85 ist noch kein Alter

Ingrid Schlieske
Artikel aus dem BIOLINE-Magazin


Wer Lore Kalies kennen lernt, mag kaum glauben, dass diese jugendliche, hübsche und vitale Frau tatsächlich schon bald 86 Jahre alt ist.
Aber – ihre Jugendlichkeit ist keineswegs ein Produkt des Zufalls oder ein Geschenk von günstigen Genen, sondern das Ergebnis von sinnvollem Gesundheitsmanagement. Und das seit vielen Jahren.
Ich lernte diese bemerkenswerte Frau vor einem Jahr als Kurgast auf der BIOFITNESS-Farm Hoher Vogelsberg kennen.
Nun passiert es nicht alle Tage, dass dort Menschen anzutreffen sind, die ein solch begnadetes Alter haben und dennoch derart rege an Sport und anderen Aktivitäten teilhaben.
Ich hatte anfänglich Bedenken, sie in die morgendliche Wirbelsäulengymnastik einzuführen. Aber zu meinem riesigen Erstaunen, turnte sie so manch viel jüngeren Farmgast in Grund und Boden und zeigte sogar der Gruppe von Jugendlichen, die erst zum Sport motiviert werden musste, wie beweglich ein älterer Mensch sein kann und erst recht, wie ausdauernd.
Frau Kalies absolvierte auch engagiert die „5 Tibeter“ und CranioSacral-Selbshilfeübungen.
Ganz und gar verblüfft aber waren wir dann, als sie sogar zum Extraprogramm für Jugendliche am Nachmittag, bei dem es um das Formen der Figur mit speziellen Sixpack-Übungen geht, erschien. Diese Übungen sind  richtig anstrengend und verschaffen den Anwendern einen gehörigen Muskelkater. Frau Kalies hielt mit.
Also, ich staunte und die Kiddys auch.
Für mich aber stand nun fest: das mache ich nach! Mit 85 will ich genau so fit sein, wie sie. Es geht also, wenn man genug dafür tut.
Und nach einer Reihe von Gesprächen mit dieser bemerkenswerten Frau war klar: diese Fitness war keineswegs ein Zufall oder ein Geschenk der Natur, sondern das Ergebnis von klugen Überlegungen und dem konsequenten Umsetzen von Erfahrungen und Erkenntnissen.
Als Frau Kalies gemeinsam mit ihrer Freundin nun in diesem Jahr wieder einen Farm-Urlaub buchte, fragte ich, ob ich sie nicht unseren Lesern der BIOLINE vorstellen dürfe. So ein Vorbild würde manchem Sportmuffel Anlass zum Nachdenken sein. Vor allem aber würde es Mut machen und den Menschen die Angst vor dem Altern nehmen.
Ich freute mich riesig, als Frau Kalies zustimmte und bereit war, uns ihr Leben zu erzählen.
Und das beweist, dass es wirklich keine Sache für sie ist, nun bald sogar 86 Jahre als zu werden.


Aber ich will sie selbst berichten lassen:


Gesundheit ist Fleiß!
Lore Kalis, Bad Orb


Das ist meine Lebensmotto, nach dem ich mich auch in den nächsten 25 Jahren noch richten werde.


Verzicht ist eine Frage der Disziplin


Ich habe ein reiches und erfülltes Arbeitsleben hinter mir. Dafür leitete ich über einige Jahrzehnte eine der renommiertesten Künstleragenturen Deutschlands, die ich alleine aufgebaut hatte. Für meine Leistungen wurde ich mehrfach „in teilweise ganzseitigen Reportagen gewürdigt“.
In dieser Zeit durfte ich fast alle Künstler kennen lernen, die große Namen hatten und die ich für viele Veranstaltungen engagieren und für Auftritte vermitteln konnte.
Aber nur zu oft erlebte ich, wie sich begnadete Künstler gesundheitlich ruinierten, indem sie ein ausschweifendes Leben führten. Da wurde geraucht, gefuttert und getrunken, die Nächte hindurch getanzt und gezecht.
Wie oft warnte ich, dass ein solches Leben sich sicherlich in späteren Jahren bemerkbar machen müsse. Und genau das erlebte ich auch leider viel zu oft.
Viele der Großen haben lange vor der Zeit ihre Gesundheit, oft sogar ihr Leben verloren, was mit Sicherheit der oft maßlosen Lebensweise zu verdanken war.
Ganz anders wollte ich selbst leben. Schon als junge Frau hatte ich ein großes Gesundheitsbewusstsein. Mein erster Ehemann fragte oft spöttisch: „Na, gibt es heute wieder was Gesundes?“ Aber ich ließ mich nicht beirren, kaufte im Reformhaus und versuchte, meine Kinder ebenfalls so gesund wie möglich zu ernähren.


Erfolg fällt nicht vom Himmel


Eigentlich war mir der berufliche Erfolg nicht in die Wiege gelegt worden. Als gelernte Bürokauffrau arbeitete ich erst in einem Unfallkrankenhaus. Danach bewarb ich mich in einem Hotel und sollte dort eigentlich meine Chefin in der Küche unterstützen. Diese jedoch, von meinem Fleiß und meiner Einsatzbereitschaft beeindruckt, übertrug mir nach und nach sogar die Hotelleitung.
In dieser Eigenschaft lernte ich meinen späteren Mentor kennen, der mich zu einer Reihe von Veranstaltungen, die von ihm gemanagt wurden, mitnahm.
Nun lernte ich eine völlig andere Welt kennen.  Ich meine, damals schon „Blut geleckt“ zu haben und begann, mich für Veranstaltungen und Künstlervermittlungen zu interessieren.
Als in der örtlichen Tageszeitung eine gewandte Dame gesucht wurde, die regional in Großveranstaltungen Brautpaare küren sollte, erkannte ich meine Chance.
Diese Veranstaltungen waren Vorläufer der heutigen Casting-Shows, die damals regional sensationell erfolgreich waren. Es wurde dafür „das ideale Brautpaar“ gesucht.
Dazu lockten die damals bekanntesten Künstler die Zuschauer in Scharen an.
Sponsoren waren die örtlichen Handelsketten wie Kaufhäuser, Supermärkte und  größere, namhafte Geschäfte.
Die Presse überschlug sich mit positiven Vorankündigungen und Berichten.
Es dauerte nicht lange und ich konnte mich mit einer solchen Veranstaltungsfirma selbständig machen.
Hochkarätige Künstler wurden von mir engagiert.
In der Regel war so ein Star das Zugpferd für die Veranstaltung und ein attraktives Beiprogramm sorgte für Stimmung.
Beispielsweise habe ich mit Trude Herr, Gerhard Wendland, Rene´ Carol und anderen großen Namen, ganze Tourneen zusammengestellt.
Später profilierte sich meine Veranstaltungsfirma zu einer Gastspieldirektion, die riesige Veranstaltungen organisierte. Heute würden diese mit „Events“ bezeichnet werden.
Und ich versorgte diese Events mit prominenten Künstlern. Um nur einige Namen zu nennen: Peter Alexander, Wim Tölke, Udo Jürgens, Thomas Gottschalk, David Hasselhoff, Paul Anka, Sophia Loren und Horst Tabbert. Ja, sogar Professor Barnard konnte von mir für große, anspruchsvolle Tagungen verpflichtet werden.
Man kann sagen, dass ich fast alle großen Künstler meiner Zeit kennen gelernt und mit einem großen Teil von ihnen auch gearbeitet habe.
Dass ein solches Leben und ein so großer geschäftlicher Erfolg nicht im Vorübergehen zu erreichen ist, versteht sich von selbst.
Wollte ich nicht gesundheitlich auf der Strecke bleiben, war ich schon früh darauf angewiesen, mich über eine adäquate Lebensführung Gedanken zu machen. Und das war gar nicht so einfach. Da kam man spät heim, denn die Veranstaltungen fanden ja überlall in Deutschland statt. Dennoch musste ich schon früh im Büro sein, sollte „der Laden laufen“.
Alkohol, Zigaretten und ungesundes Essen hatten in einem solchen Leben auf der Überholspur keinen Platz.
Vorausschauend sorgte ich auch dafür, dass meine Familie regelmäßig Urlaub machte und ich dabei völlig abschalteten konnte. Jede freie Minute verbrachte ich mit meinen Kindern. Schwimmen und Radfahren war Familienvergnügen.
Mit 48 Jahren erlernte ich das Golfspielen, was ich heute noch regelmäßig und mit großem Vergnügen betreibe.
Durch meinen zweiten Mann, einen Juristen, erhielt ich später auch die Unterstützung in der Firma, die noch ein weiteres Wachstum zuließ.
Mit 64 Jahren dann überließ ich einem meiner Söhne nach und nach die Geschäftsführung und zog mich langsam ins Privatleben zurück, um mit meinem Mann in Bad Orb in Hessen einen schönen Lebensabend zu verbringen. Leider jedoch verstarb mein Mann im hohen Alter von 93 Jahren, aber für mich viel zu früh.


Die Freude am Leben ist mein Antrieb


Heute genieße ich bewusst mein Leben. Ich bin viel unterwegs, reise und bin auch daheim ausgesprochen umtriebig.


Denn nur zu gut weiß ich: „wer rastet, der rostet!“


Als Vorsitzende eines Bridgeclubs organisiere ich viele Bridge-Tourneen mit meinen Freundinnen. Bei uns wird auch viel gelacht und  der Geist gepflegt, weil wir offen sind für interessante Eindrücke und neue Herausforderungen.
Besonders wichtig aber ist mir die Gesundheitspflege. Regelmäßig lasse ich mir die Knochendichte messen und gehe alle 14 Tage zu einer Sitzung mit der Alexandertherapie, damit meine Wirbelsäule im Lot bleibt.
Schmunzeln musste ich, als mir auf der Farm die CranioSacral-Selbsthilfeübungen ans Herz gelegt wurden. So was ähnliches mache ich schon lange. Seit vielen Jahren nämlich bringe ich nicht nur meine linke mit der rechten Gehirnhälfte in Bezug, indem ich im Stehen und leicht gebeugten Knien mit beiden Armen von einer Seite zur anderen schwinge, auch meine Wirbelsäule halte ich damit elastisch.


Alternative Heilmethoden und Sport


Regelmäßig mache ich mich kundig, was es Neues gibt an alternativen Heilmethoden und was davon ich selbst machen kann. So sorge ich dafür, dass ich regelmäßig Entschlackungskuren mache und damit meinen Organismus reinige.

Auf diese Weise lernte ich auch das Japanische Heilströmen und das Meridianklopfen kennen.
Gut, ich kann es mir heute leisten, viel zu reisen und auch Kuren zu absolvieren, die nicht so ganz billig sind. Nach einem langen fleißigen Arbeitsleben habe ich es verdient, mich zu verwöhnen.
Aber ich habe erkannt, dass die wichtigsten Maßnahmen für meine Gesundheit von mit selbst zu leisten sind und nichts kosten.
So ist es mir ein Anliegen, mich laufend sportlich fit zu halten. Die Freunde eines meiner Enkelin habe ich damit verblüfft, dass ich einen Kopfsprung vom 3-Meterbrett machte. Dass mein Enkelin damit prahlte, dass es seine alte Oma war, die da so flott herunter sprang, gönnte ich ihm gerne. Ich genieße es, wenn die Kinder es kaum glauben können, dass ich sie in mancher Hinsicht überrunde. Wie vor wenigen Jahren, als ich die Kinder locker abhängen konnte, wenn wir um die Wette über aufgestellte Kisten sprangen.
Neben dem Golfspielen mache ich täglich meine Gymnastik und gehe regelmäßig ins Fitnessstudio. Vor allem halte ich mich viel an der frischen Luft auf.
Klar, die alten Knochen sind nicht mehr ganz so fix wie in früheren Jahren. Aber wenn sie ordentlich gewartet werden, kann ich mit ihnen noch so allerhand anstellen. Und mein Instandhaltungsprogramm will ich pflichtschuldig absolvieren, denn ich bin ja noch jung und mein Körper soll in diesem Leben noch eine Menge leisten.


Die Hay´sche Trennkost


Als mir mein Arzt mitteilte, dass meine Nieren nur noch zu etwa einem Drittel ihre Funktion ausübten, war ich nicht wenig erschrocken. Diese Nachricht war der Hauptgrund für mich, die Trennkost kennen lernen zu wollen. Ich hatte davon gehört, dass ein Dr. Hay diese Ernährungsform als Nierenregenerationsdiät entwickelt hatte und damit seine eigenen Schrumpfnieren heilen konnte. Auf der BIOFITNESS-Farm ließ ich mich in dieser Ernährungsweise unterrichten, die mir ausgesprochen gut bekommt. Besonders gefällt mir, dass hier nicht von Verzicht die Rede sein kann, sondern die Zusammenstellung der verschiedenen vegetarischen Lebensmittel sorgsam beachtet wird.
Angenehm ist mir, dass man auch auf Reisen oder bei Einladungen und im Restaurant dieses System einhalten kann, wenn man seine Speisen mit Überlegung zusammenstellt.
Ob ich mich immer nach der Trennkost richte? Na ja, meistens jedenfalls.
Auf alle Fälle aber achte ich nun streng darauf, dass ich immer genügend Obst, Gemüse und Salat konsumiere und mich bewusst basenüberschüssig zu ernähren.
Die Ernährungslehre auf der Farm sagt mir sehr zu und ist auch für meine Freundin, die mich in diesem Jahr dorthin begleitete, eine Bereicherung. So werde ich wohl auch in jedem weiteren Sommer dort ein Wöchelchen verbringen, um mich wieder neu motivieren zu lassen.


Mein Alter


Immer wieder erstaunt es mich, dass um mein Alter ein solches Aufheben gemacht wird. Ich komme mir noch gar nicht so alt vor. Ich fühle mich noch reichlich jung und unternehmungslustig und will noch viel sehen und erleben.
Freilich ist mir klar, dass ich meine Gesundheit nicht dem Zufall überlassen darf. Ich muss schon meinen Einsatz dafür erbringen. Aber auch hier gilt, wie auf anderen Ebenen des Lebens: „Ohne Fleiß – kein Preis!“
Und den Fleiß werde ich noch viele Jahre aufbringen, denn ich habe die feste Absicht, Jopie Heesters um einiges zu überrunden ...


Die 5 Tibeter


Das sind 5 Jogaübungen, die jede bis zu 20 mal wiederholt werden. Sie sind einerseits beste Rückenschule, andererseits stimulieren sie Hormonausschüttungen und gelten, regelmäßig ausgeführt, als Jungbrunnen.


Pendeln gegen Knieverschleiß


Der verstorbene Mann von Lore Kalies hat schon in früheren Jahren von einem befreundeten Orthopäden den Rat bekommen, rechtzeitig dem Verschleiß der Kniegelenke vorzubeugen. Dazu setzte er sich auf einen hohen Tisch und ließ für zehn Minuten die Beine pendeln. Das schafft Platz in den Gelenken und bietet der Innenauskleidung der Gelenke und Kapseln die Möglichkeit, wieder genügend Gelenkschmiere zu bilden.


Nierenregeneration mit Trennkost


Einst von dem Arzt Dr. Hay (USA) als Nierenregenerationsdiät entwickelt, bietet sich die Trennkost als dauerhafte Ernährungsweise an, mit deren Hilfe Verdauung zügiger abläuft und der Organismus insgesamt entlastet wird.


Die Alexandermethode


Die Alexandertechnik ist eine Behandlungsweise, die Menschen hilft, denen eine Gesundheitsschädigung durch falsche Körperhaltung entstanden ist. Es geht dabei bevorzugt um das Auflösen von Muskelverspannungen. Die Methode verhilft zu einem schwungvollen Gang und einer elastischen Wirbelsäule.


Lore Kalies verkauft Ideen


Eine große Wirtschaftszeitung begeisterte sich einmal für den Ideenreichtum von Lore Kalies und riet Firmen, deren Geschäfte stagnierten, sich von dieser einfallsreichen Frau beraten zu lassen. Mut und der Sinn für Ausgefallenes, noch nie Dagewesenes, waren der Motor für den bemerkenswerten geschäftlichen Erfolg dieser Frau.
„Übrigens geht es mir besonders wohl und munter, seitdem ich Japanisches Heilströmen ausübe“.