Reizblase

Reizblase
Was wirklich helfen kann

 

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin

Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Anfangs dachte ich, es wäre wieder eine Blasenentzündung, weil ich dauernd zur Toilette muss. Aber unsere Hausärztin hat das ausge-schlossen, ich soll mich mehr ent-spannen. Wie soll das denn gehen, wenn ich dauernd rennen muss? Letzte Woche im Theater habe ich Höllenqualen ausgestanden. Schon die Vorstellung, dass ich zwei Stun-den nicht raus kann, bringt mich dazu, ununterbrochen an meine Blase zu denken. Was mache ich, wenn sie überläuft? Eigentlich bin ich immer nur damit beschäftigt. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, dann nie ohne Liste der er-reichbaren Toiletten, das ist doch krankhaft.“
 Im Gespräch ergab sich, wann diese Symptome bei  Katrin, einer  Recht-anwaltsgehilfin, eingesetzt hatten. Nachdem sie zwei Jahre arbeitslos war, bekam sie „trotz ihrer 44 Jahre“ eine neue Chance in einer großen Kanzlei für Wirtschaftsrecht.
Allerdings herrschte dort ein starker Leistungsdruck, dem sie sich nicht immer gewachsen fühlte. Sie war häufig angespannt und gereizt, schlief schlecht und dazu kam noch dieser unerträgliche Harndrang, ein typi-sches Zeichen für Reizblase.

Die Reizblase oder hyperaktive Blase lässt sich im Labor oder im Ultra-schall kaum nachweisen. Man kann also nicht genau sagen, wo im Körper etwas schief läuft oder welche Infor-mationen fehlerhaft ankommen.
Fakt ist, dass im Gehirn der Befehl zur Blasenent-leerung ausgelöst wird, obwohl diese gar nicht voll ist.
Dennoch zieht sich die Blasenmusku-latur zusammen und das ist oft nicht nur lästig, sondern  auch schmerzhaft. Typisch sind auch geringe Harnmen-gen pro Toilettengang und häufiges nächtliches Wasserlassen.
Nicht nur Arbeitskonzentration und Lebensqualität werden so durch den ständigen Harndrang eingeschränkt, sondern auch die Schlafintensität. Manchmal tritt der Harndrang sogar so plötzlich und überfallartig auf, dass man die nächste Toilette nur mit letzter Kraft erreicht.
Frauen leiden weit häufiger unter einer Reizblase, denn sie sind von der Vielzahl der Ursachen wesent-lich öfter betroffen als Männer.

 

Die Gründe für das „gereizte Organ“
Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren


Sie können das Bindegewebe  wei-cher machen und den Beckenboden so weit schwächen, dass er nur noch wie eine Hängematte aussieht. Das hat Folgen, vor allem für den Blasen-schließmuskel (Sphinkter), der damit einen wichtigen Halt verliert. Eine mögliche Senkung der Gebärmutter, die auf die Blase drückt, kann das noch verstärken.


Körperliche Veränderungen wäh-rend der Schwangerschaft und der Geburt


Besonders Narben beeinträchtigen ebenfalls die Straffheit der Becken-boden- und Blasenmuskulatur.


Häufige Blasenentzündungen


Diese können zur Folge haben, dass die Blasenschleimhaut übersensibel reagiert, einen falschen Wasserstand meldet und so den Leerungsreiz zu früh auslöst.


Nervliche Überreizung durch Stress


Das trägt auch dazu bei, die körperei-genen Alarmsysteme zu verwirren. Aus der Stressforschung ist bekannt, dass bei dauerhafter Überlastung des Organismus zuerst die schwächste Stelle ausfällt. Das ist bei vielen der Magen, bei anderen der Darm, bei manchen Menschen aber auch die Blase, die gereizt eine Auszeit an-mahnt. Erfolgt diese Entspannung nicht oder werden sogar noch angst-volle Gedanken auf den Harndrang gerichtet, dann schließt sich ein Teu-felskreis, bei dem der bloße Gedanke an die fehlende Toilette schon eine Katastrophe hervorrufen kann.
Die Reizblase ist kein Altersleiden, auch wenn das viele glauben und es als Tabuthema behandeln. Wer möchte schon Ziel des nächsten Wit-zes über schwache Blasen sein?
Damit erhöht sich aber der innere Druck zusätzlich und die Blasenprob-leme werden auch zu einer seelischen Belastung. Nicht nur die Auslöser machen das Leben schwer, man leidet auch unter panischer Angst vor der nächsten Harndrang-Attacke und ihren möglichen Folgen.


Eine Reihe von wirkungsvol-len Maßnahmen


So komplex, wie die Entstehung der Reizblase, so vielseitig und oft auch längerfristig, muss die Einflussnahme darauf sein.
Katrin verordnete ich zunächst das homöopathische Mittel Nux vomica. Es hilft, stressbedingte Beschwerden zu reduzieren und die gereizte Blase zu entkrampfen und zu beruhigen. Zusätzlich nahm sie B-Vitamine und das Schüssler Salz, Magnesium phosphoricum ein, um die Nerven zu stärken und besser entspannen zu können.
Vitamine und das Magnesium beeinflussen die Übermittlungsprobleme zwischen Gehirn und Blase sehr positiv.
Natürlich unterstützt das auch eine Ernährung, die viele dieser Wirk-stoffe enthält, z.B. mit Nüssen, Wei-zenkeimen, Naturreis, Soja, Bananen, Vollkornprodukten. Zum Knabbern zwischendurch eignen sich Kerne aus dem steirischen Ölkürbis (Cucurbita pepo) besonders gut. 2 EL pro Tag gewährleisten, dass seine Inhaltsstof-fe (Phytoöstrogene u.a.) beruhigend und stärkend, vor allem auf die weib-liche Reizblase wirken. Darüber hinaus kann man die gereizte Blase besänftigen  durch:


Ausreichend trinken


Das hört sich paradox an, weil viele Betroffene absichtlich weniger trin-ken und glauben, damit ihr Problem besser im Griff zu haben.
Leider wird damit das Gegenteil erreicht.
Da die Blase jetzt keine größeren Mengen mehr fassen muss, schrumpft die Muskelschicht in der Blasenwand zusammen und der Harndrang setzt noch früher ein.
Durch den Flüssigkeitsmangel wird der Harn jedoch stärker konzentriert und reizt die Blasenschleimhaut zusätzlich. Auch wer es bisher nicht gewohnt war, 0,35 ml pro kg Körper-gewicht zu trinken, sollte seine tägli-che Trinkmenge kontinuierlich stei-gern und so die Blasenmuskulatur stärken.
Die Trinkmenge reicht dann aus, wenn der Urin eine blass- bis gold-gelbe Farbe hat.
Zum Trinken eignen sich am besten Wasser oder Kräutertees, die gleich-zeitig entkrampfend und heilend auf die Harnorgane wirken, wie Acker-schachtelhalm, Bärentraube, Hage-butte, Heidekraut, Goldrute u.a.. Die Inhaltsstoffe der Goldrute (Solidago virgaurea) wirken noch schneller, wenn man sie als hochdosierte Brau-setablette aus der Apotheke nutzt. Dann lindern sie den Harndrang und trainieren auch die Blase, was in Studien nachgewiesen wurde.


Stärkung des Beckenbodens und des Blasenschließmuskels


Ein gutes Beckenbodentraining sollte gewährleisten, dass auch die tiefen Schichten, dieses wichtigen Muskelbandes deutlich gekräftigt werden, um den Blasenschließmuskel so zu stärken, dass er dem inneren Ansturm standhalten kann. Wer keine Trainingsmöglichkeit in seiner Nähe hat, kann sich im Internet unter:
www.urol.de einige Anregungen holen.
Bei Katrins Training setzten wir an den Anfang die bildliche Vorstellung, welche Menge eine gut trainierte Blase mit einem zuverlässigen Schließmuskel fassen kann. Das sind immerhin 500 bis 600 ml.
Es beruhigte die Klientin sichtlich, dass die Blase beim ersten Harn-drang, das passiert normalerweise bei 200 ml, noch nicht zwingend überlaufen muss.
Um ihr Ziel schneller zu erreichen, nutzte Katrin einen C.O.M.E.-Beckenbodentrainer, das ist ein spe-zieller Kegel, der so einfach zu plat-zieren ist, wie ein Tampon. Der Vor-teil dabei ist, dass ein eingebauter Indikator jederzeit Rückmeldung gibt, ob auch der richtige Muskel trainiert wird. Damit kann man die tägliche Trainingszeit auf ca. 6 Minu-ten verkürzen. Die früher angewende-te Methode, beim Wasserlassen den Strahl anzuhalten, hat sich als nicht geeignet erwiesen, weil damit nicht der gesamte Beckenboden erreicht und die Blasenmuskulatur zusätzlich irritiert wurde.


Wärme gegen die Verkrampfungen


Gerade bei einer empfindlichen Bla-se, sollte der Unterleib immer warm gehalten werden, denn Kälte reizt sie auch. Mit einer Wärmflasche, einem erhitzten Kirschkernkissen oder ei-nem feuchtwarmen Wickel, kann sich die überforderte Blasenmuskulatur leichter entspannen.


Toilettentraining


Natürlich muss die Blase auch wieder daran gewöhnt werden, länger „durchzuhalten.“ Die Zeit zwischen den Toilettengängen sollte schrittwei-se auf ca. drei Stunden verlängert werden. Deshalb sollte man nicht sofort zur Toilette stürzen, wenn Harndrang zu spüren ist, sondern etwas warten, am besten im Sitzen. Wer dabei den Oberkörper leicht nach vorne beugt und ruhig und gleichmäßig einatmet, kann erleben, wie der Drang erstaunlicherweise wieder nachlässt. Normal wäre, wenn über den Tag verteilt ca. zwei Liter getrunken werden, die Toilette nicht öfter als sechsmal aufzusuchen. Ganz Misstrauische können mit einem kleinen Messbecher kontrollieren. Liegt die ausgeschiedene Harnmenge bei 100 oder 150 ml, dann kam der Alarm zu früh.


Reizstoffe meiden


Dazu gehören Alkohol, Schwarztee, Kaffee und besonders Nikotin. Diese Reizstoffe irritieren das angeschlage-ne Nervensystem zusätzlich und gefährden einen besseren Informati-onsaustausch zwischen Gehirn und Blase.


Den psychisch bedingten Drang abschalten


Dieser Drang resultiert aus der Angst, keine Toilette zu finden, sich mögli-cherweise öffentlich zu blamieren usw.. Manche haben tatsächlich schon schlechte Erfahrungen ge-macht, andere entwickeln panische Ängste nur aus der Vorstellung her-aus, was alles passieren könnte.
Dagegen wirkt am besten, die Angst und Anspannung mit Meridianthera-pien „wegzuklopfen“. Ist der Mensch entspannter, beruhigt sich auch seine Blase.
Auch das Akupressieren des Punktes „Göttlicher Gleichmut“ (Ma 36) seitlich des Knies, verhilft zu genau dieser Einstellung.
Gegen wiederkehrende, angstvolle Gedanken, setzt man Affirmationen zur Gelassenheit ein oder konzentriert sich auf etwas anderes, z.B. Rechen-aufgaben, das stumme Rezitieren von Gedichten, einen intensiven Duft, Lesen u.ä., um das Denkmuster zu unterbrechen.
Katrin hat einige Zeit gebraucht, aber sie hat es geschafft. Sie fühlt sich insgesamt ruhiger und das bekommt auch ihrer Blase besser, wie sie mir beim Abschlussgespräch erzählte. „Ich habe meine Toilettenliste zwar immer noch dabei, wenn ich unter-wegs bin. Sie gibt mir einfach ein sicheres Gefühl, obwohl ich sie kaum noch brauche.
Letzte Woche habe ich sogar den „Urfaust“ durchgehalten. Vier Stunden, ohne Pause und ich war immer noch entspannt.“


Das kann auch hilfreich sein:

Meridianklopfen

Japanisches Heilströmen

vegetarische Ernährung