Nordic Walking - endlich ein Sport für uns alle

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Ein Laufsport aus Skandinavien erobert die Welt: Nordic Walking, das dynamische Gehen mit Stöcken.
Erstaunlich, wie viel Power man dabei entwickelt. Nordic Walking ist ein Sport für Jung und Alt, Trainierte und Untrainierte, für jede Jahreszeit und jedes Wetter. Er verbindet in seltener Vielfalt medizinische Vorteile: Entlastung der Gelenke, Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems sowie auch der Muskeln im Schulter-, Nacken- und Rückenbereich, und vieles mehr. Vernachlässigte und bei vielen Menschen verspannte und schmerzende Körperpartien (zum Beispiel der Rücken) werden gelockert und gekräftigt.
Ein Ganzjahressport mit großer Zukunft!
Erstmals bot das Seminarhaus Hoher Vogelsberg ein Nordic Walking-Wochenende für künftige Gruppenleiter an. Die Teilnehmer waren Trennkost-Seminarleiter, Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Sportler.
Sie wollten zum einen das Basiswissen zu dieser idealen Sportart kennen lernen, um es in ihrer Region an Mit-Läufer weitergeben zu können, andererseits freuten sie sich auf ein schönes, entspanntes Wochenende im und um das Seminarhaus herum.
Die beiden Trainerinnen Sylvia Knüttel und Sabine Dahmer unterrichteten die Walker überaus engagiert und zeigten ihnen den Naturpark Hoher Vogelsberg von seiner allerschönsten Seite.
Und das Wetter mit etwa 20 Grad war einfach ideal für die Exkursionen.


Die Walker-Kleidung


Nordic Walking kann bei jedem Wetter ausgeübt werden. Die Bekleidung sollte sich also für unterschiedliche Witterungsverhältnisse eignen. Sportler sind oft längere Zeit der prallen Sonne ausgesetzt und müssen sich vor Auskühlung und Regen schützen. Deshalb sollte man beim Kauf von Bekleidung unbedingt darauf achten, dass sie wind- und wetterfest, sowie atmungsaktiv ist. Es hat sich bewährt, die Kleidung im „Schichtenlook“ aufzubauen: Funktionsunterwäsche, die atmungsaktiv und klimaregulierend ist und der Geruchsbildung entgegenwirkt. Sie transportiert den Schweiß von der Haut weg an die darüber liegende Mittelschicht (Shirts). Dieses sorgt für Wärme-Isolierung bei einem geringen Stoffgewicht. Ein optimales Körperklima erhält man mit der äußeren Schicht (Jacke). Hier werden vor allem Materialien verwendet, die eine hohe Atmungsaktivität aufweisen und wind- sowie wasserabweisend sind.


Ein bisschen Theorie muss sein


Das Seminar begann Freitag um 18.00 Uhr mit einem Theorieteil. Dabei wurde erörtert, wo der Ursprung des Nordic Walking ist, für wen es sich eignet und wie es mit der Auswirkung auf die Gesundheit aussieht.
Der Durchschnittseuropäer sitzt täglich etwa 14 Stunden. Es ist heute so wichtig wie nie zuvor, gezielte Bewegungsabläufe in den Alltag zu installieren, damit alle Körpersysteme optimal unterstützt werden.
Der Abend wurde mit einem leckeren Abendessen beschlossen.
Am Samstagfrüh, nach dem guten Trennkost-Muntermacher-Müsli, stellten Frau Dahmer und Frau Knüttel die benötigte Ausrüstung vor.
Was ist beim Kauf von Nordic Walking-Stöcken zu beachten? Gute Markenstöcke zeichnen sich durch ein geringes Eigengewicht, extreme Belastbarkeit und lange Lebensdauer aus. Sie bestehen aus Carbon oder einer Carbon-Glasfasermischung. Dies hat den Vorteil, dass keine belastenden Schwingungen auf die Hand-, Ellenbogen- und Schultergelenke übertragen werden.
Die Stöcke werden mit einer Spitze geliefert, auf die Sie Gummipads aufsetzen können, wenn Sie auf hartem Untergrund (Straßenpflaster) laufen möchten. Ein Handschlaufensystem sorgt dafür, dass Sie den Stock immer am Handgelenk haben, auch wenn Sie Ihre Hand zwischendurch öffnen. Wie lang muss der Stock sein? Die Länge der Stöcke richtet sich nach der Körpergröße. Es gilt die Faustregel „Körpergröße mal 0,7, bzw. 0,68“. Achtung: die Beinlänge spielt eine große Rolle. Wer eher kurze Beine und längere Arme hat, der braucht unter Umständen einen kürzeren Stock. Beratung gibt es durch einen Sportfachhändler.
Schuhe: Bei jedem Laufsport sind natürlich die Schuhe sehr wichtig. Gut geeignet sind sowohl gute Laufschuhe als auch leichte Trekkingschuhe.


Endlich laufen im Naturpark


Anschließend ging es bei herrlichstem Sonnenschein bei angenehmen 20 Grad zum ersten Lauftraining. Es wurde der abwechslungsreiche Weg zu einem idyllisch gelegenen Fischteich gewählt, der umwandert wurde, um pünktlich gegen 13.00 Uhr das wohlverdiente, wie immer köstliche Mittagessen im Seminarhaus einzunehmen.
Zunächst aber wurden durch die beiden Trainerinnen Aufwärmübungen vorgestellt und mit viel Spaß von den Teilnehmern mitgemacht. Hier wurde durch Pendelübungen die Arm- und Schultermuskulatur leicht beansprucht und erwärmt, die Koordination der Arm- und Beinbewegung durch das „Kanu fahren“ geübt, oder durch den so genannten „Katzenbuckel“ die Wirbelsäule mobilisiert.
Danach ging die Gruppe eine Weile den zunächst noch geteerten Radweg Richtung See im lockeren Pendelgang.
Es wurde darauf geachtet, dass die Körperhaltung aufrecht ist, bei leicht nach vorn geneigtem Rumpf. Der zweite Punkt war, auf die Rotation der Schulterachse zur Hüftachse zu achten.
Nachdem der Teerweg sich nun abwechselte mit einem ebenen Schotterweg, wurde der Gruppe der richtige Einsatz der Arme und Hände beim Nordic Walking vermittelt. Das Greifen der Stöcke vorn, der richtige Schlaufendruck, sowie das Öffnen der Hände nach hinten.
Nach Erreichen des  herrlich gelegenen Sees wurde die Gelegenheit für ein paar Dehnübungen der einzelnen Körperteile genutzt (kalte Muskeln niemals dehnen, Verletzungsgefahr). Die Waden, Ober- und Unterschenkel sowie Schulter-, Brust-, Arm- und Hals-Nacken-Bereiche wurden bearbeitet.
Alle Teilnehmer konnten sich hier mit Ideen einbringen.
Nachdem der Wasserhaushalt durch die in der Funktionsgürteltasche mitgebrachten Getränke wieder stimmte, ging die Nordic Walking-Gruppe weiter, um nun besonders auf den eben erlernten Stockeinsatz zu achten, ebenso wie auf die aktive Fußarbeit. Wichtig: Ferse aufsetzen, über den Mittelfuß zum großen Zeh abrollen.
Am Nachmittag ging es gemeinsam durch die herrliche Landschaft des Hohen Vogelsbergs, um jeden Teilnehmer des Kurses im Umsetzen der vormittags erlernten Grundtechnik zu beobachten und zu beraten, was noch verbessert werden kann, bzw. geübt werden muss.


Fettverbrennung und Herzfrequenz


Nach einer Kaffee- und super leckeren Kuchenpause hörten die neun fleißigen und talentierten, angehenden Nordic Walking-Gruppenleiter etwas über Ernährung und Bewegung, Fettverbrennung und Herzfrequenz, anschließend vermittelten die Trainerinnen neben Kräftigungsübungen mit den Nordic Walking-Stöcken auch einige Partnerübungen mit Stock, sowie Slalomläufe, „Tausendfüßler-Läufe“ und natürlich auch, was man mit dem Doppelstockeinsatz oder dem „Nordic Jumping“ so alles erreichen kann. Mit Freude und sehr engagiert machte die Gruppe mit. Mit einem trennköstlichen Abendessen klang der Tag aus.


Das Gelernte trainieren


Sonntag um 8.30 Uhr trafen sich die Nordic Walker, um mit dem Auto ein paar Kilometer zu einem Waldparkplatz zu fahren. Von dort ging es einen wunderbaren Waldweg entlang, um die erlernte Lauftechnik zu trainieren. Die Trainerinnen beobachteten die Teilnehmer, die ihre Sache schon sehr gut machten. Als die Gruppe eine geeignete Stelle bei einem im Wald gelegenen Gutshof erreichte, „leiteten“ die neun Kursteilnehmer einen Nordic Walking-Kurs. Jeder übernahm einen Part. Von der Geschichte des Nordic Walking über Warenkunde, Aufwärmübungen bis hin zur Grundtechnik, vermittelten die angehenden Nordic Walking-Kursleiter den Teilnehmern alles Wissenswerte über diesen genialen Laufsport.
Zum Abschluss wurde eine praktische Prüfung durch die Teilnehmer abgelegt. Unter den Augen von Frau Dahmer und Frau Knüttel zeigten die Teilnehmer, was sie an diesem Wochenende gelernt hatten.
Das Wochenende hat den Teilnehmern so gut gefallen, dass sie sich gleich nach dem nächsten Nordic Walking-Termin erkundigt haben.
Der Aufenthalt in der wunderschönen Vogelsberglandschaft ist schließlich ein Erlebnis für sich, und das nicht nur für künftige Gruppenleiter in dieser Sportart. Vielleicht mag ja der eine oder andere Leser auch erlernen, was zu beachten ist, um diese empfehlenswerte Sportart in seiner Region weitergeben zu können und eine eigene Gruppe aufzuziehen. Oder aber man gönnt sich ein Konditions-Wochenende, lässt sich im Seminarhaus tüchtig verwöhnen, um die Motivation zu bekommen, von nun an (mit Stöcken) zu laufen.

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