Klassische Homöopathie - die Medizin der Zukunft

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Die Homöopathie ist ein ganzheitliches, wissenschaftliches Heilsystem, das für sämtliche Gelegenheiten des Lebens bereit steht. Viele von der Schulmedizin als unheilbar krank angesehene Menschen könnten mit der Klassischen Homöopathie schnell, dauerhaft und mit geringem Aufwand geheilt werden. Aber nicht nur für chronische Krankheiten aller Art, auch für akute Beschwerden auf jedem Gebiet, birgt die Homöopathie eine breite Palette hochwirksamer Medikamente.
Es gibt Mittel bei Schwierigkeiten in der Schwangerschaft, bei der Entbindung, bei Kinderkrankheiten, Zahnungsbeschwerden, gegen hartnäckige Folgen schlecht vertragener Narkosen, gegen krankhafte Auswirkungen von Ärger oder Kummer, bei Virusinfektionen, Lebensmittelvergiftungen, Verletzungen und zur schnelleren Heilung von Knochenbrüchen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Klassische Homöopathie ist eine schwierige Kunst, die ein lebenslanges Studium erfordert. Die Praxis verlangt viel Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, Scharfsinn und Intuition.
Die Patienten sollten mündig genug sein, um aus ihrer passiven Haltung herauszufinden. Ihre Mitwirkung an der Heilung besteht darin, ihr gesamtes Beschwerdebild offen und möglichst genau darzulegen.
Vergleicht man diese Anforderungen mit dem Aufwand, den die heute praktizierte Schulmedizin sowie die landläufige Homöopathie betreiben, schneidet die klassische Homöopathie deutlich besser ab, sowohl für die Kranken (mehr Gesundheit) wie für die Therapeuten (mehr Befriedigung) als auch für die Krankenkassen (weniger Kosten). Die klassische Homöopathie wartet noch auf ihre Anerkennung als Medizin der Zukunft – doch deutet die derzeitige Entwicklung bereits stark in diese Richtung.
Samuel Christian Friedrich Hahnemann wurde 1755 in Meißen geboren. Mit 20 Jahren begann er in Leipzig sein Medizinstudium.
Durch einen Selbstversuch mit Chinarinde kam Hahnemann zu dem Schluss der „Simileregel“: „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“.
Obwohl schon die alten Inder, Hippokrates und Paracelsus diese Regel kannten, entwickelte Hahnemann als Erster praktische Anwendungsmöglichkeiten. An sich selbst und freiwilligen Versuchspersonen erforschte er die Wirkung einer Vielzahl von Stoffen aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich, die er in seiner Arzneimittellehre dokumentierte.
Ab 1811 hielt Hahnemann an der Universität Leipzig 10 Jahre lang zweimal wöchentlich Vorlesungen über Homöopathie. Durch seine heftigen Angriffe auf die Schulmedizin wurde er aber bald zum Ärgernis von Ärzten und Apothekern. Da er wegen des berechtigten Misstrauens gegen die Apotheker außerdem genötigt war, seine Arzneien (verbotener Weise) selbst zu dispensieren, kam es schließlich über ein Gerichtsurteil zur Ausweisung.
Von Neid und Missgunst verfolgt, zogen die Hahnemanns 1821 nach Köthen. Hier endlich wendete sich das Schicksal, Hahnemann und seine Familie kamen erstmals zu Wohlstand und Anerkennung. Die Kranken kamen scharenweise, oft von weither, so dass Hahnemann einer der beschäftigtsten Ärzte der Welt wurde. Seinen Gönner, den Herzog von Anhalt, rettete er von schwerer Krankheit und wurde dafür zum Hofrat und Leibarzt ernannt.
Durch die Erfolge bei der Choleraepidemie 1831 gewann die Homöopathie dann auch unter den Ärzten viele Anhänger. Auch bei allen anderen Epidemien des 19. Jahrhunderts war die Homöopathie ungleich erfolgreicher als die Allopathie.


Über die Ursachen von Krankheit


Der Mensch als vielschichtiges Wesen besteht aus dem materiellen Leib und feinstofflichen Körpern, in der Homöopathie wird dieser unsichtbare Wesenskern „Lebenskraft“ genannt. Ist die Lebenskraft vollkommen in Ordnung und im Gleichgewicht, können wir von Gesundheit im eigentlichen Sinne sprechen.
Ein Mensch mit gesunder Lebenskraft vermag Einwirkungen von außen (zum Beispiel Infektionen, Verletzungen, schockierende Nachrichten) in der Regel ohne fremde Hilfe zu überwinden oder zu verkraften. Wir nennen dies Selbstheilungstendenz oder Immunität.
Bei einem Menschen mit intakter Abwehrkraft finden zum Beispiel Krankheitserreger entweder keine Angriffsfläche oder sie werden vom Organismus in einem kurzen Kampf überwältigt. Diese Auseinandersetzung zeigt sich zum Beispiel als Fieber, Hautausschlag, Schnupfen, Durchfall oder Entzündung: durchaus zweckmäßige Abwehr- bzw. Ausgleichs- oder Heilreaktionen.
Die Homöopathie sieht grundsätzlich in allen Symptomen Anstrengungen des Körpers (bzw. der Lebenskraft), um das verloren gegangene Gleichgewicht wieder herzustellen.
Leider werden diese Reaktionen meist als eigene Krankheiten missverstanden und mit allopathischen Methoden gehemmt oder abgewürgt. Dies führt sehr häufig zu den bekannten „Komplikationen“ und „Rückfällen“. Auf diese Weise kann eine Krankheit chronisch werden, weil durch eine Unterdrückung der Symptome die Verteidigungsmaßnahmen des Organismus ebenfalls geschwächt werden.
Nach den Regeln der homöopathischen Kunst werden akute, exogen bedingte Erkrankungen mit Tief- oder Hochpotenzen von pflanzlichen homöopathischen Mitteln behandelt, was die körpereigene Abwehrkraft stärkt. Wird so die Ursache der Krankheit überwunden, verschwinden Krankheitssymptome wie Fieber etc. von selbst und der Gesundheitszustand ist stabiler als zuvor.
Zu den durch äußere Einflüsse entstandenen Krankheiten zählen:


- Unvermeidbare Belastungen durch Umweltverschmutzung, Straßenlärm usw.
- Vermeidbare Schädigungen durch übermäßigen Stress, Schlafmangel, Alkohol- und Nikotin-Missbrauch, Fehlernährung, Drogen, Midizinalgifte
Besonders die vitalstoffarme Zivilisationskost („gut bürgerliche Küche“, „Fast Food“) ist für konstitutionelle Schwächen in den Folgegenerationen verantwortlich.
Durch den Arzt hervorgerufene Schädigungen:
- Die rein symptomatisch und oft unterdrückend wirkenden allopathischen Arzneien mit ihren Nebenwirkungen
- Belastende Diagnosetechniken, zum Beispiel Röntgen, Szintigramm usw.
- Unterdrückende Operationen: a) Entfernung von „Lokalübeln“, zum Beispiel Zysten, Warzen, Muttermalen, Fisteln, Hämorrhoiden usw.. Diese pathologischen Gebilde wurden von der Lebenskraft als Ventilfunktion oder zur Entlastung wichtiger Organe geschaffen; b) Entfernung von erkrankten Organen, zum Beispiel Mandeln, Blinddarm, Gallenblase, Gebärmutter, Schilddrüse usw., auch hierbei folgen sehr häufig alternative Beschwerden nach, wobei der Zusammenhang meist nicht erkennbar ist, da sich die „neue“ Krankheit völlig anders und oft noch schwerwiegender darstellt, zum Beispiel als Allergie, chronische Bronchitis, Bluthochdruck, Herzleiden usw..


Es fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die Menschen auf solche Schädigungen, ungesunde Gewohnheiten oder Belastungen aller Art reagieren, manche vertragen mehr, andere weniger. Die Homöopathie gibt für dieses Phänomen folgende Erklärung: Wenn die Lebenskraft eines Menschen durch Verunreinigungen „verstimmt“ ist, so verliert der Organismus allmählich seine Selbstheilungstendenz, und selbst bei robusten Naturen und gesündester Lebens- und Ernährungsweise schreitet die Krankheit unaufhaltsam voran, auch wenn sie sich oft lange Zeit still verhält, latent bleibt.
Die Idee der „verstimmten Lebenskraft“ ist Frucht jahrzehntelanger Forschungen Hahnemanns. Seine Lehre sagt, dass alle chronischen sowie alle immer wiederkehrenden (sich oft unterschiedlich zeigenden, also scheinbar voneinander unabhängigen) akut verlaufenden Krankheiten eine gemeinsame Ursache haben.
Hahnemann ging davon aus, dass die Ursache in angeborenen, manchmal auch erworbenen „Verunreinigungen“ besteht, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sofern keine wirkliche Heilung erfolgt.
Hahnemann entdeckte verschiedene Arten von Verunreinigungen und fand heraus, dass diese nur durch bestimmte, tiefgreifend wirkende homöopathische Medikamente geheilt werden können. Er nannte diese Konstitutionsmittel.
Die Homöopathie setzt durch das individuelle Konstitutionsmittel in Hochpotenz einen Heilungsimpuls, der die Störung grundlegend beseitigt, vorausgesetzt, dass noch genügend regenerierungsfähiges Gewebe vorhanden ist.
Bei einer Verstimmung der Lebenskraft kommt es zunächst zu Ausscheidungsvorgängen, die entgiftend und ausgleichend wirken (z.B. Schnupfen, Ekzem, Durchfall usw.). Reichen diese Selbstheilungsbestrebungen des Organismus nicht mehr aus oder werden sie unterdrückt, dann folgen die so genannten funktionellen Krankheiten.
Dabei sind die Funktionen einzelner oder mehrerer Organe gestört und verursachen oft erhebliche Beschwerden. Krankhafte Veränderungen der Organe sind jedoch nicht feststellbar. Dem einseitig kausalanalytisch denkenden Arzt bleibt dann nichts anderes übrig, als eine Verlegenheitsdiagnose, zum Beispiel „Vegetative Dystonie“, zu stellen und ein Schmerz- oder Beruhigungsmittel zu verschreiben.
Wird in diesem Stadium wiederum keine echte Heil-Behandlung durchgeführt, so kommt es nach einer unterschiedlich langen Zeitspanne zur dritten Phase der Krankheit, zu den organischen Veränderungen.
Auch noch auf dieser Ebene versucht der Körper über die Sprache der Symptome auf sein Grundleiden aufmerksam zu machen: auf die erkrankte, verstimmte Lebensenergie.
Da die Schulmedizin die Ursache der Krankheit jedoch im erkrankten Organ sieht, versucht sie, mit drastischen Mitteln darauf einzuwirken oder das Organ zu entfernen.
Die Disharmonie der Lebenskraft wird so nicht aufgehoben, Harmonisierung oder Heilung nicht erreicht, und so sucht der Organismus nach einer anderen Schwachstelle, und zwar gesetzmäßig an einem zentraler gelegenen, lebenswichtigeren Organ, das daraufhin erkrankt. So erklären sich zum Beispiel die häufig auftretenden Asthmaanfälle nach dem „Zuschmieren“ eines Hautausschlages, das heißt, dem Verstopfen dieses Ventils. Fataler Weise wird dieser Zusammenhang meist nicht erkannt und der Hautarzt ist weiterhin stolz auf seine Leistung. Die Patienten wandern weiter von einer fachmedizinischen Praxis zur nächsten und werden zunehmend ernsthafter krank. Erst wenn der Teufelskreis sich immer enger und auswegloser schließt, beginnen sich viele zu fragen: „Warum dies und weshalb gerade mir?“
Sobald die Frage nach dem Sinn gestellt wird und die Suche danach aufrichtig und intensiv erfolgt, finden wir auch eine Antwort.


Die Grundsätze der Allopathie


Allopathie ist die Bezeichnung, die Hahnemann für die der Homöopathie entgegengesetzte Therapie einführte. Sie entspricht der heutigen Schulmedizin.
Ihre Prinzipien sind: Gegensätzlichkeit (Contraria contrariis), Materielle Arznei und Prüfung durch Tierversuch.
Der Grundsatz der Gegensätzlichkeit bedeutet, dass ein Patient mit Durchfall ein Stopfmittel und der Verstopfte ein Abführmittel erhält, wobei die Ursache jeweils nicht geheilt wird.
Materielle Arznei heißt, dass in einem Medikament so viel Substanz vorhanden sein muss, um auf chemisch-pharmazeutischem Wege nachgewiesen werden zu können.


Die Grundsätze der Homöopathie


Die Homöopathie beruht auf den drei Prinzipien:


- der Ähnlichkeit (Similia similibus curentur)
- der speziellen Arzneizubereitung und
- der Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen


Das Ähnlichkeitsgesetz wurde von Hahnemann so formuliert: „Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden erregen kann als sie heilen soll!“
Mit anderen Worten: „Die Homöopathie ist eine Form der arzneilichen Regulationstherapie, welche die Selbstheilungstendenz des Organismus anregt und steuert.“
Das Ähnlichkeitsgesetz hat übrigens nicht nur für die Homöopathie grundlegende Bedeutung, sondern ist ein universelles Heil-Prinzip:


- Wenn zu einer vorhandenen Krankheit eine stärkere, ähnliche hinzutritt, heben sich beide gegenseitig auf. Ich erlebte zum Beispiel die Heilung einer Bindehautentzündung durch einen Bienenstich auf die Stirn
- Bei Hitze sind warme Getränke oder Duschen zuträglicher, da bei Kältezufuhr der Organismus sich darauf einstellt und die Abgabe von Körperwärme drosselt, wodurch man in der Nachwirkung noch mehr schwitzt als vorher
- Bei einer Verbrennung ist es am vorteilhaftesten, wenn auf die verbrannten Hautpartien sofort ein Umschlag mit heißem Wasser (ca. 60 Grad) oder erwärmtem Alkohol gelegt wird oder die Stelle wieder vorsichtig der Hitze angenähert wird. Es schmerzt zwar gemäß der „homöopathischen Erstverschlimmerung“ vorübergehend noch mehr, aber die Heilung geht wesentlich schneller und reibungsloser vonstatten als bei der allopathischen Methode der sofortigen Abkühlung durch kaltes Wasser
- Wer sich gestoßen hat, drückt unwillkürlich nochmals auf diese Stelle
- Ein Muskelkater vergeht schneller durch wiederholte Bewegung als durch völlige Ruhe
- Die Geistes- und Muskelkraft bildet und erhält sich nur durch Betätigung und Anstrengung, nicht durch Schonung
- Nach langem Fasten dürfen zunächst nur kleine Mengen Nahrung zugeführt werden
- Erfrorene Körperteile werden zuerst mit Schnee abgerieben
- Die psychotherapeutische Technik der „paradoxen Intention“: Wer zum Beispiel vermeiden will, ständig zu erröten, soll nicht dagegen ankämpfen, sondern diesen Zustand geradezu herbeisehnen. Oder, wer nicht einschlafen kann, soll sich wünschen, wach zu bleiben
- Ein Drama anzuschauen hilft bei der Überwindung einer Schwermut durch die „aufbereitete“ Art des ähnlichen Schicksals, während eine Komödie nach dem Gegensatz-Prinzip zwar kurzfristig erfolgreich sein kann, eine tiefergehende Depression jedoch anschließend eher verschlimmert
- Christus wurde am Kreuz zur heilenden Ähnlichkeit der leidenden Menschheit


Potenzierte Energie


Dem Genie Hahnemanns verdanken wir ferner das zweite homöopathische Prinzip der speziellen Arzneizubereitung. Hahnemann fand mit traumwandlerischer Sicherheit einen Weg, um die Arznei von ihrem materiellen Mantel zu befreien, ohne sie unwirksam zu machen (wie das bei einer einfachen Verdünnung der Fall wäre). Im Gegenteil, erst dadurch ist die heilende Substanz in der Lage, direkt auf die ebenfalls immaterielle „Steuerungszentrale“ des Organismus einzuwirken. Außerdem konnten dadurch auch giftige Substanzen geprüft und verwendet werden. So schrieb er: „ ...dass durch Reiben und Schütteln – also durch mechanische Einwirkung auf kleinste Teile, latente, vorher unmerkliche, schlafende und verborgene Kräfte dynamisiert oder potenziert werden“.
Der Weg vom Einzelstoff zum Medikament verläuft, vereinfacht dargestellt, folgender Maßen: die Ursubstanz wird im Verhältnis 1:100 je nach Löslichkeit entweder mit Milchzucker eine Stunde lang verrieben oder mit Alkohol 100 mal kräftig verschüttelt, wodurch eine C1 (erste Centesimalpotenz) entsteht. Dann wird ein Teil der C1 wiederum mit 99 Teilen Milchzucker oder Alkohol gemischt und verrieben oder verschüttelt, wodurch man die C2 erhält usw..
Die D-Potenzen werden im Verhältnis 1:10 potenziert. Weitere mechanische Einwirkungen ergeben noch höhere Potenzen.


Die Herstellung


der Medikamente gemäß den Vorschriften des amtlichen homöopathischen Arzneibuches (HAB) ist eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe und sollte nur durch spezialisierte Arzneifirmen erfolgen, da sonst keine Gewähr für ihre Wirksamkeit besteht.
Homöopathie lässt sich chemisch nicht erklären, aber einem Fernsehapparat beispielsweise geht es genauso und dennoch ist dieser „wissenschaftlich anerkannt“.
Schon Paracelsus erkannte: „Was die Zähne kauen, ist die Arznei nit. Niemand sieht die Arznei. Es liegt nit am Leib, sondern an der Kraft“.
Wer behauptet, die homöopathischen Mittel könnten nicht wirken, weil „nichts drin“ sei, zeigt lediglich seine Befangenheit im überholten materialistischen Weltbild. Von diesem Standpunkt aus müsste ja jede unsichtbare Energie nicht erklärbar und folglich unwirksam sein. Dass ein Stromschlag jedoch wirkt, bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung.
Die Hauptforderungen an ein Medikament bestehen aber nicht nur in der Wirksamkeit, sondern auch in der Unschädlichkeit.
Hahnemann hat an sich selbst und seinen Schülern etwa 100 Substanzen geprüft, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen noch etwa 600 dazu. Vom heutigen Arzneimittelschatz werden etwa 50 ständig und 200 häufig verwendet.
Gut geprüfte Medikamente bringen es auf bis zu 4000 Symptome im geistigen, seelischen und körperlichen Bereich. Ein einziges genau passendes Mittel ist deshalb auch in der Lage, gleichzeitig zum Beispiel Schlaflosigkeit, ängstliche Ruhelosigkeit, Kopfschmerzen und Hämorrhoiden zu heilen. Die geprüften Mittel sind in den Arzneimittellehren (Materia medica) dokumentiert, und zwar in jeweils unterschiedlicher Prägung und Ausführlichkeit (vom Taschenbüchlein bis zum zehnbändigen Werk).
Beweisführung?
Noch ein Wort zum häufig gehörten Vorwurf, die Homöopathie heile mit Suggestion oder Placebos: es ist tausendfach erwiesen, dass das passende homöopathische Medikament auch bei Bewusstlosen, Säuglingen, Tieren, Pflanzen und sogar bei Gegnern der Homöopathie wirkt. Das Placebo-Phänomen existiert natürlich, es kommt aber bei jeder Therapieform vor. Es ist sogar zu vermuten, dass es in der Schulmedizin zu einer größeren Anzahl von Placebo-Effekten kommt, da hier meistens aufwändigere und beeindruckendere Prozeduren vorgenommen werden als in der Homöopathie.
Die Grenzen der Homöopathie sind erreicht, wenn die Lebenskraft eines Menschen bereits zu sehr geschwächt ist.
Klassische Homöopathie eignet sich also nicht für Endstadien von Krebs, Tuberkulose, Diabetes und anderen schweren degenerativen Erkrankungen, weil diese entweder einer Dauer-Substitution oder einer vielfältigen und gemischten Therapie bedürfen. Selbst dann jedoch kann mit einer begleitenden, homöopathischen Behandlung meist noch Linderung der Beschwerden bei geistiger Klarheit erzielt werden.
Das passende homöopathische Medikament vermag die Weichen wieder richtig zu stellen, liefert die fehlende Information und bringt den Menschen in Einklang mit sich selbst. Die energetisch wirkende Arznei unterstützt den Heilungsprozess energetisch – als Hilfe zur Selbsthilfe, nicht durch Holzhammermethoden wie Antibiotika, Psychopharmaka etc., aber auch nicht durch die apokalyptische Gentechnik, deren einzige Chance in einer kurzfristigen Gewinnmaximierung der Industrie liegt.


Die Mittelfindung in der Homöopathie


Zur Ermittlung des richtigen homöopathischen Medikaments müssen bei chronischen oder immer wiederkehrenden Krankheiten alle seit der Geburt jemals aufgetretenen krankhaften Erscheinungen (Symptome) aufgenommen werden. Denn die Homöopathie heilt nicht nach Krankheitsnamen – eine klinische Diagnose allein genügt also keineswegs.
Sofern eine Krankheit eine klare auslösende Ursache hat, ist diese von besonderer Wichtigkeit, auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegt (z.B. Unfall, ärztliche Behandlung, Impfung, Kummer, Schock usw.). Überlegen Sie deshalb bitte genau, sonst kann unter Umständen das heilende Mittel nicht gefunden werden.
Für die Verwertbarkeit eines Symptoms ist dessen nähere Beschreibung von entscheidender Bedeutung, wenn diese ohne viel Überlegung und eindeutig erfolgt.
Allein für „Verstopfung“ zum Beispiel gibt es etwa 250 homöopathische Mittel. Tritt die Verstopfung allerdings immer nur nach Ärger auf, kommen nur noch drei Mittel in die engere Wahl. Es geht bei den Zusatzfragen um die Lokalissation, die Modalitäten, die Empfindungen und die Begleitsymptome:


- Wo genau schmerzt es? Wo wird die Empfindung lokalisiert? Strahlt der Schmerz aus? Wohin? Wandert er?
- Treten diese Beschwerden regelmäßig auf? Zu welchen Zeiten? (Tages-, Nacht-, Wochen-, Jahreszeit)
- Werden diese Beschwerden jeweils durch einen klar erkennbaren Umstand ausgelöst? Durch welchen? (z.B. Kummer, Nebel, Menses etc.)
- Wodurch verschlimmern sich die Beschwerden? (z.B. durch Aufregung, Bewegung, Berührung, Druck, Schlaf, Wein usw.)
- Was bessern die Beschwerden? (z.B. Essen, frische Luft, kalte Getränke, Schwitzen, Zusammenkrümmen usw.)
- Können Sie die Art der Schmerzen oder Empfindungsstörung unzweifelhaft beschreiben? (z.B. klopfend, brennend, nagend, schneidend, stechend, wie wund, Leeregefühl, Vergrößerungsgefühl usw.)
- Gibt es Umstände, die die Beschwerden begleiten, ihnen vorausgehen oder folgen (z.B. vorübergehende Blindheit vor Kopfweh, Schwäche nach dem Stuhlgang, Angst bei Herzklopfen usw.)
- Wie kommen und gehen die Symptome? (z.B. allmählich, mit der Sonne, plötzlicher Beginn, langsames Vergehen etc.)
- Bestehen die Beschwerden dauernd oder werden sie unterbrochen? In welchem Abstand oder Rhythmus? (z.B. jeden 2. Tag oder ähnliches)


Erfahrungsgemäß sind auch die Geistes- und Gemütssymptome sehr wichtig. Homöopathie will und kann natürlich den angeborenen Charakter sowie ureigenste Neigungen nicht verändern, es geht auch nicht um eine Charakterbeurteilung, sondern allein um die Auffindung des richtigen Mittels.
Zum Beispiel benötigt ein Patient mit Kopfschmerzen, der schnell zornig wird, ein anderes Medikament als einer, der nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Besonders interessant sind alle auffälligen Veränderungen seit einer bestimmten Zeit oder zu bestimmten Anlässen – und diese können dann auch geheilt werden.
Selbstkritische und wahrheitsgemäße Angaben sind jedenfalls unbedingte Voraussetzungen zur Auffindung des passenden Mittels.
Das Berufsgeheimnis garantiert die Geheimhaltung, auch den Angehörigen gegenüber.
Je vollständiger und genauer die Angaben sind, umso sicherer kann das richtige Mittel gefunden werden. Allerdings braucht niemand krampfhaft versuchen, jede Frage zu beantworten. Von Bedeutung sind meist nur diejenigen Symptome, die ohne viel Überlegung spontan einfallen und ganz deutlich sind, also sozusagen „unter den Nägeln brennen“. Die gewissenhafte Beantwortung des Fragebogens dient auch der eigenen Selbsterkenntnis, erweitert das Bewusstsein – beides unabdingbare Voraussetzungen für jede wirkliche und dauerhafte Heilung.


Die Mittelwirkung in der Homöopathie


Ein exakt passendes Medikament (Similimun) führt entweder zu einer schnellen oder stetigen und anhaltenden Besserung oder aber es kommt zunächst die „homöopathische Erstverschlimmerung“. Sie sollte jedoch nach folgenden Kriterien von einer Verschlechterung der Krankheit unterschieden werden: entweder verschlechtern sich äußerliche Symptome und innerlich tritt eine Besserung ein oder der Patient fühlt sich trotz Verschlechterungen einzelner Symptome bereits subjektiv besser.
Die „Hering’sche Regel“ sagt: „Der Patient ist auf dem Wege geheilt zu werden, wenn entweder die Symptome von innen nach außen verschwinden oder von oben nach unten oder von den wichtigeren zu den unwichtigeren Organen oder in der umgekehrten Reihenfolge ihres Auftretens.“
Dabei können sich auch längst vergessene Leiden wieder kurzzeitig melden, wenn sie nämlich nicht richtig geheilt wurden, sondern nur unterdrückt worden waren. Eine Erstverschlimmerung lässt in den meisten Fällen eine gute Prognose zu. Die Heilreaktion ist damit in Gang gekommen, die Lebenskraft wehrt sich gegen die eingedrungene Krankheit. Dies kann sich in einem „unerklärbaren“ Schnupfen äußern, in einem Furunkel oder Durchfall – alles Mittel des Körpers, um das System zu reinigen und zu entgiften. Solche meist nur kurz währenden und nie gefährlichen Reaktionen bringen oft bereits die Krankheitsursache zum Verschwinden und bewirken so dauerhafte Heilung.
Buchtipp:
„Heilung durch Homöopathie“, Autor Rolf Schwarz, ISBN 3-7999-0236-8, Turm Verlag, Postfach 1851, 74308 Bietigheim-Bissingen, Tel.: 07142/940843,
Fax: 07142/940844,
E-Mail: bestellen@turm-verlag.de

Selbsthilfeseminar und Ausbildungsangebot:
www.Heilpraktiker-lehrinstitut.de
www.Seminarhaus-hoher-vogelsberg.de