Haare gehen aus!

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Jeden Morgen ist die Bürste voller Haare und ich habe Angst, dass das so weiter geht. Als ob ich nicht genügend Probleme hätte. Ich traue mich kaum noch zu einem Vorstellungsgespräch, wer nimmt denn eine Empfangsdame mit beginnender Halbglatze?“
Julia, eine 38-jährige Hotelkauffrau, machte sich wegen ihres Haarausfalles große Sorgen, schien aber auch sonst ziemlich mutlos. Vor drei Monaten war das Hotel, in dem sie lange Zeit am Empfang gearbeitet hatte, von einer Firmengruppe übernommen und der Stammbelegschaft gekündigt worden.
Mit ihrer guten Ausbildung, ihren sprachlichen Fähigkeiten und ihren Erfahrungen, glaubte Julia, eigentlich schnell wieder eine ähnliche Stelle zu finden. Doch jede Bewerbung endete mit einer Absage oder sie bekam überhaupt keine Antwort.
Verständlicher Weise machte sie sich deshalb immer größere Sorgen, denn als Alleinerziehende hatte sie auch noch für ihren halbwüchsigen Sohn zu sorgen.
Als sie sich sowieso schon ganz unten fühlte, kam noch der Haarausfall, der ihr Befinden weiter verschlimmerte, hinzu.
Bis jetzt hatte sie das Dilemma ganz gut unter ihrer strengen Hochfrisur verbergen können, das ging nun gar nicht mehr. Aber das verunsicherte sie zusätzlich, weil ein gepflegtes Äußeres bisher zu ihren Pluspunkten gehörte.
Wahrscheinlich ist jede Frau alarmiert, wenn sie in Kamm oder Bürste mehr Haare als sonst findet.
Im Frühling kann so etwas häufig auftreten und hat dann ganz natürliche Ursachen, nämlich wichtige Erneuerungsprozesse.
Auch Tiere werfen in dieser Zeit ihr Winterfell ab und bekommen neue, glänzende Haare.
Erst wenn, wie bei Julia, täglich mehr als hundert Haare verloren gehen, spricht man medizinisch von Haarausfall.
Die häufigsten Arten sind der erblich bedingte hormonelle Haarhaushalt (Alopecia androgenetica), der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) und der diffuse Haarausfall (Alopecia diffusa). Bei Julia handelte es sich um die letztere Form, bei der das Kopfhaar allmählich ausdünnt.


Das Haar – reißfeste Fäden


Biologisch gesehen sind unsere Haare Fäden aus Horn, die aus der Unterhaut heraus wachsen. Jedes Haar steckt in einer taschenförmigen Röhre, dem Haarfollikel. Für das gesunde Wachstum sind ausschließlich die Haarwurzel  oder –zwiebel entscheidend. Ist die Lage dort in Ordnung, entstehen durch Zellteilung alle 24 Stunden neue Haarzellen, die die alten nach oben schieben. Erst im Haarschaft, knapp unter der Hautoberfläche, erfolgt die Verhornung, das heißt, die Haarzellen werden in das reißfeste Keratin umgewandelt.
Unser Haar ist immer ein feines Barometer für den Gesamtzustand seines Menschen. Es kann von außen gepflegt werden. Ob es aber voll und kräftig nachwächst, lange seine Farbe behält oder verführerisch glänzt, entscheidet sich in unserem Inneren.


Die Ursachen des Haarausfalls


Die Ursachen und Einflussfaktoren für den diffusen Haarausfall sind sehr individuell und vielfältig. Zum Beispiel können schwere Infektionen und chronische Krankheiten, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Darmpilze und auch Nebenwirkungen von Medikamenten wie Antikoagulantien, Antidepressiva, Antibiotika, Rheumamitteln, Zytostatika bei Chemotherapien und ähnliche Einwirkungen die Auslöser sein. Häufiger jedoch und bei Julia mehr zutreffend, geht es um:


- Stress
- Mangelerscheinungen durch falsche Ernährung oder einseitige Diäten
- Hormonschwankungen und Umstellungen, zum Beispiel nach der Geburt, dem Absetzen der Pille oder mit Beginn des Klimakteriums


Hormonelle Schwankungen


Da Julia seit längerem unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS) im wahrsten Sinne des Wortes litt, war sie über ihre Hormonstörung bereits informiert. Allerdings war ihr nicht klar gewesen, dass ein instabiler Östrogenspiegel neben Gefühlsschwankungen und Reizbarkeit, auch zum Verlust weiblicher Attribute, wie einer Lockenmähne, führen kann. Mit dem Absetzen der Pille hatte sich die Problematik noch verschärft. Ausreichend Phytoöstrogene aus Soja, Linsen, Azukibohnen, Leinsamen, Kichererbsen, Äpfeln oder frischer Brunnenkresse, sowie die regelmäßige Einnahme von Vitamin B6 und Magnesium, verbesserte nicht nur ihre Laune, sondern auch die hormonelle Situation.
Weil B6 immer die Unterstützung der anderen B-Vitamine wie Biotin, Folsäure oder B12 braucht, empfahl ich B-Komplex oder Bierhefetabletten.


Mangelerscheinungen durch falsche oder einseitige Ernährung


Fällt das Haar aus, kann es auch sein, dass es nicht genügend Nährstoffe bekommt. Nicht das Haar selbst, sondern die Haarzwiebel in der Kopfhaut muss gut versorgt werden. Das geht nur mit ausreichend B-Vitaminen, die aus Eiweißbausteinen das Keratin basteln, das unsere Haare fest, glänzend und unwiderstehlich macht. Darüber hinaus werden noch Zink und Eisen gebraucht. Aber gerade Eisen ist bei vielen Frauen Mangelware, weil sie durch die monatliche Blutung viel verlieren.
Bei Julia hatte die Hausärztin festgestellt, dass sogar schon die Ferritinwerte (Speichereisen) unter der Norm lagen. Daher verordnete ich zum Ausgleich die bewährte Haarkur nach Dr. Schüssler und viel Hirse, Mandeln, Haselnüsse, Himbeeren, Kresse und rohes Sauerkraut, die Eisen und Zink in natürlicher Form enthalten. Vitamin C aus Obst und Säften kann die Eisenaufnahme verbessern.


Stress


Dauerstress und Druck bringen nicht nur die Muskulatur des Körpers in Hochspannung, sondern auch die der Kopfhaut. Dadurch werden die Haarzwiebeln deutlich schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Wenn dann noch die Haare straff nach hinten oder oben frisiert werden, haben die Haarfollikel kaum noch eine Chance und verkümmern. Die gute Nachricht aber ist, wenn die Ursache des Stresses oder ein traumatischer Auslöser beseitigt ist, kann das Haar wieder nachwachsen.
In vielen Fällen helfen schon wohltuende Kopf- und Nackenmassagen, die Stärkung der Nerven mit B-Vitaminen und Magnesium oder andere Entspannungsmöglichkeiten.
Bei Julia bearbeiten wir zunächst die traumatischen Erinnerungen an die Kündigung und die ersten Absagen mit Mentalfeldtechnik.


Jobsuche unter neuen „Vorzeichen“


Dazu wendeten wir uns dem direkten Auslöser des Dauerstresses zu, der unbefriedigenden Jobsuche. Da Julia sich bereits bei allen in Frage kommenden Hotels beworben hatte, war sie sofort bereit für neue, hoffnungsvollere Wege.
Dafür analysierten wir drei Fragen:
Was können Sie besonders gut?
Was machen Sie besonders gerne?
In welchen Bereichen könnten Sie diese Fähigkeiten auch einsetzen?
Julias Stärken waren Fremdsprachen, sie spricht fließend englisch, französisch und sogar russisch. Sie organisiert gerne und hatte auch schon Erfahrungen in der Vorbereitung von größeren Konferenzen. Befreit von der einseitigen Orientierung auf das Hotelfach, fielen ihr auf Anhieb einige Bereiche ein, in denen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten wertvoll sein könnten, zum Beispiel Internationale Organisationen, Firmen mit größeren Fortbildungsbereichen, Institute oder wissenschaftliche Einrichtungen, die europaweit agieren sowie Reiseagenturen und Eventveranstalter.
- Die ersten Umfragen bei Freunden und Bekannten nach Kontakten in diese Bereiche verliefen noch ergebnislos.
- Der zweite Schritt sah vor, Termine bei solchen Firmen oder Organisationen zu machen, auch wenn zurzeit keine Stellen angeboten werden. Julia sollte so auf sich aufmerksam machen, ihre besonderen Fähigkeiten darstellen und anbieten.
Die fünfte dieser „kalten“ Bewerbungen war dann ein voller Erfolg. Sie bekam die Chance, sich bei der Vorbereitung einer wissenschaftlichen Tagung zu beweisen. Aber Julia hatte nun prompt wieder Bedenken wegen ihrer Haare.
Nach einer Krisensitzung und einem Mentaltraining entschied sie sich für eine freche Kurzhaarfrisur, die ihr Haar voller erscheinen ließ und auch viel besser zu ihr passte. Als ihr der Frisör bestätigte, die ersten Haare seien schon wieder nachgewachsen, beflügelte sie das enorm.
Hoch motiviert und gut vorbereitet konnte sie so ihre Chance überzeugend nutzen.


Neue Haare, neues Leben


Seit sechs Monaten arbeitet Julia jetzt in einer internationalen Seminarorganisation, die neue Strukturen in den GUS-Staaten aufbaut und ist von ihrer Arbeit sehr begeistert: „Ich habe wesentlich mehr Entscheidungsmöglichkeiten als früher, kann meine Ideen einbringen und werde auch noch besser bezahlt. Mehr kann man nicht erwarten. Meine Haare wachsen immer noch gut, sie glänzen wieder und sind voller. Allerdings esse ich auch so viel Obst und Gemüse, wie noch nie in meinem Leben und lasse nicht zu, dass mir die Arbeit über den Kopf wächst.
Ich bin so froh, dass meine Haare wieder in Ordnung sind, sonst hätte ich doch um Haaresbreite den Job meines Lebens verpasst.“


Haarkur mit Schüssler Salzen


3 Tabletten – Zincum chloratum (Zinkchlorid) D6
5 Tabletten Silicea (Kieselsäure) D3
5 Tabletten Ferrum phosphoricum (Eisenphosphat) D12


Die Tabletten zusammen in circa einem Liter Wasser auflösen und über den Tag verteilt, trinken.
Die Haarkur sollte mindestens drei Monate angewendet werden.

Ingrid Schlieske

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