Das Auge - was es braucht, um gesund zu sein

Elfi Sinn, Heilpraktikerin und psychologische Beraterin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


„Schau mir in die Augen, Kleines ...“


Wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz von Humphrey Bogart aus dem Film „Casablanca“. Augen können vieles ausdrücken. Mit dem richtigen Gegenüber werden sie vielleicht interessiert aufleuchten, geheimnisvoll schimmern oder strahlen vor Glück. Manche sind unergründlich wie Bergseen, man kann sich in ihnen verlieren oder auch einem anderen ins Herz blicken. Schon zu allen Zeiten haben sich Verliebte tief in die Augen gesehen und dort Dinge entdeckt, die dem Augenarzt verborgen bleiben.
Damit Augen lange Zeit schön, ausdrucksstark und leistungsfähig bleiben, müsste es eigentlich beim Augenarzt Obst und Gemüse auf Rezept geben.
Immer mehr internationale Studien belegen, dass regelmäßige Obst- und Gemüseesser tatsächlich Augenkrankheiten vorbeugen, Degenerationen verlangsamen und vorzeitige Erblindung vermeiden können. Ständig werden neue Inhaltsstoffe entdeckt, die die Sehkraft der Augen stärken und sogar vor Erkrankungen, wie dem grauen Star und der altersbedingten Makuladegeneration, schützen können. Auch bei Augenbrennen, Jucken oder dem trockenen Auge ist der Gang zur Gemüseabteilung oder in den eigenen Garten oft hilfreich.
Allerdings genügen vorübergehende Aktionen längst nicht mehr, wenn es bereits zu Augenschädigung gekommen ist.
Die Ernährung insgesamt hat für die Augengesundheit eine größere Bedeutung als bisher angenommen. Nicht nur die richtige Wahl der Lebensmittel, sondern auch ihre effektive Verwertung in einem gesunden Verdauungssystem ist entscheidend. Kostformen, wie die Trennkost, die Kretakost u. a., die 5-mal täglich Obst und Gemüse empfehlen und auch verdauungsfreundlich sind, nutzen auch den empfindlichen Sinnesorganen.


Der richtige Durchblick


Welche Wirkstoffe, welche Obst- und Gemüsesorten helfen, um ihn zu erobern und zu behalten?


Carotinoide


Das sind unterschiedliche, sekundäre Pflanzenstoffe, denen die Möhre oder Karotte den Namen gab, und dass Möhren gut sind für die Augen, weiß jeder, schließlich brauchen Kaninchen keine Brille. Wer das nur für einen Kalauer hält, irrt sich. Carotinoide sind enorm wichtige Antioxidantien für das Auge, d. h. so etwas wie Rostschutz von innen. Sie verhindern, dass freie Radikale aus der gefährlichen UV-Strahlung die Sehzellen im Auge angreifen oder, wie beim Grauen Star, die Augenlinse trüb werden lassen.


Freie Radikale


Das sind aggressive Moleküle mit einem ungesättigten Elektron. Normalerweise treten Elektronen nur paarweise auf. Als Single sind sie unberechenbar. Sie stürzen sich auf ein anderes Molekül und entreißen ihm ein Elektron. Es läuft so ähnlich, wie bei uns Menschen, wenn Herr Müller seinem Nachbarn Meier die Frau weggenommen hat. Herr Meier wiederum stürzt sich nach einer Zeit der Trauer oder Enttäuschung erneut ins Geschehen und spannt Herrn Schulze die Partnerin aus. Herr Schulze bemüht sich dann um Frau Schneider usw..
Durch Freie Radikale entstehen zerstörerische Kettenreaktionen, die große Teile von Sinneszellen erfassen und allmählich zum Verlust der Sehkraft führen. Carotinoide stoppen diese Kettenreaktion und helfen, die Folgeschäden zu minimieren oder ganz zu verhindern.


Gefahr für das Scharfsehen


Besondere Gefahr droht durch die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die nach dem 50. Lebensjahr eintreten kann. Die Makula ist der sogenannte gelbe Fleck, die Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut. Sie ist nur wenige Millimeter groß, aber entscheidend dafür, dass wir scharf sehen wie ein Falke, dass wir Buchstaben lesen oder Details und Farben erkennen.
Gerade an dieser wichtigen Stelle können ungeschützte Sehzellen durch den ständigen Angriff von Freien Radikalen absterben. Das tut nicht weh und wird häufig erst bemerkt, wenn graue Flecken die Sicht beeinträchtigen und sich auch mit dem stärksten Brillenputztuch nicht entfernen lassen.


Der regelmäßige Griff in den Obstkorb


Er könnte das verhindern und sollte deshalb schon prophylaktisch erfolgen.
Das bestätigte auch die Auswertung von zwei großen Studien in den USA zur AMD. Forscher der Harvard- Universität untersuchten die Daten von mehr als 120.000 Männern und Frauen, die älter waren als 50. In einem Beobachtungszeitraum von über 10 Jahren wurde festgestellt: das Risiko, dass Probanden an AMD erkrankten, die täglich mindestens drei Portionen Obst aßen, war um fast 40 Prozent geringer als das der Obstmuffel. Besonders Orangen und Bananen erwiesen sich als hilfreich für die Erhaltung der Makula. Hintergrund ist deren hoher Gehalt an den Carotinoiden Lutein und Zeaxanthin.


Lutein und Zeaxanthin


sind gelbe Pflanzenpigmente, die in der Makula hochkonzentriert sein sollten. Allerdings kann sie unser Körper nicht selbst herstellen, sondern er braucht sie dringend aus der Nahrung. Wenn die Makula viel Lutein enthält, ist am gelben Fleck die Welt in Ordnung und der Mensch hat eine klare Sicht. Möglicherweise wirkt das Lutein wie eine innere Sonnenbrille, die die Stelle des schärfsten Sehens vor zu starken Lichtreizen bewahrt. Zeaxanthin schützt die Makula darüber hinaus vor oxidativen Schädigungen, wirkt also der Alterung entgegen.


Lutein und Zeaxanthin


sind hauptsächlich in gelben Früchten wie Nektarinen, Aprikosen, Mango, Orangen, Pflaumen, Bananen und Paprika zu finden. Aber auch in grünblättrigem Gemüse, zum Beispiel Spinat, Mangold, Römer-Salat und Wildkräutern. Allerdings wird hier das gelbe Pigment durch das grüne Chlorophyll verdeckt. Erst wenn die Blätter welken, wird die gelbe Farbe wieder sichtbar. Solange sollte aber nicht gewartet werden, da die Wirkung von Lutein sinkt, wenn das Gemüse nicht frisch ist oder zu lange gekocht wurde. Blanchiertes Gemüse und frisches gelbes oder rötliches Obst pflegen den gelben Fleck und halten die Sehzellen frisch.


Beta-Carotin und Lycopin


aus gelbroten und roten Früchten gehören zu den Carotinoiden, die nicht so hitzeempfindlich sind. Beta-Carotin gehört zur Grundnahrung für die Augen, weil unser Körper daraus Vitamin A herstellen kann. Das wird gebraucht für die Sehschärfe und das Sehen im Dunkeln. Es kann auch das Austrocknen der Schleimhaut und die Tendenz zum trockenen Auge günstig beeinflussen, wirkt Nachtblindheit und Hell-Dunkel-Adaptionsstörungen entgegen.
Lycopin, der stärkste Radikalenfänger, entfaltet seine ganze Kraft erst nach längerem Kochen.


Beta-Carotin und Lycopin


findet sich in Karotten, Tomaten, Kürbis und Paprika. Es sollte immer mit etwas Fett verspeist werden, das wird für die Vitamin-A-Produktion gebraucht. Wer regelmäßig Tomatensaft mit etwas Pflanzenöl aufgekocht trinkt, stärkt nicht nur sein Immunsystem, sondern kann dazu beitragen, vorzeitige Alterungsprozesse im Auge, wie den gefürchteten Grauen Star, zu verhindern.
Obst und Gemüse in gelb, rot oder grün enthält natürlich noch ein Vielzahl anderer Wirkstoffe, die für den Augenschutz mit den Carotinoiden im Team arbeiten. Das ganze Netzwerk muss stimmen, deshalb ist es immer besser, Obst und Gemüse den Vorzug zu geben und nur bei Bedarf mit Nahrungsergänzungsmitteln zu ergänzen.


Vitamin E und C


Vitamin E aus Nüssen, Kernen oder Oliven wirkt gemeinsam mit den Carotinoiden in den fetthaltigen Bereichen. Seine feinen Fettschichten schützen die Augenzellen, wie Sonnenmilch mit hohem Lichtschutzfaktor.


Vitamin C


finden wir in Zitrusfrüchten, Kiwi, Beeren oder Tomaten, es fängt die Freien Radikale in den wasserhaltigen Zellbereichen.
Unsere Tränenflüssigkeit enthält davon enorm viel. Jedes Zwinkern oder Augenschließen wirkt wie ein Scheibenwischer, der die Flüssigkeit über den gesamten Augapfel verteilt und so vor Krankheitserregern schützt. Die Augenlinse sollte die höchste Vitamin-C-Konzentration haben, um die Trübung zu verhindern, die für den Grauen Star kennzeichnend ist.


Bioflavonoide


Flavonoide aus roten oder blauen Früchten.
Sie regulieren die Versorgung der Augenlinse mit Enzymen und kräftigen die feinen Gefäße in den Augen. Sie gehören deshalb unbedingt auf ein Rezept für scharfe Augen, die auch nachts noch gut und nicht alle Katzen grau sehen wollen.


Flavonoide sind enthalten


in Heidelbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren.
Übrigens enthalten auch Heidelbeeren enorm viel von dem gelben Lutein, obwohl man es dort wirklich nicht vermutet. Dass Himbeeren zur Bildung des Sehpurpurs beitragen, ist schon eher nachvollziehbar.
Augen, die täglich aus dem Obst- oder Gemüsekorb gut versorgt werden, sind immer ausdrucksstark und schön.
Denn alles, was im Auge schimmert und funkelt ist ganz profan ein Ergebnis des Zellstoffwechsels, der Verwertung von Vitaminen, Carotinoiden und anderen Pflanzenstoffen.
Wer jedoch andere mit seinen Blicken, wie in „Casablanca“, interessieren oder entflammen möchte, braucht dazu noch mehr, nämlich bestimmte Neurotransmitter. Das sind Botenstoffe, die für Gefühle zuständig sind, die dem Auge immer dann, wenn es darauf ankommt, Glanz und Ausstrahlung verleihen. Die Zutaten dafür sind mageres Eiweiß, viel Vitamin C, Vitamin B6 und Magnesium, zum Beispiel ein Salat mit Sojaragout, Paprikaschoten, Sonnenblumenkernen und Kresse, oder ein Quarkdessert mit Heidelbeeren, Bananen und Walnüssen. Nüsse, Kerne, Sprossen, Keimlinge und junge Blätter liefern den ganz besonderen Charisma-Turbo für die Augen, zyklisches Adenosinmonophosphat. Hinter diesem Zungenbrecher verbirgt sich eine Wunderwaffe, die die Leuchtkraft der Augen in Sekunden vervielfachen kann.
Mit diesem Geheimtipp aus dem Kühlschrank oder von der Fensterbank kann jede Frau dafür sorgen, dass ihre Augen im richtigen Moment glänzen, funkeln und strahlen, und wenn dann so ein Typ wie Humphrey Bogart vorbeikommt, wird vielleicht ein neuer Spruch geboren, der in die Geschichte eingeht.
Übungen zur Unterstützung der Sehkraft und zur Entlastung der Augen.
Täglich 5 Minuten palmieren, täglich 5 bis 7 Minuten „Schwarzsehen“. Täglich morgens, oder vor dem Palmieren, leichte Klopfmassage um die Augen.


Buchtipp:

 

„Rechtes Sehen ohne Brille“, Autor Dr. med. W.H. Bates, Karl-Rohm-Verlag, Bietigheim,
ISBN 3-87683-171-7
Die Medizin unterscheidet zwischen zwei Formen der AMD
Die trockene Form, bei der sich Stoffwechselprodukte in der Netzhaut des Auges ablagern und Pigmente verklumpen, sie verläuft eher langsam und schleichend. Bei der feuchten Form kommt es oft zu einem schnellen Verlust der Sehkraft. Gefäße aus der Aderhaut wuchern in die Netzhaut. Wenn diese Gefäße undicht werden, sondert sich Flüssigkeit ab und die Netzhaut schwillt gefährlich an.


Ingrid Schlieske

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