Gefäße müssen gepflegt werden

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Es war ein absoluter Schock für mich. Wir sind doch gerade erst 40 geworden und jetzt schleicht mein Bruder wie ein Großvater. Er kann kaum 200 Meter gehen, ohne sofort Schmerzen zu bekomme.
Schaufensterkrankheit hat der Arzt gesagt.
Natürlich mache ich mir Sorgen, dass auch mich das trifft, genau genommen bin ich sogar ziemlich panisch. Das ist doch eine tickende Zeitbombe. Ich habe zwei Tage im Internet zu Gefäßkrankheiten recherchiert, danach war ich total fertig. Deswegen hat mich meine Frau zur Beratung gescheucht. Ich solle lieber was tun, statt immer zu jammern.“
Herrn Fürstenberg sah man an, dass er eigentlich etwas mehr Mitleid und Zuspruch erwartet hätte.
Die Gefahr, eine ähnliche arterielle Verschlusskrankheit zu bekommen, wie sein Zwillingsbruder war tatsächlich hoch. Bisher war er nicht ernsthaft krank gewesen und hätte dafür nach seiner Aussage auch gar keine Zeit gehabt.
Gemeinsam mit seinem Bruder hatte er nach dem Studium eine Software-Unternehmen aufgebaut, das ziemlich erfolgreich war, aber auch viel Stress, Hektik und wenig Freizeit mit sich brachte.
Dazu kam, dass er von morgens bis abends saß, entweder am Computer, im Auto, am Verhandlungstisch oder zur Ablenkung vor dem Fernseher.
Essen fand sehr unregelmäßig statt, meist gab es etwas, das schnell ging. Mit der Zeit hatten sich 15 Kilo Übergewicht angesammelt, die ihm wirklich erst bewusst wurden, als ich ihm seinen Körperfettanteil mitteilte.
Dreißig Prozent Fettanteil sind bei kurvenreichen Frauen vielleicht noch zu tolerieren, aber für Männer eine Katastrophe.
Normal für seine Altersgruppe wären 17 bis 20 Prozent gewesen.
Der Blutdruck war auch schon einige Zeit zu hoch und er fühlte sich insgesamt schlapper und nicht mehr so leistungsfähig.
Dass seine Lebensweise auch Wirkung auf seine Gefäße haben könnte, hatte er nie bedacht.
Aber gerade diese entscheiden wesentlich darüber, wie jung oder wie alt wir uns fühlen, denn körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sind immer abhängig von einer guten Durchblutung.


Ungestörter Blutstrom


Circa 100.000 Kilometer Gefäße ziehen sich wie ein riesiges Straßennetz durch unseren Körper, um das man sich keine Gedanken macht, solange alles klappt, das heißt, dass alle Organe und Muskeln mit sauerstoffreichem Blut und Nährstoffen    v e r s o r g t  und das Gewebe auch wieder e n t s o r g t  wird.
Erst wenn Stau auftritt, kommen wir ins Grübeln.


Aufbau der Gefäße


Gefäße bestehen aus mehreren feinen Schichten, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind.


- Die innere Schicht (Intima) ist im Idealzustand glatt, wie eine Teflonpfanne (nichts haftet an), damit das Blut reibungslos zirkulieren kann
- Die mittlere Schicht (Media) besteht aus zartem Muskelgewebe. Das reagiert auf Impulse von Gehirn und Nerven und kann das Gefäß bei Bedarf zusammenziehen oder weiterstellen
- Die äußere Schicht (Extema) hält wie eine Wurstpelle alles zusammen und schützt es nach außen


Arterien, die mehr Druck vom Herzen aushalten müssen, sind etwas kräftiger als Venen, durch die das Blut zum Herzen zurückfließt.
Kapillaren sind Mikroausgaben dieser Gefäße, die auch die letzte Ecke unseres Körpers ver- und entsorgen.
Unser Gefäßsystem verkraftet viel, ist aber wie ein überlastetes Straßennetz auch anfällig.


Risikofaktoren


Die Risikofaktoren für die Gefäßgesundheit sind die gleichen, die uns auch vorzeitig altern lassen, wie Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Vitalstoffmangel, Dauerstress und Nikotin. Denn erst diese führen zu Übergewicht, Bluthochdruck, zu hohen Homozystein-, Blutzucker- und Blutfettwerten.
Natürlich hat unsere genetische Ausstattung auch einen Anteil, aber deutlich geringer als die Faktoren, die wir selbst beeinflussen können, wenn wir lange und gut leben wollen.
Wenn wir wüssten, dass gerade dieses verführerisch duftende Stück Pizza oder das deftige Wurstbrot dabei ist, unseren Herzkranzgefäßen den Rest zu geben, dann würden wir es fallen lassen. Aber das was wir unseren Gefäßen zumuten, bleibt lange Zeit verborgen.
Hohe Insulin- und Blutzuckerwerte stören den normalen Auf- und Abbau der Zellen in der Gefäßinnenwand und lassen sie regelrecht wuchern. Kernspintaufnahmen zeigen, dass sich bei Übergewichtigen schon die Gefäßwände verdickt haben, auch wenn sie noch beschwerdefrei sind. Am Herzen kann das sogar zu Vergrößerungen führen, aber im Gegensatz zu einem gleichgroßen Sportlerherz, arbeitet das nicht effektiver, sondern ist schwächer. Außerdem begünstigen sie die Bildung von Glykierungsendprodukten (AGEs), die die Gefäße weiter schädigen.
Blutzuckerspitzen, zum Beispiel nach süßen Mahlzeiten, ruinieren vor allem die feinsten Blutgefäße im Augenhintergrund und den Nieren.
Zuviel tierische Fette, einfache Kohlenhydrate und fehlende Vitamine machen den Weg frei für das schädliche Homozystein. Das verursacht Risse und Kerben in den Gefäßen, an denen dann durch die wuchernden Intimazellen Cholesterin, Fettpartikel und Kalkablagerungen zur typischen arteriosklerosen Plaque verbunden werden. So wird das Gefäß langsam aber sicher zugesetzt.
Bei Übergewichtigen, die häufig auch schon eine Insulinresistenz haben, bleiben Stoffwechselabprodukte besonders lange im Blut, so dass sich an der vorgeschädigten Intima jede Menge weiterer „Müll“, wie am Straßenrand ablagern kann.
Bewegungsmangel und Dauerstress erhöhen nicht nur die Chancen auf einen Body-Mass-Index jenseits der 30, sondern sind auch wesentlich an der Erstarrung der Gefäßwand beteiligt. Untrainierte Gefäße sind sowieso weniger elastisch. Wenn dann noch Dauerstress besteht und Gefäße ständig angespannt sind, lassen sie auch bei Bedarf nicht mehr Blut durch.
Hoher Blutdruck ist nicht nur die Folge dieser Entwicklung, sondern bewirkt, dass die Gefäßwände noch starrer und dicker werden.
Das Gefäßgift Nikotin schädigt die Intima in besonderem Maße, verengt die Gefäße zusätzlich und erhöht den Blutdruck weiter.


Die „Säfte“ müssen fließen- das wussten schon unsere Vorfahren


Unser Gefäßsystem streikt erst dann, wenn die Belastungen zu hoch sind. Erst wenn das Gehirn und das Herz nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden, weil Arterien verstopfen und Staus entstehen, dann ist Schluss mit lustig.


- Ist die Halsschlagader (Arteria carotis) betroffen, gelangt zu wenig Sauerstoff ins Gehirn. Geistige Höhenflüge sind dann kaum noch möglich und die Gefahr eines Schlaganfalls steigt enorm
- Sind die feinen Herzkranzgefäße, die Koronararterien zugesetzt, krampft sich das Herz bei der kleinsten Anstrengung schmerzhaft zusammen und irgendwann droht ein Herzinfarkt
- Sind die Arterien der Beine oder des Beckenbereiches betroffen, kommt es zur so genannten Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens). Sie heißt so, weil die Betroffenen schon nach wenigen Metern so starke Schmerzen in den Waden haben, das sie vor Schaufenstern stehen bleiben. Nach einigen Minuten der Ruhe, gelangt wieder etwas Blut in die Muskeln, der Schmerz lässt nach und sie kommen bis zum nächsten Schaufenster


Soweit muss es jedoch nicht kommen, wenn man bereit ist, seine persönlichen Risikofaktoren zu minimieren.
Auch mein Klient war jetzt wild entschlossen, gerade noch rechtzeitig etwas zu tun. Also entwickelten wir gemeinsam ein Reparatur-, Instandhaltungs- und Wartungsprogramm mit Mehrfacheffekten für seine Gefäße und alle Körpersysteme:


Lauftraining


Ausdauersportarten wie Joggen, Walken, Radfahren helfen nicht nur den Blutdruck und das Gewicht auf Idealwerte zu bringen, sondern ermöglichen vor allem das Wachstum von Kollateralgefäßen. Diese sind in der Lage, wie eine Umgehungsstraße, verstopfte Gefäße zu entlasten.
Schon dreimal wöchentlich 45 Minuten Training lassen neue Kapillaren sprießen. Weil Herr Fürstenberg „auf keinen Fall alleine durch die Gegend rennen“ wollte, entschied er sich für Nordic Walking, das er gemeinsam mit seinem Bruder auf einer ausgeschilderten Trainingsstrecke machen konnte.


Täglich mehrmals Obst und Gemüse


B-Vitamine, Vitamin C, Magnesium und Flavonoide sind in Avocado, Bananen, Beeren, Brokkoli, Grünkohl, Kichererbsen, Sauerkraut, Soja, Spinat und Walnüssen enthalten. Vitamin C und Bioflavonoide aus farbigen Früchten reduzieren die ungesunde Zellwucherung an der Gefäßinnenwand, helfen sie zu kräftigen und die Schäden zu reparieren. Gemeinsam mit Magnesiumorotat ist hochdosiertes Vitamin C in der Lage, Plaque ab- und aufzulösen und die Gefäße durchlässiger zu machen.
B-Vitamine bremsen das Gefäßgift Homozystein aus und machen außerdem die Nerven stressresistenter.
Da mein Klient erhöhten Bedarf hatte an den meisten dieser Nährstoffe, empfahl ich ihm das B-Vitamin-Trio für gesunde Gefäße als zusätzliches Kombinationspräparat, mit 400 Mikrogramm Folsäure, vier Milligramm B6 und 30 Mikrogramm B12.


Regelmäßig fettarmes Eiweiß


Dafür ist Soja, Hüttenkäse, Magerquark, Putenbrust, Thunfisch, Seelachs u.a. ratsam. Das ist nicht nur wichtig, um leichter abzunehmen, sondern enthält wichtige Biostoffe für den Aufbau und die Pflege der Gefäße, wie die Aminosäure Prolin und Lysin. Die sichern den gewünschten Teflon-Effekt (nichts haftet an) an der Intima und sorgen auch dafür, dass die Fettstoffe aus den Plaques in der Leber abgebaut werden können.
Außerdem haben Flavonoide aus der Sojabohne großen Anteil daran, erstarrte Gefäße wieder elastischer zu machen.
Schon deshalb versprach Herr Fürstenberg, sich beim Essen mehr als bisher auf die asiatische Küche, besonders Tofu, einzulassen.
Als Zwischenmahlzeit am Arbeitsplatz sind Sojajoghurt, Sojamilch, geröstete Sojabohnen und Nüsse (wenig) besonders gut geeignet.
Öfter Seefisch, denn die Omega-3-Fettsäuren in Lachs, Hering, Thunfisch, Makrele und Co., helfen das Blut fließfähiger zu machen und die Gefäße schön weit zu halten. Schon das ermöglicht, sich jünger und fitter zu fühlen.
Darüber hinaus empfahl ich tägliche Kneippsche Anwendungen, wie Wechselduschen oder kalte Güsse als Gefäßtraining und das Schüssler-Salz-Calcium fluoratum, das Bindegewebsschwächlingen hilft, Gefäße zu straffen und Gefäßwände elastisch zu halten.
Auch Ginko, Knoblauch und Zwiebeln können die Kapillarwände stabilisieren, das Blut flüssiger machen und so die Durchblutung feinster Gefäße verbessern.
Unser Programm scheint bei Herrn Fürstenberg gut gewirkt zu haben. Vor kurzem traf ich ihn und seinen Zwillingsbruder auf der Nordic-Walking-Strecke, sichtlich schlanker, fitter, entspannter und bis jetzt noch immer ohne Gefäßprobleme.



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