PERFEKTION kann krank machen

Elfi Sinn Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Ich bin morgens schon so müde, dass ich am liebsten gar nicht zur Arbeit gehen würde, aber das kann ich mir nicht leisten. Ich habe viel zu verantworten und ich muss voll funktionieren.
Vielleicht brauche ich irgendetwas Stärkendes, damit ich wieder voll da bin. Mein Chef verlässt sich auf mich, ich darf einfach nicht ausfallen.“


Iris, die 40-jährige Assistentin eines Direktors, fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben überfordert. Obwohl sie müde war, schlief sie schlecht, fühlte sich seltsam leer und musste sich zum ersten Mal zur Arbeit zwingen.


Bisher lebte oder besser arbeitete sie auf der Überholspur


Sie hatte sich in ihrer Versicherung vom Außendienst über verschiedene Etappen zur jetzigen verantwortungsvollen Position emporgearbeitet und ging in ihr voll auf. Sie war stets die erste und meist auch die letzte im Büro, war für ihren Chef unersetzlich und half auch ihren Kollegen, wo sie konnte.
Alles, was sie begann, schien ihr zu gelingen und es gab kaum ein Problem, mit dem sie nicht fertig wurde. Dabei war sie stets perfekt gestylt und äußerst zuverlässig.
Sie selbst aber war mit ihren Leistungen nie zufrieden und immer überzeugt, noch etwas besser zu machen zu können, nicht nur hundert, sondern hundertzehn Prozent zu geben. An diesem Drang zum Perfektionismus hatte sie sich aufgerieben, ihren Organismus völlig erschöpft und steuerte auf einen „Burnout“ zu.
Als ich ihr diese Zusammenhänge erläuterte, fiel sie aus allen Wolken. Es sei doch normal, sich ständig um die beste Leistung und perfekte Ergebnisse zu bemühen.
Das stimmt auch, denn nicht jede Absicht, gute Arbeit zu leisten und beste Resultate anzustreben, ist problematisch.
Erst das übertriebene Streben nach absoluter Perfektion kann krank machen, vor allem dann, wenn der Organismus pausenlos zu Höchstleistungen getrieben und das Gefühl der Überforderung lange Zeit übersehen wird, wenn selbst der kleinste Fehler nicht toleriert werden kann und Misserfolge gleich zu Katastrophen erklärt werden.
Bei den Perfektionisten unterscheidet die psychologische Forschung zwischen zwei Typen:


1. Die introvertierten Perfektionisten


Sie sind der festen Überzeugung, nicht genügend zu können oder zu leisten. Obwohl andere sie für erfolgreich halten und ihre Arbeit auch anerkannt wird, glauben sie tief in ihrem Inneren, dass sie einen Makel hätten, dumm, ungeschickt oder auch unerwünscht wären.
Ihre größte Sorge ist es, Fehler zu machen und/oder bloßgestellt zu werden. Deshalb versuchen sie ihre angebliche Inkompetenz hinter harter Arbeit zu verbergen, machen für ein fehlerloses Ergebnis lieber alles dreimal, aber immer mit der Angst im Nacken, irgendjemand könne dahinter kommen, wie schlecht sie wirklich seien.


2. Die extrovertierten Perfektionisten


Sie sind eher frustriert darüber, wie nachlässig andere ihre Aufgaben erledigen, egal ob im Job oder in der Familie.
Sie sind überzeugt, andere würden nie den gleichen Einsatz bringen, wie sie selbst und natürlich würden sie deren Arbeit sowieso besser machen. Wer aber von sich und anderen dauerhaft zu viel fordert, kann bald nicht mehr die volle Leistung bringen. Andere ziehen mit geringerem Kraftaufwand vorbei, was einen Perfektionisten noch härter und verbissener arbeiten lässt.
Dabei bleiben Kreativität, geistige Lockerheit und Arbeitsfreude auf der Strecke.
Bei den meisten Menschen mischen sich diese Züge und bei Iris handelte es sich um eine ausgeprägte introvertierte Perfektionistin.
Woher dieser Drang,  alles  hundertprozentig richtig zu machen und die Furcht kommt, sonst zu versagen oder sich zu blamieren, lässt sich nicht genau bestimmen, da mehrere Ursachen zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken können.


Leistungsorientiertes Elternhaus


Perfektionisten kommen fast immer aus einer Familie, in der hohe Leistungsstandards und Leistungserwartungen die Regel waren. Das ist an sich noch kein Problem, sondern kann durchaus auf eine gesunde Art leistungsfördernd sein.
Wenn aber ein Kind beim geringsten Unterschreiten der elterlichen Erwartungen mit emotionaler Kälte und mit demütigenden Abwertungen bestraft wird, dann steigt seine Anfälligkeit für diese psychische Störung.
Das Kind hat gelernt, dass es selbst nicht genügt, dass es selbst nicht liebenswert ist. Nur Erfolg bringt ihm die ersehnte Zuwendung, Misserfolg lässt es alles verlieren.
Also muss es mehr tun, um Misserfolge zu vermeiden. Sein Selbstwertgefühl wird davon dauerhaft bestimmt, auch später als Erwachsener.


Druck von außen


Ist der Erfolgsdruck in einem Unternehmen groß, steigen auch die Erwartungen an die Mitarbeiter. Alles muss sofort gemacht werden, schneller erledigt oder immer wesentlich besser sein.
Angst um den Arbeitsplatz und schärfere Konkurrenz um begehrte Aufträge verstärken noch die psychische Belastung.
Kurzfristig kann mit Hilfe der richtigen Stresshormone Topleistung gebracht werden, bei Dauerstress aber gleicht unsere Leistungsfähigkeit, der eines heiß gelaufenen Motors. Nichts geht mehr.
Wo nur Perfektion und Fehlerfreiheit erwartet wird, sinkt leider auch der Drang zum Ausprobieren und Experimentieren. Das kann sich sehr zum Nachteil des Unternehmens erweisen, denn der Mensch lernt nur durch Versuch und Irrtum.
Die größten Erfindungen wären uns entgangen, wenn sich Menschen nicht getraut hätten, auch Fehler zu machen und daraus zu lernen. Und wie Nobelpreisträger Niels Bohr betonte, ist jemand erst dann ein Experte, „wenn er auf einem eng begrenzten Feld alle nur denkbaren Fehler gemacht hat“.


Genetische Anlagen


Wenn Kinder perfektionistischer Eltern später gleiche Neigungen zeigen, kann das neben der Erziehung auch an den Genen liegen. Aus der Blutgruppenforschung ist bekannt, dass Menschen mit der Blutgruppe Null oft stärker als andere bestrebt sind, beste Leistungen zu erbringen und an der Spitze zu stehen.


Andere psychische Störungen


Ess- oder Zwangsstörungen können auch mit übertriebenem Perfektionsstreben einhergehen. Menschen mit einer anankastischen Persönlichkeitsstörung verzweifeln zum Beispiel oft an ihrem Zwang, alles perfekt machen zu müssen, weil sie sich zu viel vornehmen, keine Prioritäten setzen können und dabei den Überblick verlieren.
Für Iris, die alles getan hätte, um möglichst schnell wieder leistungsfähig zu sein, stellten wir einen Aktivitätenplan zusammen, der ihr aus dem momentanen körperlichen und geistigen Tief half, aber auch ihre grundsätzlichen Einstellungen veränderte:


1. Adaptogene


Adaptogene sind Mittel, die den Organismus widerstandsfähiger machen und ihn so in die Lage versetzen, besser mit Belastungen umzugehen. Für Iris wählte ich Rosenwurz (Rhodiola rosea), eine Wurzel, die von Alters her für neue Kraft und mehr Zähigkeit genutzt wurde. Um noch eine größere Stressresistenz zu erreichen, sind die Inhaltsstoffe mit Magnesium, Vitamin E, Vitamin B6, B12 und Folsäure in einer Kapsel kombiniert.


2. Bachblüten


Sie besitzen die wunderbare Fähigkeit, gerade bei psychosomatischen Beschwerden zu wirken. Gegen die tiefgreifende Erschöpfung verordnete ich zunächst Olive, was immer dann hilft, wenn man sich ausgelaugt und am Ende seiner Kraft fühlt. Anschließend nutzten wir eine Mischung aus Oak, Gentian und Larch, um den Abbau von Selbstzweifeln, Versagensängsten und Frustration zu unterstützen und die eigenen Leistungsgrenzen zu akzeptieren. Bei extrovertierten Perfektionisten empfehlen sich eher Impatiens, Chickory oder Willow.


3. Glaubenssätze verändern


Bei Iris waren es die Denkmuster aus der Kindheit, die sie dazu brachten, die Arbeit von anderen auch noch zu übernehmen, zum Beispiel: „wenn ich viel leiste, werde ich dafür belohnt oder anerkannt“.
Schon im Gespräch wurde ihr klar, dass es oft nicht so war. Manche Kollegen, denen sie so bereitwillig half, zeigten keinerlei Dankbarkeit oder auch nur die Absicht, sich dafür zu revanchieren.
Mit Hilfe der Mentalfeldtechnik löschten wir falsche Glaubenssätze und programmierten neue, die ihr Selbstwertgefühl stärkten und sie in die Lage versetzten, auch mal Nein zu sagen.


4. Leistungsmaßstäbe neu definieren und Prioritäten setzen


Vermutlich war es die schwerste Aufgabe für Iris, ihre eigenen, sehr hoch gesetzten Erwartungen an sich selbst und ihre Arbeitsleistung etwas zu rückzuschrauben.
Erst als ihr Chef ihr bestätigte, dass er manches von dem, das sie für unverzichtbar hielt, gar nicht von ihr erwartete, entspannte sich die Lage. Danach konnte sie schon leichter unterscheiden, wo Hervorragendes gebraucht wird und wo auch normale Leistung genügt.
Überzeugt hat sie auch das Pareto-Gesetz, nach dem statistisch gesehen, zwanzig Prozent des Aufwandes schon achtzig Prozent der Ergebnisse hervorbringen. Wenn sich Iris auf diese wichtigen Aktivitäten konzentriert und den Rest delegiert und kontrolliert, kommt sie wesentlich effektiver und gelassener zu vorzüglichen Resultaten.


5. Mehr Spaß und Freude


Beides unterbricht auch unterschwellige Stressbelastungen äußerst wirkungsvoll und sichert dem Organismus die willkommene Erholung.
Da Iris alleine und bisher nur für ihre Arbeit lebte, fehlte ihr natürlich ein anregender Freundeskreis. Deshalb setzte ich zunächst auf ihr Wii-fit-Board, (hier bitte eine kurze Erklärung für unsere Leser, um was es sich handelt) auf dem sie bisher gegen sich selbst und um die perfekte Figur kämpfte.


Wii-fit-Board


Das Wii-fit-Board ist so etwas, wie ein Mini-Fitness-Studie für zu Hause. Man absolviert seine Übungen, zum Beispiel zur Figurformung, zur Muskelkräftigung, zur Fettverbrennung oder zur besseren Balance auf einem Board und kann sowohl die Haltung als auch die Ergebnisse auf dem Bildschirm verfolgen. Gute Leistungen werden sofort anerkannt, Fehler humorvoll kommentiert.
Ein Zusatzprogramm, das Schneeballschlachten, Skispringen  oder Stepptanzen ermöglicht, half ihr zum ersten Mal, über eigenes Missgeschick zu lachen. Inzwischen besucht sie sogar eine Halle, in der gemeinsam mit dieser Technik gespielt oder Fitness gemacht wird. Das lässt Spannungen abbauen und den Tag fröhlich beenden. Inzwischen fühlt sie sich körperlich wesentlich besser und auch psychisch entspannter:
„Ich hätte nie gedacht, dass ich so tatsächlich mehr erreiche, obwohl  ich nicht mehr Superfrau sein muss.“


Burnout-Syndrom (engl. (to) burn out: „ausbrennen“)


Das ist ein Zustand ausgesprochener geistiger und emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Er ist der Endzustand einer Entwicklung, die mit idealistischer Begeisterung und dem Bemühen um absolute Perfektion beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie und letztendlich  zu psychosomatischen Erkrankungen führt.


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