Gefäßwand, und vor allem ist es der Wadenmuskel.
Dieser Muskel mit der unaussprechlichen Bezeichnung Gastrocnemius lauert auf der Rückseite unserer Beine nur darauf, dass wir uns bewegen wollen und dass er dann das Blut nach oben pumpen kann.
Damit das Blut nicht wieder nach unten strömt, hat die Natur gut vorgesorgt und in den Venen Klappen installiert. Diese Venenklappen funktionieren wie Segel. Wenn das Blut zurückströmen will, blähen sie sich so auf, dass der Querschnitt der Vene verschlossen wird. Sind jedoch die Venenwände  nicht kräftig genug oder die Klappen zu schwach, halten sie den Rückfluss des Blutes nicht mehr vollständig auf. Das Blut staut sich und versackt in den Venen, die immer mehr ausleiern. Es bilden sich Krampfadern (Varizen).
Was genau abläuft und wann diese krummen Adern entstehen, ist noch nicht ausreichend erforscht. Klar ist, dass die Venenklappen dadurch noch schlechter funktionieren und durch den erhöhten Druck Flüssigkeit ins umliegende Gewebe gelangt. Hartnäckige Ödeme, besonders im Knöchel- oder Schienbeinbereich, machen die ersten Beschwerden.


Andere Risiko-Faktoren


Möglicherweise gibt es auch noch andere begünstigende Faktoren bei der Entstehung von Varizen, wie hohe Blutfettwerte durch ein Zuviel an tierischen Fetten oder Dauerstress.
Auch Verklumpungen des Blutes können eine Rolle spielen. Besonders, wenn Venenwände schon porös sind, besteht immer die Gefahr, dass Gefäße platzen und Blut austritt. Vorsorglich schüttet der Organismus in solchen Fällen vermehrt einen Stoff zur Blutgerinnung aus, der normalerweise Wunden verklebt. Dieses Fibrin verbindet sich vermutlich bei Mangel an Bioflavonoiden und Vitamin C mit bereits oxidierten Fettsubstanzen im Blut. Diese kleben dann an den Innenseiten der Venen und bilden so die typischen bräunlichen, wulstigen Stellen an den Krampfadern, die wie vernarbt aussehen.
Hormonelle Umstellungen wie die Schwangerschaft können diese Problematik weiter verschlimmern, weil die Gefäße in dieser Zeit zur Versorgung des Embryos generell etwas weiter gestellt sind. Bei Einnahme der „Pille“ reagiert der Organismus ähnlich.
Andere Einflussfaktoren, wie Übergewicht oder Verstopfung treffen erfahrungsgemäß auch öfter Frauen. Der Bezug wird nicht gleich offensichtlich, aber wer sich beim Stuhlgang quälen muss, riskiert Druckbelastungen im Bauch, die den Blutrückfluss aus den Beinen blockieren können. Das hängt mit dem Pfortadersystem zusammen. Über dieses Gefäßsystem wird das Venenblut, das aus den Beinen und dem Unterleib zum Herzen fließt, vorher zur Leber gebracht und gereinigt. Erst dann strömt es zum Herzen. Hinweise auf eine Überbelastung in diesem Bereich sind Hämorrhoiden, die auch zu den Krampfadern zählen. Ballaststoffreiche Ernährungsformen, wie die Trennkost, die Kretakost u. a. sind daher nicht nur sehr gut geeignet, die Verdauung oder mögliches Übergewicht zu regulieren, sondern auch Leber und Kreislauf zu entlasten.


Varizen sind nicht nur ein kosmetisches Problem


Sie bereiten auch erhebliche Beschwerden wie unangenehmes Kribbeln oder Brennen, Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Ödeme, vor allem im Knöchel- und Schienbeinbereich. Sollte es zu Entzündungen, besonders im tiefer liegenden Venenbereich kommen, kann das auch zu bedrohlichen Situationen wie einer Thrombose führen.
Aus den oberflächlich liegenden Besenreisern (Phlebektasien) entstehen selten Krampfadern. Aber sie sind häufig der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl, endlich mehr für schöne und gesunde Beine zu tun, und dabei, so wie meine Klientin, möglichst früh mit der Prophylaxe zu beginnen.
Wenn Venen reden könnten, gäbe es auf ihrem Wunschzettel in der Kategorie
„Bloß nicht!“ vor allem:


- Langes Stehen und Sitzen
- Ständiges Übereinanderschlagen der Beine
- das Tragen von High Heels mit 10 cm-Absatz und zu enge und abschnürende Unterwäsche oder Sockenbündchen


In der Kategorie „Bitte gerne und oft!“ würde auf dem Wunschzettel der Venen stehen:
Kräftigung der Venenwände.


So stärken Sie die Venenwände


Ernährung


Das Zauberwort dafür lautet Bioflavonoide plus Vitamin C. Diese venenwirksamen Inhaltsstoffe verbergen sich besonders in der Schale von roten und blauen Früchten. Wer häufig blaue Weintrauben, rote und schwarze Johannisbeeren, Heidelbeeren, Pflaumen, Kirschen, Tomaten, Paprikaschoten u. ä. isst, sorgt dafür, dass die Venenwände wieder so abgedichtet werden, wie ein kaputter Fahrradschlauch und lange Zeit elastisch bleiben. Rutin aus Buchweizen und Extrakte aus der Rosskastanie können die Venenwände stärken, regenerieren und verjüngen. Beeren, Melonen, Kürbis und besonders Hirse und Buchweizen straffen und pflegen generell das Bindegewebe, also das was unsere Haut in Form hält. Zink aus allen Kohlsorten, Vollkornprodukte, Soja und Hühnerfleisch sorgen dafür, dass neues Gewebe aufgebaut werden kann.


Weitere Maßnahmen


Ergänzen sollte man die Ernährung für schöne und gesunde Beine durch bewährte Kneippsche Anwendungen, zum Beispiel täglich nach dem Duschen kalte Güsse auf die Waden, oder bei Unerschrockenen auch auf die Oberschenkel. Das trainiert das Zusammenziehen der Gefäßwände und kann so, bei schöner Regelmäßigkeit, Beine lange schlank und glatt halten. Bei heißem Wetter und in der Schwangerschaft werden die Venenwände mehr gedehnt. Häufige kalte Waden- und Schienbeingüsse straffen die Venen wieder und helfen frisch zu bleiben.


Entlastung der Venenklappen


Wenn man sich vorstellt, dass das venöse Blut gegen die Schwerkraft nach oben fließen muss, leuchtet ein, Liegen und Laufen sind besser als Sitzen und Stehen. Liegen ist der ideale Zustand, um die Venen-Klappen zu entlasten, deshalb schwellen bei den meisten Frauen nachts auch die Beine wieder ab. Beim so genannten Schönheitswinkel kann Frau diese Wirkung tagsüber oder nach langem Stehen nutzen und mehr für schlanke Fesseln tun. Für den Schönheitswinkel legt man sich auf den Boden oder eine Liege und stellt die Beine im schrägen Winkel an die Wand oder einen Schrank. Immer, wenn die Beine höher liegen als das Herz, werden die Venenklappen und der gesamte Kreislauf entlastet. Auch Laufen hilft den Venenklappen, weil durch die regelmäßige Bewegung die Venenmuskel-Pumpe wieder angeworfen wird und die Klappen nur noch halbe Arbeit leisten müssen.


Aktivierung der Venenmuskel-Pumpe


Auch meine Oma war sich sicher: Treppen machen schöne Beine und zwar fast von alleine. Und dieser Ratschlag der Großmütter gilt immer noch. Denn durch häufiges Treppensteigen wird der Wadenmuskel und mit ihm die feinen Muskeln in den Venenwänden gefordert. Ähnlich wirken regelmäßiges Walking, Tanzen, Aerobic, Trampolinspringen oder einfach mal wieder auf Zehenspitzen gehen. Das muss man eigentlich auch, wenn man High Heels trägt, aber genau das legt auf Dauer den Wadenmuskel lahm. Die Folge von zu hohen Absätzen sind nicht nur schmerzende Füße oder Schwellungen, sondern auch Schädigungen an den Venen. Deshalb ist es günstiger, öfter flache Schuhe zu tragen oder die Absatzhöhe tagsüber zu wechseln. Wenn man längere Zeit sitzen oder stehen muss, sind leichte Bewegungen in den Pausen besonders wichtig, damit das Blut nicht versackt und die Unterschenkel nicht unangenehm anschwellen. Wo das nicht möglich ist, sollte wenigstens der Wadenmuskel durch leichtes Auf- und Abwippen mit den Füßen immer mal wieder aktiviert werden.


Unterstützung der Fließfähigkeit des Blutes


Zu hohe Blutfettwerte bergen die Gefahr, dass sich Gerinnsel bilden und es zur Thrombose kommt. Alles, was der Reduzierung hoher Cholesterin-, Homocystein und Triglyceridwerte dient, erleichtert auch die Fließfähigkeit des Blutes. Obst, Gemüse, Blattsalate, Hülsenfrüchte und Kleie enthalten wichtige Inhaltsstoffe, die das gefährliche LDL senken, und ausreichend Ballaststoffe, die Fett aus dem Körper ausschleusen können. Wer seine Ernährung darauf einstellt, seinen Körper regelmäßig bewegt und mit Freude entspannt, bringt damit auch sein Blut auf gesunde Art in Wallung und fördert die Durchblutung.
Fibrinabbauende Enzyme zum Beispiel aus Knoblauch, Zwiebeln und Ingwer tragen dazu bei, das Blut flüssiger zu machen. Auch ein Ananas-Tag bekommt eine völlig neue Dimension, wenn Frau weiß, dass die Bromelaine aus der Ananas die unschönen Verdickungen in den Varizen lockern und auf lange Sicht reduzieren können. Zusätzlich eingenommenes Vitamin E, Omega 3-Fettsäuren und Vitamin C sorgen als Antioxidantien für weniger Verklebungen und Verklumpungen und damit für einen guten Blutfluss.


Extra-Tipps


Ergänzend zum „Rezept für schöne und gesunde Beine“ verordnete ich noch die Schüßler-Salze Calcium fluoratum und Silicea, die abwechselnd eingenommen, das Bindegewebe straffen und Varizen sowie Schwangerschaftsstreifen vorbeugen helfen.
Da sich Frau Siegmund durch ihren Mann bereits mit der Trennkost angefreundet hatte, brauchte ich keine zusätzlichen Hinweise zu einer venenfreundlichen Kostform zu geben.
Aber etwas lag ihr noch am Herzen: „Bisher habe ich immer kräftige Bürstenmassagen gegen Cellulite gemacht. Das ist ja wohl nicht das Richtige für die Venen?“ Mit dieser Schwierigkeit sind sicher auch andere Frauen konfrontiert.
Vieles, was zur Venengesundheit beiträgt, ist auch gut gegen Orangenhaut, aber leider nicht immer umgekehrt.
Kräftiges Reiben oder intensive Massagen sind bei gesunden Venen kein Problem, wären aber bei vorgeschädigten Venen äußerst fatal und auch bei entsprechender Veranlagung nicht ratsam.


Unterschiedliche Bindegewebe


Cellulite hat zwar auch mit dem Bindegewebe, aber mehr noch mit dem berühmten kleinen Unterschied zu tun. Manchmal ist die Natur schon ungerecht. Sie hat dafür gesorgt, dass die Fettzellen bei Frauen anders aufgebaut sind als bei Männern. Beim Mann haben sie eine scherengitterartige Form, das macht sie wesentlich stabiler und männliche Oberschenkel fast cellulitefrei. Frauen haben nicht nur eine dünnere Oberhaut, ihre Fettzellen an den Oberschenkeln stehen aufrecht und haben außerdem noch dehnbare Trennwände. Wenn Frauen also an der gleichen Stelle Fett ansetzen, können sich diese Zellen zu einer langen, bolzenartigen Form ausbilden, die gegen die dünnere Oberhaut stößt und sie ausbeult. Verschärft wird das Ganze, wenn Frauen ein ständiges Auf- und Ab auf der Waage produzieren.
Frau Siegmund empfahl ich daher, in der Schwangerschaft von der Menge her nicht unbedingt für zwei zu essen, lange Spaziergänge zu machen und möglichst viele Treppen zu steigen. Zusätzlich gab ich ihr noch einen besonderen Tipp:
Italienische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Cellulite zu einer bestimmten Tageszeit am wirksamsten verhindert oder bekämpft werden kann. Wer jeden Tag 20 sehr langsame Kniebeugen macht, und zwar in der Zeit zwischen 17.00 und 19.00 Uhr, veranlasst seine Muskeln die Enzyme zu produzieren, die Fetteinlagerungen in den Oberschenkeln stoppen oder abbauen können. Jeweils nach 5 Kniebeugen wird kurz pausiert, aber nicht länger als 10 Atemzüge, auch wenn es schwer fällt.
Inzwischen ist das Wunschkind ohne größere Probleme angekommen und auch der zweite Wunsch von Frau Siegmund, nämlich schöne, schlanke Beine zu behalten, scheint in Erfüllung zu gehen. Jedenfalls wird auch nach der Schwangerschaft daran noch immer intensiv gearbeitet.

Ingrid Schlieske

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