Zucker für immer verboten

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Wer will schon für immer verzichten auf all die süßen Tröster, die für uns einfach zur Lebensqualität gehören. Sonntagnachmittag ein Stückchen Kuchen zum Kaffee. Gelegentlich einmal eine schöne Schokolade. Oder aber die bezaubernden süßen Desserts, die zu einem besonders guten Menü geradezu gehören.
Zu Geburtstagen, zu Weihnachten, Ostern oder anderen großen Familienfesten erfreut ein großes Küchenbuffet Herz und Sinne. Süßes ist auch Tradition und allemal ein Stückchen Kultur.
In manchen Gegenden werden etliche himmlischen Schlemmerrezepte seit Generationen vererbt und in den Familien gehütet wie ein wertvoller Schatz.
Und nicht nur auf die Zubereitung kommt es an, sondern auch auf die Ausrichtung, die Gestaltung und Symbole, die damit verkörpert werden.
Sicher – Zucker, Honig,. Sirup und eigentlich alle uns bekannten Cousinen des Zuckers sind durch die Ernährungswissenschaften entlarvt als Krankmacher, Suchtauslöser, Schlappmacher.


Ist der gänzliche Verzicht deshalb angesagt?


Wir finden, das wäre „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“. Überlieferte Erfahrungen haben gezeigt, dass der gesund ernährte Mensch sich durchaus auch einmal eine kleine „Sünde“ erlauben darf. Was wäre denn das Leben, wenn es ausschließlich aus Vernunft, Verboten und Richtlinien bestehen würde.
Das wirkliche Problem liegt doch wohl eher in dem Überkonsum der Dinge begründet, die eigentlich die Krönung eines schönen Essens sein sollten, von uns heutzutage aber oftmals als Hauptmahlzeit konsumiert werden.
Zivilisationskrankheiten wie Karies, Rheuma, Arthrose, Gicht, Arteriosklerose, Diabetes entstehen nicht, weil wir gelegentlich ein kleines, bezauberndes Dessert, ein Riegelchen Schokolade oder ein Stück Cremetorte verspeisen.
Das tägliche Bombardieren des Organismus mit riesigen Kohlenhydratmengen schafft vielmehr besorgniserregende Zustände in unserem Stoffwechselablauf
Es ist nun ganz und gar nicht angesagt, auch beim Kuchen für immer auf die süßen, denaturierten, köstlichen Träume zu verzichten und freudlos ausschließlich auf der Vollwertwelle mitzuschwimmen.
Wenn schon ein Genuss, dann bitteschön auf der ganzen Linie.
Gut, ein Vollwertkuchen kann durchaus einen leckeren Geschmack haben und die Tafel bereichern. Aber gelegentlich muss schon mal geschlemmt werden dürfen.
Schauen wir uns unsere mediterranen Nachbarn an. Das wichtigste Dessert ist bei Italienern, Spaniern, Franzosen durchaus der Teller mit den Früchten. Wenn aber eine Torte gereicht wird, dann ist sie so delikat und sorgsam zubereitet, dass man das Gefühl hat, mit dem Genuss einen Blick in den Himmel getan zu haben.
Wir sind der Auffassung, dass ein Verbot generell immer ein falscher Rat ist, wenn nicht eklatante gesundheitliche Vorschriften dieses erforderlich machen.


Das Geheimnis heißt viel eher „limitieren“


Das ist viel leichter einzuhalten und ist eben nicht gefolgt von unkontrollierten Ess-Anfällen und dem damit verbundenen Schuldbewusstsein, dem wiederum Frust und Resignation auf den Fersen sind.
So hat es sich auch bewährt, den Kindern die Süßigkeiten nicht zu verbieten.
Ratsam dagegen wäre, ein sogenannter „Naschtag“, wie ihn zum Beispiel die Schweden als nationale Einrichtung einführten und der sogar vom Königshaus eingehalten wird.
In unserer heutigen Zeit, wo an allen Ecken die Werbung lockt mit den süßen Verführern, lässt es sich einfach nicht verwirklichen, will man althergebrachte Gewohnheiten schlichtweg streichen.
Manchmal benötigt die Seele auch ein wenig Trost. Vorübergehend kann ein „süßes Pflaster“ diesen durchaus gewähren.
Nur – die tägliche Regel sollte das nicht werden. Eher die Ausnahme, die natürlich auch nur dann Wirkung zeigt, wenn sie nicht immerzu angewandt wird.


Kommen wir also wieder zurück zum Genuss:


Der Konsum von großen Mengen schließt Genuss ohnehin aus.
Wollen wir wirklich mit allen unseren Sinnen eine Köstlichkeit (auf welcher Ebene auch immer) genießen, dann bezieht sich das naturgemäß auf kleine Portionen, auf homöopathische Mengen sozusagen.
Denken wir nur einmal über Kaffee nach. Literweise getrunken ist er nur Konsum. Von Genuss kann keine Rede sein.
So bietet auch nur das erste Glas Sekt, der erste Riegel Schokolade, das erste Stück Kuchen, die erste Portion Eis und auch die ersten Bissen einer guten Mahlzeit den Genuss, den Geschmack, der sich dann mit jedem Schluck, mit jedem Bissen ein wenig verringert.
Natürlich – ein ganzes Essen kann sehr gut schmecken. Aber das absolute Entzücken verspüren wir eigentlich nur bei den ersten Gabeln.
Machen wir uns dieses Prinzip einmal bewusst, dann können wir damit beginnen, so richtig von Herzen zu genießen.
Dann ist plötzlich alles erlaubt. Neben den Nahrungsmitteln, die wir uns täglich verschreiben, um unseren Körper optimal zu ernähren, können wir es uns leisten, gelegentlich kleine Quäntchen von himmlischen Delikatessen hinzufügen, die sich nicht so ganz mit dem Vollwertverständnis vertragen.
Und dazu gehören auch die süßen Kleinigkeit, auf die manche von uns nicht verzichten wollen (können).
Das Seminarhaus Hoher Vogelsberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Konzept zu vermitteln, das im Alltag für jedermann anwendbar ist. Es schließt vor allen Dingen ein, die den Genuss und liebe Gewohnheiten nicht auf der Strecke lassen.
Wer sich dazu entschließt, mit sich selbst doch strenger zu sein, kann diese löbliche Entscheidung selbstredend treffen.
Die anderen aber, die nicht ganz so diszipliniert sind und einer süßen Verführung schon mal erliegen, sollen wissen, dass damit die Welt noch nicht untergeht und man sich dennoch insgesamt gesehen durchaus gesund ernähren kann.


Zucker? Also ja!


Aber nicht immerzu, sondern gelegentlich als Krönung einer Mahlzeit oder zu einer besonderen