Tinnitus ist kein unüberwindbares Schicksal

Anja Wanner-Moritz Heilpraktikerin, Berlin
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Betroffene klagen über Klopfen, Hämmern, Rauschen, Klingeln, Summtöne in jeder Tonlage, oder andere störende Geräusche, die sie ständig „im Ohr haben“ und die sich nur schwer oder gar nicht vertreiben lassen.
Nur selten kommen solche Beschwerden „einfach so“, vielmehr gibt es dafür immer Gründe. Die Patienten befinden sich fast ausnahmslos in einer seelischen und körperlichen Stresssituation. Es ist beinahe so, als wolle der Körper Signale aussenden, wie: „Nimm dein Tempo zurück, zieh die Notbremse, du hast dir zuviel aufgeladen, mehr kannst du nicht tragen!“
Oder es hat in der Vergangenheit Unfälle oder Stürze gegeben, die das Skelettsystem „aus dem Lot“ gebracht haben.
Der Grund für die Dauertöne im Ohr sind in der Regel Fehlstellungen im Bewegungsapparat und dadurch ausgelöste Verspannungen im Gewebe und Muskelverkrampfungen. Dadurch ist eine ordnungsgemäße Durchblutung nicht mehr gegeben. Jede Stresssituation erhöht diese Blockaden, so dass sich die Beschwerden dadurch noch verschlimmern.
Bei einigen Patienten lassen die Beschwerden nach, oder verschwinden ganz, wenn die belastende Situation sich entspannt.
Die Schulmedizin setzt in akutem Fall durchblutungsfördernde Medikamente ein und hat damit auch oftmals schnelle Erfolge: die Ohrgeräusche lassen nach.
Tauchen sie nach einer gewissen Zeit wieder auf, wird es zunehmend schwieriger, positive Behandlungsergebnisse zu erzielen. In vielen Fällen lassen sich dann die Geräusche gar nicht mehr auflösen, der Tinnitus ist chronisch geworden und begleitet die Betroffenen meistens ein ganzes Leben lang.
Nach meiner Auffassung gibt es für langfristig erfolglose Behandlungen des Tinnitus zwei grundlegende Fehler:


1) Die belastenden Lebensumstände des Patienten sind nicht verändert worden, er ist weiterhin den Stresssituationen ausgesetzt, die Tinnitus erst begünstigen.
2.) An der gesamten Wirbelsäule, am Kreuzbein, bis hin zu dem knöchernen Schädel, ist es in den umgebenden Strukturen zu Spannungen gekommen, die vom Steißbein, bis hin zu den Kiefergelenken reichen können. Dadurch kann die Durchblutung im Innenohrbereich behindert sein. Wird diese Spannung nicht gelöst, können Beschwerden nur mit vorübergehendem Erfolg behandelt werden.


Die CranioSacral-Methode


Seit vielen Jahren behandle ich Tinnitus-Patienten mit gutem Erfolg. Auch dann, wenn die Ohrgeräusche längst chronisch geworden sind und der Patient die Hoffnung auf Linderung aufgegeben hat.
Die Grundlage dieser Behandlungsweise ist, die Harmonie zwischen Struktur und Nervensystem wieder herzustellen, d.h. die Wirbelsäule, Schädelknochen, Kreuzbein und alle umliegenden Strukturen wieder frei beweglich zu machen und Blockierungen und Verspannungen zu lösen. Das geschieht durch sanfte Einwirkung, auch auf Schädelnähte, wenn diese verschoben sind.
Eine Selbstregulierung aller Körpersysteme erfolgt auf eine CranioSacral-Therapie.
Immer wieder versetzt es auch mich noch heute in Erstaunen, wie rasch der Körper re-agiert. So reichen nicht selten eine oder wenige Sitzungen, um beispielsweise Nacken- oder Kreuzschmerzen zu lindern, oder den Patienten gänzlich von Kopfschmerzen zu befreien.
Je nach Hartnäckigkeit der Problematik gelingt dies auch meistens bei Tinnitus-Beschwerden nach einigen Behandlungen.
„Schmerz ist der Schrei des Gewebes nach fließender Energie“ (Dr. Voll)
Schmerz entsteht dann, wenn Nerven blockiert oder unterbrochen sind, wenn Spannungen zu Muskel-Verkrampfungen führen, wenn Blut nicht in Adern, sondern aus Wunden fließt.
Heilung muss von innen heraus geschehen. Sie beginnt mit der Regelung dieses ureigenen Rhythmus zum Normalen hin. Denn:


„Auf die Normalisierung folgt die Funktion!“


Es ist ziemlich sinnlos, eine „Folge“ von Unordnung, also ein Symptom, losgelöst von seinen Ursachen, zu behandeln. Vielmehr geht es hier um eine Basistherapie, die eine Regeneration aller, mit ihr verbundenen Systeme ermöglicht.
Eine sinnvolle Schmerzbekämpfung hilft dem Körper demnach seine Selbstheilungskräfte zu nutzen.
Es ist bemerkenswert, dass in vielen Fällen der Behandlung mit der CranioSacralen-Therapie schon nach einer oder mehreren Sitzungen Schmerzlinderung bis hin zu völliger Schmerzfreiheit erreicht werden kann.
Das ist ein Beweis dafür, wie stark die blockierenden Spannungen wirken und dass sie zügig aufgehoben werden können.


Fallbeispiele aus meiner Praxis:


Tinnitus durch Sturz


Wer denkt bei Ohrgeräuschen an einen jahrelang zurückliegenden Sturz auf den „Allerwertesten“? Meine Patientin, deren „Schreibaby“ ich vor Jahren erfolgreich behandelt hatte, jedenfalls nicht. Sabine B., so heißt die junge Frau, suchte mich auf, weil Medikamente ihr nicht hatten helfen können. Sie litt unter ständigem Klingeln im Ohr, das manchmal relativ leise war, dann wieder heftig anschwoll. Infusionen im Krankenhaus und Tabletten hatten immer nur vorübergehend die Beschwerden gemindert. Nach wenigen Wochen seien sie jedoch jedes Mal wieder zurückgekehrt. Frau B. fürchtete nun, die Geräuschbelästigung nie mehr loszuwerden.
Von einem Training, das ihr helfen sollte, die Klingeltöne zu ertragen, hatte sie sich auch einiges versprochen. Aber sie sagte mir verzweifelt: „die Töne sind einfach noch da und es gelingt mir nicht, sie zu überhören“.
Ich fragte die Patientin natürlich nach ihren Lebensumständen. Einen sonderlich stressigen Alltag hatte sie eigentlich nicht. Die zwei wohlgeratenen Kinder waren in Kindergarten und Schule integriert, Frau B. arbeitete halbtags als Sprechstundenhilfe bei einem Zahnarzt, sie führte eine glückliche Ehe und verfügte über familiäre Unterstützung und einen netten Freundeskreis. Wirtschaftliche Sorgen gab es auch nicht.
Ich erkundigte mich auch nach Stürzen, denn diese sind nicht selten Auslöser für Tinnitus. Dunkel erinnerte sich Frau B., dass sie einmal ausgerutscht sei und böse auf das Steißbein gefallen war. Sie hatte damals sogar das Baby auf dem Arm gehabt, das dabei aber nicht zu Schaden gekommen war. Jetzt war ihr sogar wieder gegenwärtig, dass ihr nach dem kleinen Unfall speiübel geworden sei und sie sich für einen Moment hinlegen musste. Ihrem Mann hatte sie später gezeigt, dass ein riesiger blauer Fleck, der sogar etwas geschwollen war, noch eine ganze Weile auf dem Steißbein prangte. Etwas verwundert registrierte sie mein Interesse an den Einzelheiten dieses kleinen Vorfalls. Sie konnte sich wohl kaum vorstellen, wie ich darin einen Zusammenhang mit ihren Ohrengeräuschen sehen könnte.


Meine Diagnose


Bei der Untersuchung der Patientin bestätigte sich meine Vermutung. Ihr Steißbein war völlig blockiert. Das konnte durchaus von dem damaligen Sturz herrühren. Ein blockiertes Steißbein wirkt wie ein Anker für die Wirbelsäule. Diese wird damit am unteren Ende festgehalten. Dadurch ist die Flexibilität der Wirbelsäule mitsamt den sie umgebenden Strukturen eingeschränkt.
Die Folge ist auch eine Blockade am oberen Ende des Systems, die eine zunehmende Spannung im gesamten Membransystem und die Behinderung der Craniosacralen Bewegungen nach sich zieht. Die Spannung reicht bis hin zum Kiefergelenk und verhindert die nötige Durchblutung im Innenohrbereich, was die Ohrgeräusche verursachen kann.


Die von mir angewandte Therapie


Die blockierten Knochen und Wirbel bedurften einer Lockerung. Die Basis dafür ist eine Korrektur des gesamten CranioSacral-Systems. Durch diese Lösungen gelang es, den Blutdurchfluss wieder zu ermöglichen.


Der Behandlungserfolg


Nach nur drei Behandlungen hörte die Patientin keine Geräusche mehr. Meine Untersuchung ergab, dass im Gewebe Selbstregulation eingesetzt hatte. Dieses System sollte erst einmal ungestört wirken. So vereinbarten wir erst nach einigen Wochen erneut drei Therapiestunden. Bis heute klagt Frau B. nicht mehr über störende Geräusche.


Mein spezieller Rat


Stürze können ernst zu nehmende Stauchungen, Verschiebungen, Spannungen verursachen. Es empfiehlt sich generell nach solchem Unfall eine CranioSacrl-Behandlung, damit eine mögliche Abweichung wieder „ins Lot“ gebracht und Folgeschäden dadurch vermieden werden.


Tinnitus durch Stress


Lothar G. litt schon geraume Zeit an Ohrgeräuschen, die manchmal leise auftraten und dann für ihn erträglich waren. In Stresssituationen jedoch verschlimmerten sie sich derart, dass er es kaum aushalten konnte.
Herr G. hatte in einer Zeitschrift über CranioSacral-Therapie gelesen und er erhoffte nun von der Behandlung mit dieser Methode Hilfe.
Der Patient berichtete auf mein Befragen von seinem Leben, dem Beruf: er war 47 Jahre alt und in einem renommierten Industrieunternehmen in leitender Funktion tätig. Wegen der verschärften internationalen Konkurrenz in seiner Branche sei er recht gefordert. Die Firma kämpfte ständig um Aufträge und jüngere Kollegen drängten nach, so dass Herr G. unter enormem Leistungsdruck stand. An sich sei der Beruf sehr interessant und mache auch Spaß, aber in letzter Zeit sei alles ein bisschen viel geworden. Zudem hätte er vor wenigen Jahren gebaut. Dafür hatte er sich relativ hoch verschuldet. Alles in allem stünde er unter erheblichen finanziellen Druck. Seine Angst sei nun, diesem Stress auch deshalb nicht mehr lange gewachsen zu sein, wenn das schreckliche Gehämmer in seinem Kopf sich nicht mindern ließe. Auch sei er zunehmend gereizt, nervös, ja sogar aggressiv. Und das leider auch im privaten Bereich.
Ohne, dass ich groß nachfragen musste, hatte mir Herr G. bereits geschildert, woher seine Beschwerden rührten. Es war seine Stresssituation, die als Ursache auszumachen war.


Meine Diagnose


Die Stresssituation hatte bei dem Klienten zu erheblichen Verspannungen, besonders auf den Kiefergelenken geführt. Diese werden durch nächtliches Aufeinanderbeißen der Zähne und Zähneknirschen noch erhöht. Dabei werden die Probleme des Tages praktisch noch mal „durchgekaut“. Da jedoch auf diese Weise keine Lösung erreicht werden kann, verkrampfen sich die Muskeln und ihre Hüllen (Faszien) noch stärker und verhindern eine ordnungsgemäße Durchblutung in dieser Region. Die Folge ist ein Einsetzen des Domino-Effektes der Gesamtverspannungen: die Halswirbelsäule ist dann nicht frei und die Muskulatur von Nacken und Schultern ist ebenfalls verkrampft und die Strukturen im Schädel sind nicht beweglich.


Die von mir angewandte Therapie


Das Ziel ist, dem CranioSacralen System Freiraum zu verschaffen, das Kiefergelenksyndrom musste behandelt werden dafür, die Beweglichkeit der Schädelnähte hergestellt werden. Der nächste Schritt war, die Halswirbelsäule von den beengenden Strukturen zu befreien, die bis hinunter zum Kreuzbein reichten. Erwirkt wird damit, eine bessere Durchblutung im gesamten Körpergewebe, in diesem Fall wirkt sich diese gesteigerte Durchblutung auch auf das Innenohr des Patienten aus und vermindert im Laufe der Zeit die störenden Ohrgeräusche.


Der Behandlungserfolg


Bei Herrn G. konnte nach zehn Behandlungen eine deutliche Besserung seiner gesundheitlichen Situation erzielt werden. Die Ohrgeräusche sind über lange Strecken völlig verschwunden und treten nur in Stresssituationen auf.
Insgesamt ist der Patient jetzt weniger nervös und kann besser entspannen.
Da wegen seiner besonderen beruflichen Situation jedoch mit einem Rückfall zu rechnen ist, empfehle ich bei den ersten Anzeichen dafür zu je drei weiteren Therapiesitzungen.


Mein spezieller Rat


Tinnitus hat oft auch mit verdrängten seelischen Konflikten zu tun. Der Patient muss die Bereitschaft aufbringen, diese anzuschauen und möglichst zu lösen. Das gleiche gilt für die Stressfaktoren. Werden diese nicht „entschärft“, ist nicht mit dauerhaften Heilerfolgen zu rechnen. Herr G. muss es lernen, sich nach Phasen der Anspannung, auf Ent-Spannung einzulassen. Dazu empfehle ich Yoga, lange Spaziergänge im Wald oder über Felder, ruhige klassische Musik, mit deren Hilfe Alltagsgeräusche „ausgeblendet“ werden.


Das CranioSacrale System
Cranium = knöcherner Schädel
Sacrum = zum Kreuzbein gehörend


Das System besteht aus den drei Schichten der Schädelauskleidung und des Rückenmarkkanals. Diese Membranschichten, bestehend aus unseren Hirnhäuten bzw. Rückenmarkshäuten,  wirken wie ein hydraulisches System und folgen einem eigenen Rhythmus von 6 bis 12 Ausschlägen pro Minute. Nur wenn dieser Rhythmus, der für alle Körperfunktionen als Takt-Geber gilt, ungestört ablaufen kann, können alle Regelkreise und Reparaturmechanismen des Körpers optimal wirken.
Der Therapeut/die Therapeutin erreicht durch sanfte Berührungen, dass die Bewegung des Kreuzbeines wieder hergestellt wird, dass die oberen Wirbel vom Kopf gelöst sind, dass Verschiebungen der Schädelnähte korrigiert und Nervenaustrittspunkte an der Wirbelsäule freigelegt werden, um Schmerzfreiheit zu erreichen.


Buchtipp:


„CRANIOSACRAL, sanfte Hände lösen Schmerzen“, Autorinnen Anja Wanner-Moritz und Ingrid Schlieske, Turm Verlag, beziehbar (mit 2,00 Euro Versandkosten) bei Lebenslinie Vegetarischer Versandservice GmbH, Tel.: 06046/956677
Fax: 06046/958866
E-Mail: info@lebenslinie-versand.de
Internet: www.lvegetarischerversand.de
Ausbildung zum CranioSacral-Therapeuten unter:
E-Mail: anja.moritz@onlinehome.de
Internet: www.cranioberlin.de
Ausbildungsangebote:
www.Meridian-energie-technik.de
www.Heilpraktiker-lehrinstitut.de