Endlich schlank - aber richtig schlapp!

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Eignet sich Fasten zum Abnehmen, oder wirkt es eher kontraproduktiv?


Viele Menschen schwören auf den gesundheitlichen Wert von einer Fastenzeit, die sie regelmäßig pro Jahr anberaumen.
Unbestreitbar unterstützt ein Verzicht auf feste Nahrung Entgiftungs- und Entschlackungsprozesse. Als Schlankheitsweg aber ist Fasten eher ungeeignet.
Wer sein Gewicht reduzieren möchte, sucht nach geeigneten Möglichkeiten, überschüssige Pfunde zu verlieren und dabei möglicherweise seiner Gesundheit einen wertvollen Dienst zu leisten.
Eine Fastenzeit scheint sich für diese Zwecke geradezu anzubieten. Denn auf jeden Fall purzeln die Pfunde, wenn der Körper gar keine Kalorien erhält.
Aber langfristig sind die Ergebnisse eher enttäuschend. Und dafür gibt es einleuchtende Gründe:


- Jo-Jo-Effekt ist vorprogrammiert
- Muskelmasse wird abgebaut
- Haut und Gewebe erschlaffen
- Energieverlust droht


Freilich, in der ersten Zeit des Fastens fühlt man sich super-wohl. Besonders wenn die ersten Tage des „Essenentzugs“ überwunden sind. Der Körper fühlt sich federleicht an, der Geist ist klar und Hunger ist weit weg. Jeder Schluck Wasser macht vollkommen satt. Man ist beherrscht von der Gewissheit, dass Nahrung nur belastend wäre.
Und die Waage belohnt täglich den Verzicht auf die leiblichen Genüsse. Die Pfunde schmelzen dahin, wie Schnee in der Sonne.
Insgesamt befindet sich der Anwender in einer Phase körperlicher und seelischer Euphorie, in der die Laune sich hebt, man das Gefühl hat, es könnte jetzt alles gelingen.
Begeisterte Anwender des Fastens verbinden diese Zeit sogar mit Wanderungen, bei denen nicht selten anstrengende Strecken bewältigt werden.
Beim Fastenbrechen dann wird der Körper erst langsam wieder an feste Nahrung gewöhnt. Jeder Bissen ist ein einziger Genuss und wird intensiv wahr genommen.
Um viele Pfunde erleichtert, startet man dann wieder in den Alltag.
Und der ist für Menschen, die ohnehin Probleme mit Überernährung und somit ihrem Gewicht haben, mehr als enttäuschend. Denn in keiner Zeit des Lebens nimmt der Mensch so schnell zu, wie  n a c h  dem Fasten.


Jo-Jo-Effekt ist vorprogrammiert


Schuld daran ist die Homöostase. Dieser Mechanismus schützt den Körper vor dem Verhungern. Die Homöostase sorgt dafür, dass in allen Systemen jeweils der gewohnte Status erhalten bleibt. Herrscht irgendwo Notstand, wird etwas entzogen, können entsprechende Hormonausschüttungen, die Hunger und Appetit regeln, umgehend für Ausgleich sorgen.
Der Körper ist immer auf Erhalt programmiert. Er kümmert sich wenig darum, wie schlank wir sein wollen und wie es um unsere Wünsche bestellt ist.
Hier geht es ausschließlich um das Wahren eines einmal erreichten Levels.
So wird erklärlich, weshalb nach einem so „gewaltsamen“ Entzug von Nahrung der Körper in einen Mangelzustand gerät und in höchste Alarmbereitschaft versetzt wird. Sofort beginnt die Homöostase damit, den gewohnten Zustand wieder herzustellen.


Muskelmasse wird abgebaut


Der Körper besteht aus Wasser, Muskelmasse, Fettmasse und Knochen. Muskelmasse ist der Teil des Körpers, der metabolisch wirksam ist, Energie verbrennt und die den gesamten Körper stützt. Muskeln sind dafür verantwortlich, dass Gewebe fest ist und die Haut straff bleibt.
Muskelmasse besteht, wie alle lebenden Zellen, aus Eiweißbausteinen, den Aminosäuren. Diese werden vorwiegend mit der Nahrung zugeführt.
Auch unsere Organe sind aus Eiweiß aufgebaut.
Kommt es durch radikalen Nahrungsentzug zu einem Abbau, schützt der Körper die lebenswichtigen Organe und tut sich an den nicht ganz so wichtigen Muskeln gütlich. Diese fallen also zuerst dem Fasten zum Opfer, bevor es zum eigentlich gewollten Fettabbau kommen kann.
Dieser Abbau kann nur dadurch verhindert werden, dass täglich genügend wertvolles Eiweiß in der Nahrung enthalten ist.


Der tägliche Eiweißbedarf des Körpers


Die Ernährungswissenschaften gehen davon aus, dass der menschliche Körper pro Tag pro Kilogramm Körpergewicht etwa 0,8 Gramm Eiweiß benötigt, um seinen metabolischen Aufgaben nachkommen zu können. Das wären bei einer Person mit 60 kg Körpergewicht, etwa 50g Eiweiß pro Tag. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jedes Eiweiß-Nahrungsmittel, wie etwa Fleisch, nicht zu 100 Prozent aus Eiweiß besteht, sondern nur einen bestimmten  E i w e i ß a n t e i l  hat.


Metabolismus


Diese Bezeichnung kommt aus dem griechischen und bedeutet Stoffwechsel. Gemeint ist damit die Aufnahme, der Transport und die chemische Umwandlung von Stoffen im Organismus, sowie die Abgabe von Stoffwechsel-Endprodukten an die Umgebung. Unterschieden wird in Baustoffwechsel, der für Ernährung und Aufbau zuständig ist und Energiestoffwechsel, der der Energiegewinnung dient und die Körperfunktionen aufrecht erhält.


Der Wert einer Fastenkur


Fasten ist eine Form menschlicher Kultur und beinhaltet eine verminderte Nahrungsaufnahme oder den völligen Nahrungsverzicht.
Das Wort Fasten kommt vom gotischen fastan, was (fest) halten entspricht.
Das versinnbildlicht das Gebot des Festhaltens an Enthaltsamkeit. Dieser Begriff ist in allen Religionen belegt.
Dabei geht es auch nicht nur um den Verzicht von Nahrung allgemein, sondern auch von der Abstinenz für Genussmittel aller Art.
In Bezug auf die Gesundheit war das Ziel des Fastens die Reinigung, die Entschlackung und die Entlastung des Verdauungstraktes.


Der psychische Effekt des Fastens


Jeder Fastende spricht davon, dass seine geistigen Fähigkeiten auf erstaunliche Weise geschärft waren, während er fastete. Dafür mag es verschiedene Gründe geben. Zum einen ist der Körper nicht mit anstrengender Verdauungsarbeit befasst und kann sich ausschließlich um Regenerations- und Reparationsarbeiten beschäftigen. Zum anderen könnten die geschärften Sinne durchaus eine Überlebensstrategie aus Urzeiten darstellen, in denen die erhöhte Aufmerksamkeit notwendig war, um in Mangelzeiten Kräfte und Ideen zur Nahrungsversorgung frei zu haben.


Haut und Gewebe erschlaffen


ununterbrochen für Auf- und Abbau, für Umbau und Versorgung des Körpers, kurz für den Stoffwechsel zuständig sind, nicht ordnungsgemäß stattfinden. Somit wird das Gewebe nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt und fällt regelrecht in sich zusammen. Eine schlaffe Haut und ein schlaffes, muskelarmes Gewebe ist an Betroffenen zu beobachten, die mit Hilfe des Fastens größere Mengen an Körpergewicht verloren haben.


Energieverlust droht


In der ersten Begeisterung über die verlorenen Pfunde fällt es dem Anwender einer längeren Fastenkur kaum auf, dass er auch viel an Energie und Kondition eingebüßt hat.
Aber - durch den großen Abbau an Muskelmasse werden nach der Fastenzeit viel zu wenige Kalorien verbrannt. Das führt zu Müdigkeit, Schlappheit und Ansammlung von Fettzellen. Ein Effekt also, der mit Sicherheit nicht erwünscht war.


Logische Schlüsse


Viele Studien beweisen, dass eine Fastenkur für Übergewichtige eine kontraproduktive Wirkung hat. Anfänglicher Gewichtsverlust wird schnell wieder aufgeholt. Zusätzlich ufern die Systeme, die für die Sättigungsgrenze, für Hunger und Appetit zuständig sind, noch mehr gestört, als sie bei Betroffenen ohnehin sind.
Wer abnehmen will, sollte sich für ein Ernährungskonzept entscheiden, dass auch während der Zeit der Gewichtsreduktion die Nährstoffversorgung sicherstellt. Ratsam ist außerdem, dass schon während einer solchen „Ausnahmezeit“ die Ernährungsgewohnheiten installiert und eintrainiert werden, die danach im Alltag angewendet werden sollen.
Übrigens nimmt man in einer Fastenkur nicht mehr ab, als mit einer moderaten, intelligent zusammengestellten Diät mit 1000-1100 kcal.
“Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe tägliche Hautpflege und Körperübung – und heile ein kleines Weh durch Fast als durch Arznei.“
Hippokrates


Die wahren Ziele einer Fastenkur


- Buße tun durch Verzicht (religiös geprägt)
- Gewinn seelischer Harmonie und Demut
- Förderung der Wahrnehmung durch Entzug
- Wertschätzung der Nahrung durch Mangel
- Erhöhung der Willenskraft
- Bewusstwerden von physischer Kraft
- Erspüren der eigenen Macht über den Körper


Kontrolle über physische Vorgänge im eigenen Körper 

   
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